Airbourne - Diamond Cuts - The B-Sites (2017)

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The Count
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Airbourne - Diamond Cuts - The B-Sites (2017)

Beitrag von The Count » Freitag 15. Dezember 2017, 02:23

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Airbourne wurden einst von der Presse als die offiziellen Nachfolger von AC/DC gekührt, konnten aber für meinen Geschmack nicht immer als dessen überzeugen. Beginnend im Jahre 2004, als die auf 1000 Stück limiterte EP "Ready To Rock" lediglich in Australien erschien und bis heute wohl den eindeutigsten AC/DC Nachklapp darstellt, enterten Airbourne die Bühnen dieser Welt. "Ready To Rock" war rau, hart und versprühte nur so den Flair der besten Rock'n'Roll Band aller Zeiten. Total geklaut und dennoch komplett selbst gemacht, erwies sich diese EP als wahres Meisterwerk. Bis heute sind die Jungs nie wieder an diese Klasse heran gekommen. Das Debüt Album "Runnin' Wild" war gut, lies aber fast überwiegend Solis und melodisches Gefrickel vermissen. Warum?! Hatte die Band doch ihr Können als astreinen AC/DC Klon bereits unter Beweis gestellt, musste man mit dem ersten Studio Album schon gewaltige Abstriche machen. Nachfolgend wurde es auch nicht besser. "No Guts No Glory" kam längst nicht an "Runnin' Wild" heran und "Black Dog Barking" stellt für mich einen Totalausfall dar. Erst im letzten Jahr mit "Breakin' Outta Hell" haben Airborune für mich ein wirklich richtig gutes Album rausgeschossen, denn darauf machte sich der altbewährte Sound wieder bemerkbar.

Eine Band also, die bisher ziemlich durchwachsen erscheint und ihren Ruf irgendwo nicht ganz gerecht wird. Schade ist auch die Tatsache, das man "Ready To Rock" in seiner Ursprungsform, nie eine zweite Chance zur großflächigen Veröffentlichung gegeben hat. Stattdessen wurden diverse Songs der EP neu aufgenommen und auf einzelne Studio Alben verteilt, die aber allesamt ihren Originalen nicht das Wasser reichen können. Der Titeltrack "Ready To Rock" wurde als Neuaufnahme erstmals auf dem Album "Black Dog Barking" veröffentlicht.
Weitere Neuaufnahmen wie "Dirty Angel", "Hotter Than Hell" und "Stand & Deliver" waren auf der nur als Download erhältlichen Special Edition von "Runnin' Wild" zu finden. Gerade die erst genannten Songs waren in ihrer Ursprungsform einfach göttliche Rocker, die in ihrer Neuaufnahme einfach nicht mehr den gleichen Flair besitzen und zu sehr ins neumodische abdriften. Schade! Aber wer aufmerksam im Netz stöbert, wird die EP von 2004 ganz sicher irgendwo finden.

Mit "Diamond Cuts" kommt nun ein Longplayer daher, der kein offizielles Studio Album darstellt, sondern sämtliche B-Seiten, bzw. Bonus Tracks und Neuaufnahmen beherbergt, die ehemals nur auf den Limited Editons der jeweilgen Studio Alben zu finden waren. Als wirklich "neu" erschließen sich für mich lediglich zwei Songs, deren Herkunft ich bis dato nicht ermitteln konnte. Eventuell sind jene wirklich nur als B-Seiten auf irgendwelchen Singles erschienen oder gar bis heute unveröffentlicht geblieben. Die Rede ist von "Money" und "Heavy Weight Lover." Der Rest ist mehr oder weniger bekannt.

Über die Neuaufnahmen von "Stand & Deliver", "Hotter Than Hell" und "Dirty Angel" sprachen wir bereits. Wer die Originalaufnahmen nicht kennt, wird hier sicherlich seine Freude haben, kenner der Urfassung zu denen ich auch gehöre, werden diese aber definitiv vorziehen. "Red Dress Woman" und "Heads Are Gonna Roll" sind herrliche Rock'n'Roll Perlen, wo es eine Schande ist, das man jene nicht offiziell veröffentlicht hat. So manches Album wäre mit diesen Tracks weitaus besser weg gekommen, da sie den wahren AC/DC Geist atmen. Ebenso "Kickin' It Old School", "Devil Child", "Rattle Your Bones" oder "Loaded Gun" sind sowas von retro angehaucht, das es eine wahre Freude ist, diese heiligen Riffs in der heutigen Zeit wieder zu hören. Das könnte man nun noch ewig wiederholen, denn auch "Yout Got The Skills (To Pay The Bills)" und "Party In The Penthouse", "Money" und "Heavy Weight Lover" lassen keine Kniescheibe ruhig.
Lediglich "My Dynamite Will Blow You Sky High" und "Jack Attack" sind als etwas schwächer zu verzeichnen. Hier stimmen zwar die Riffs, stehen aber im Gesamtbild den restlichen Songs etwas hinterher.

Unterm Strich grenzt es schon an Surealität, das die B-Seiten und Bonus Tracks fast ausschließlich die ersten drei Studio Alben völlig in den Schatten stellen. Als hätte man einst die falschen Songs veröffentlicht, denn alles was "No Guts, No Glory" und vorallem "Black Dog Barking" vermissen ließen, findet sich auf "Diamond Cuts" wieder.
Wer also die Limited Editions der Studio Alben zuhause hat, kann sich "Diamond Cuts" wohl getrost sparen und eher zum legalen Download der zwei fehlenen Songs greifen. Vorallem wird man dann auch eher mit den vorherigen Alben zufrieden sein, da die Standard Versionen eher enttäuschend waren. Wer jedoch die erweiterten Studio Alben verpasst hat, kann hier bedenkenlos zugreifen, denn was einst als B-Seite oder Bonus rausgefeuert wurde, erweist sich größtenteils besser, als so manche offiziellen Album Tracks.
Warum man allerdings den Song "Hellfire" nicht auf diese Complication gepackt hat, welcher nur auf der Japanischen LP von "Runnin' Wild" zu finden war, ist mir ein Rätsel. Verdient hätte es der Kracher allemal. Somit bleibt auch ein kleiner Wermutstropfen, weil man eben doch mindestens einen Song verpennt hat, der auf diese Scheibe gemusst hätte.


Wenn Du was Intelligentes mit Message hören willst, leg R.E.M. auf. Aber wenn du einen harten Schwanz haben willst, hör AC/DC. (Brian Johnson)

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