Phil Campbell And The Bastard Sons - The Age Of Absurdity (2018)

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The Count
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Phil Campbell And The Bastard Sons - The Age Of Absurdity (2018)

Beitrag von The Count » Samstag 10. Februar 2018, 15:40

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Im Dezember 2015 verstarb nicht nur Lemmy Kilmister, sondern mit ihm auch die legendäre Rock'n'Roll Maschine "Motörhead." Und auch wenn sich die letzten Alben nach "Inferno" allesamt nur noch im qualitativen Mittelmaß ohne Nennenswerte Highlights bewegten, waren Lemmy und co. eine absolute Kultband die kaum ein Festival Hierzulande ausgelassen hat. Die Fanbase in Deutschland war laut Lemmy enorm und einzigartig, darum wäre man mit der Band immer wieder her gekommen. Doch seit nunmehr 2 Jahren ist der Traum vorbei. Motörhead gehören der Geschichte an und werden für immer eine riesige Lücke hinterlassen.

Gottseidank haben die verbliebenen Musiker Phil Campbell und Mickee Dee auf einen Fortbestand mit neuem Bassisten gänzlich verzichtet. Wer hätte auch in diese Fußstapfen treten und von den Fans akzeptiert werden können? Wahrlich niemand.
Und trotzdem muss man nicht auf das kreative Schaffen der beiden verbliebenen verzichten. 2016 tauchte Mickee Dee zu meinem persönlichen Verblüffen als neuer Drummer bei den Scorpions wieder auf. Meiner Meinung nach ist Mickee Dee aber nicht nur ein Drummer, sondern auch ein wahrer Zerstörer und bei den Scorpions völlig fehl am Platz, unabhängig davon, was ich von der Band halte. Den besseren Weg hat hingegen Gitarrist Phil Campbell hingelegt und prompt seine eigene Band gegründet. Der Name "Phil Campbell and the Bastard Sons" ist obendrein an das gleichnahmige Motörhead Album "Bastards" aus den frühen 90ern angelehnt. Damals spielte die Band noch als Ouartett mit Würzel an der zweiten Klanfe.

Außerdem ist die Truppe mit Ausnahme von Sänger Neil Starr komplett mit Phil's Söhnen (The Bastard Sons) Todd, Dane und Tyla besetzt.
Ihr Debüt gab die Band 2016 auf dem W:O:A und erregte schnell großes Aufsehen. Zwar spielten sie bis dato nur Cover Versionen bekannter Rock'n'Roll Klassiker, konnten aber dennoch erste Achtungserfolge verbuchen und in den Hinterköpfen hängen bleiben. Im selben Jahr erschien noch die erste selbstbetitelte EP, welche die Vorfreude auf ein baldiges Album enorm steigen lies. Ganze 2 Jahre später war es dann endlich soweit. "Age of Absurdity" erblickte im Januar 2018 das Licht der Welt. Das Ergebnis ist vielleicht nicht das, was alle erwartet haben, aber kann auf seine eigene Art durchaus begeistern.

Phil Campbell ist nicht in Agnonie verfallen und hält nicht stoisch am Motörhead Konzept fest. Vielmehr hat der Gute seinen eigenen Stil freien Lauf gelassen und bringt außer lärmenden Riffs noch eine ganze Menge mehr auf den Silberling mit.
Während der Opener "Ringleader" noch stark an Motörhead erinnert, mischen sich anderweitig ("Welcome To Hell") modernere Akkorde mit klassischem Rock'n'Roll Riffs. "Freak Show" ist enorm melodisch und gleichzeitig funky. Macht Laune! "Skin and Bone" bietet hingegen einen stärkeren Metal Anteil, ist dafür aber weniger nachhaltig. Absolute Highlights sind die beiden Punk'n'Roll Nummern "Gypsy Kiss" und "Dropping The Needle", welche In seinen kurzen Laufzeiten (2:22 und 1:50 Minuten) leider arg kurz erscheinen, aber dafür noch lange im Ohr hängen bleiben. ;-) Dagegen ist die Blues Rock Nummer "Dark Days" weniger gelungen. Im Ansatz klingts nicht schlecht, doch man hat immer den Eindruck, als würde irgendetwas fehlen. "Get on your Knees" und vorallem "High Rule" sind zwar hämmernde Stampfer, kommen aber nicht über den Status "Album Track" hinaus. Mit "Step into the Fire" gibt es dann noch einen wüsten Rock'n'Roller, der wahrscheinlich vorallem Live richtig Spaß machen wird und die sehr gelungene Ballade "Into The Dark." Die Titelmelodie und die weichen Solis sind wirklich hervoragend, so wie man sie noch nie von Phil Campbell gehört hat. Ganz großer 80's Revival der Song!

Als Käufer der Limited Edition bekommt man noch ein großartiges Schmankerl obendrauf geboten. Wo das herkömmliche Album nach "Into The Dark" endet, gibt es mit "Silver Machine" - eine Cover Version des Hawkwind Klassikers, wo Lemmy selbst in den frühen 70ern als Bassist unterwegs war, einen Bonus Song der Extraklasse auf die Ohren. Das die Jungs wahnsinnig gute Cover bieten, die selbst die Originale um Längen übertreffen (Stichwort: Nutbush City Limits!!!) ist seit dem W:O:A 2016 längst bekannt und auch "Silver Machine" schließt sich dem nahtlos an. Wer hier nicht zu Limited Edition greift, ist selber schuld!

Unterm Strich haben "Phil Campbell and the Bastard Sons" ein starkes Debüt Album hingelegt, das aber nicht immer beim ersten Durchhören direkt zündet. Manches braucht einwenig Zeit, da den Erwartungen entsprechend, der Sound doch etwas anders ist, als typischer Motörhead Vollgas Rock'n'Roll. Außerdem fehlen 3 - 4 Songs eine gewisse Nachhaltigkeit, was aber aufs Gesamtbild betrachtet, nicht sonderlich tragisch erscheint. "Phil Campbell And The Bastard Sons" sind definitiv eine großartige Band, von der wir noch viel erwarten können. Hut ab Phil Campbell.


Wenn Du was Intelligentes mit Message hören willst, leg R.E.M. auf. Aber wenn du einen harten Schwanz haben willst, hör AC/DC. (Brian Johnson)

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