Aus der Originalbesetzung sind eigentlich nur noch Mick Jagger und Keith Richards übrig geblieben. Der zweite Gitarrist Brian Jones verstarb bereits 1969, sein Ersatz Mick Tayler verließ die Band nach 5 Jahren wieder. Bassist Bill Wyman stieg 1993 wegen interner Streitigkeiten aus und erst im letzten Jahr 2021 verstarb Drummer Charlie Watts. Lediglich die dritte Besetzung mit Ron Wood an der zweiten Gitarre seit 1975 hält sich bis heute konstant, so das jener an der Seite von Jagger und Richards die letzten Stones auf der Bühne darstellen. Schlagzeug und Bass sind mittlerweile mit unbekannten Live Musikern versehen, die aber nicht mehr offiziell zur Band gehören. Die verbliebenen Stones nähern sich mittlerweile alle den 80 Lenzen. Grund genug der Band einen Besuch abzustatten, solange es noch eben geht, denn ob die alten Recken überhaupt noch mal eine Welttournee abhalten, geschweige denn durchhalten können und werden, darf mittlerweile mehr als bezweifelt werden. Ein Frontstage Ticket war hier allerdings bei besten Willen nicht drin. 500 Euro ist einfach irre! Dazu kam noch die Tatsache, das das einzige Konzert in der Nähe ausgerechnet in der „Turnhalle“ von Herne West stattfand. Was tut man nicht alles für den Rock’n’Roll, also Augen zu und durch. Die Park Situation vor Ort war allerdings eine Katastrophe. Drei Parkhäuser direkt an der Turnhalle mit über 10 Decks, wo direkt zu Beginn klar war, das man dort wahrscheinlich erst nach Ewigkeiten wieder heraus kommt, doch dazu später mehr.

Auf dem Gelände angekommen, wurde nach 15 Euro! Parkgebühr, erstmal ne Currywurst Pommes für schlappe 7,50- und ein niedliches Becherchen Cola (wohlgemerkt weit weniger als 0,5L) für 5,50- einverleibt. Da war man schon fast 30 Euro los, bevor man überhaupt die Turnhalle betreten hatte. Jenes erwies sich nämlich auch ziemlich chaotisch. Gefühlt 20 Eingänge die allesamt nicht mal im entferntesten so betitelt waren wie auf den Karten angegeben, sowie ein Personal an Ordnern, die allesamt keine Ahnung hatten und einen ständig zum nächsten FALSCHEN Eingang schickten. Ich weiß nicht wie oft ich hier wieder vom Gate zurück und anschließend sinnlos zum nächsten gelaufen bin. JEDE Anweißung des Personals erwies sich als falsch, bis man irgendwann selbst am Arsch der Welt, den richtigen Eingang gefunden hatte. Unfassbar! Durch den Tunnel ging es in den Innenraum, quasi die nachfolgende, abgetrennte Reihe hinter dem Frontstage Bereich. Allerdings war der Platz für ein Live Konzert schon ziemlich bescheiden. Von der Band selbst auf der Bühne konnte man garnichts sehen. Man war auf die großen Leinwände links und rechts angewiesen und da kann man im Grunde auch ein Konzert zuhause schauen, was auf das Gleiche herauskommt. Das war für jemanden der eigentlich immer vor der Bühne steht, schon etwas bitter, aber der Gegenpart absolut nicht mal im entferntesten 500 Wert. Daher musste man diese gewaltigen Abstriche machen und konnte zumindest das Live Feeling mitnehmen. Positiv zu erwähnen war jedoch, das die Bar, direkt mitten auf dem Spielfeld und meiner einer direkt davor positioniert war. So konnte man immer zeitig was gegen die Hitze tun. Am Spielfeldrand waren 2-3 Toiletten Container aufgestellt, mit jeweils 10 Kabinen, so das man immer recht flott aus der Menge heraus und sein Bier wegtragen konnte. 😉

Das Konzert hingegen hatte leider auch seine Schwächen, was überwiegend an der Setlist lag. Jene wurde nämlich nicht 1:1 eingehalten. Es gab viel mehr zwei Grundgerüste mit ein paar festen Titeln die sich pro Konzert abgewechselt hatten. Alle anderen Titel wurden scheinbar willkürlich ausgewürfelt, so das man nie wusste, was exakt gespielt wird. Das traurige daran war, das es soviele Hits gibt, die man Live hätte spielen könnte, aber letztendlich auch soviele Titel, die absolut nicht in eine Live Setlist gemusst hätten. So hatte man schließlich die Hälfte des Konzerts mit Titeln befüllt, die meines Erachtens absolut überflüssig gewesen waren. Dazu kam noch das Pech, das ich genau die Setlist bekam, die noch einen Tacken schwächer aufgestellt war. Es sollte wirklich nicht mein Tag sein…
Neben „Street Fighting Man“, „Let’s Spend the Night Together“, „Honky Tonk Woman“, „Paint it Black“, „Start me up“, „Gimme Shelter“, „Jumpin‘ Jack Flash“ und „Satisfaction“ waren eine Menge unnützer Titel drin, die man hätte besser nutzen können. Für Songs wie „Brown Sugar“, „Sad Sad Sad“, „Like a Rolling Stone“, „It’s Only Rock’n’Roll“, „It’s all over now“, „Don’t Stop“, „You got me Rocking“ und sicher noch einige andere, wurde son ein Quatsch wie „Living in a Ghost Town“, „Miss You“, „Slipping Away“, „Tumbling Dice“ oder „Connection“ gestreut. Positiv genannte fanden im Rückblick auf vergangene Setlists nur vereinzelt in die jeweilige Setlist. Es wurde eben höchstwahrscheinlich dem Zufall der Würfel überlassen, was ich ziemlich Banane fand. Wie dem auch sei, auch hiermit musste man Leben und so zog sich der vorallem sehr schwach besetze Mittelteil der Setlist deutlich in die Länge. Überraschend war jedoch, das „Out of Time“ Darin Platz gefunden hatte. Jener Song gehört ja wirklich zu den ganz, ganz, ganz alten Anfängen der Band.
Trotz allem Gemecker haben die Rentner wirklich noch einiges auf dem Kasten gehabt. Jagger und Wood strahlen immer noch eine ungeheure Energie auf der Bühne aus, während Keith Richards, der zumindest optisch am ältesten aussieht, was er physisch jedoch nicht ist, hier und da doch schon sein Alter anzumerken war. Dennoch konnte auch er für eine Verschnaufpause von Jagger sorgen, als er 2 Songs gesanglich selbst übernahm. Jene waren zwar bescheiden, aber im Nachhinein sogar verständlich, da alte Männer mittlerweile auch mal durchschnaufen müssen. Überhaupt nicht gefallen haben mir die blöden Effekt Filme auf der Video Leinwand. Man will schließlich die Band und nicht irgendein Geflimmer sehen. „Honky Tonk Woman“ und „Paint in Black“ wurden damit für alle die nicht Frontstage waren, optisch völlig zerstört. Trotz allem Ärgernis, war es zumindest schön, die Herren mal Live „gesehen“ zu haben und die Turnhalle von Herne West hat zumindest einmal echte Champions League geschnuppert. 😉

Der Heimweg verlief anschließend extrem schleppend. Das man im Gänsemarsch mit der Menge aus der Halle heraus und bis zum Parkhaus marschieren musste, war ja ohnehin klar, aber das das besagte Parkhaus eine einzige Katastrophe darstellte, sollte sich erst jetzt bewahrheiten. In einem herkömmlichen Parkhaus fährt man an einer Seite hoch und auf der anderen wieder herunter. D.h. 2 Rampen (eine nach oben, eine nach unten auf jedem Deck, so das man immer im Kreis (nach oben oder nach unten) schlängelt. Jedoch nicht in Herne West. Dort hat man gleich 6 Rampen pro Deck, jeweils nach oben und nach unten, wo sich alle gegenseitig blockieren und keiner mehr einen Zentimeter vor oder zurück kommt. Wer denkt sich eigentlich so einen Unsinn aus? Vorallem müssen ja auch erstmal alle unteren Decks leer sein, bevor die oberen überhaupt nachziehen können. In meinem Fall auf Deck 7 war schon eine lange Wartezeit voraus zu ahnen. Dazu muss es auch noch irgendeinen Zwischenfall gegeben haben, da Krankenwagen Sirenen zu hören waren. Vielleicht ja sogar wegen dieser sinnfreien Konstruktion? Es bleibt spekulativ, da man es weder sehen geschweige denn, noch nicht einmal aus der Parkbucht herauskommen konnte. 1 1/2 Stunden im Parkhaus festgesessen mit allen anderen. Nichts ging mehr. Alles hupte, meckerte und wartete ewig. Bis ich endlich raus konnte, waren die unteren Decks wie zu erwarten war, komplett geräumt und die oberen alle noch voll. Dieses Parkhaus ist an Absurdität nicht zu unterbieten meiner Meinung nach. Schließlich kam man 2 Uhr morgens endlich zuhause an und beendete diese Odyssee.

Unterm Strich bin ich absolut kein Fan von „Stadien“ *kicher, Open Air und Festival Konzerten. Ich liebe die kleinen Club und Hallen Gigs, wo der Sound besser klingt, die Masse geringer ist und man diesen ganzen Stress nicht hat. Die Parksituation war bisher überall besser geregelt, selbst im Stadion Essen. Die Kompetenz der Ordner ebenso, welche hier ein totaler Reinfall waren und dann noch 15 Euro für dieses miese Parkhaus verlangen. Fazit: Turnhalle Herne West nie wieder, egal wer dort spielt! Dazu eine durchschnittliche Playlist und mangelhafte Aussicht auf die Band, sowie eine Leinwand die mit Effekten zusätzlich zu oft genervt und den Blick auf das Wesentliche verwehrt hat. Somit muss ich dieses als eines der schwächsten Konzerte und schlechtesten Locations vermerken, auf denen ich je gewesen bin. Die Stones sind Live immer noch absolut Klasse, trotz schlechter Setlist, aber wenn es 500 Euro benötigt, damit man sie überhaupt wirklich zu Gesicht bekommt und keine Leinwand gaffen muss, verzichte ich beim nächsten mal definitiv, sofern es noch ein nächstes mal geben wird. Dann sicherlich mit einem Kartenwert von 600-700 Euro vor der Bühne. Unfucking fassbar.

Setlist:
Street Fighting Man
Let’s Spend the Night Together
Tumbling Dice
Out of Time
Wild Horses
You Can’t Always Get What You Want
Living in a Ghost Town
Honky Tonk Women
Slipping Away (Keith Richards on lead vocals)
Connection (Keith Richards on lead vocals)
Miss You
Midnight Rambler
Paint It Black
Start Me Up
Gimme Shelter
Jumpin‘ Jack Flash
Sympathy for the Devil
(I Can’t Get No) Satisfaction

 
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.