Von dem Belgischen Thrasher Quartett „Evil Invaders“ ist man eigentlich total verrückte, hochkreischenden Thrash gewohnt, der sicherlich speziell ist. Auf ihrem neuen Album „Shattering Reflection“ geht es mal nicht so wild zu. Stattdessen beginnt die Band, endlich mal seriösen, hochgradig stimmigen Thrash Metal zu spielen und das gelingt ihnen überragend gut. Teilweise schaffen sie es sogar, Erinnerungen an alte „Metallica“ Hits zu erwecken. Vorallem stellt die Band unter Beweis, das guter Thrash sogar sehr melodisch und nicht nur Haudrauf sein kann. Jenes wird auch schon beim Opener „Hissing in Crescendo“ deutlich. Zwar kreischt Johannes Van Audenhove wie gewohnt, aber der Klang der Band hat sich doch deutlich zum positiven und reiferen entwickelt. Der Bass wummert, die Gitarren treiben und die Schießbude donnert. Alles wirkt sehr stimmig und nicht zu Überladen, vorallem die Solis haben einen Auftrieb bekommen. „Eternal Darkness“ startet mit einem herrlichen Midtempo Groove und fantastischer Soli Arbeit, ehe es sich in einen wilden Thrasher ala „Metallica“-Like – verwandelt. „My World“ welches erst Balladesk beginnt, entpuppt sich ebenfalls als eine wahnsinns Solo getränkte Thrash Granate und spätestens an diesem Punkt fragt man sich, wie „Evil Invaders“ eine so derart positive Entwicklung in kürzester Zeit vornehmen konnten. Größtenteils mag das wohl an dem Wechsel der einzelnen Musiker liegen. Van Audenhove stellt schließlich das letzte verbliebende Originalmitglied dar. Es scheint der Band aber nicht geschadet und eher einen gewaltigen Auftrieb verliehen zu haben, denn was sie hier auf ihrem dritten Album abliefern, ist (von den Texten mal abgesehen) hochqualitativer 80er Jahre Thrash Metal mit allen nötigen Facetten. Nach der episch instrumentalen Metal Nummer „Aeon“ baut sich „The Circle“ schön schleppend auf. Der Mix aus Heavy und Thrash funktioniert dabei einfach ganz hervorragend und da sich dieser Faktor durch das ganze Album zieht, erweisen sich „Evil Invaders“ auch als wesentlich vielseitiger im Vergleich zu den beiden Vorgänger Alben. Mit dem melodischen Double Bass Stampfer „Die for Me“ bricht man mal völlig aus der Thrash Ecke heraus und spielt fantastischen Speed Metal. „In Deepest Black“ erweist sich als Melodic Metal Ballade vom Feinsten, ehe es mit „Sledgehammer Justice“ wieder voll auf die 12 gibt und der Rausschmeißer „Forgotton Memories“ als Midtempo Metaller auch nochmal eine gute Figur im ohnehin schon perfekten Gesamtbild abgibt.

Unterm Strich ein wahnsinniges gutes Retro Album, welche immer wieder die richtigen Zutaten gefunden zu haben scheint. „Evil Invaders“ schaffen es gekonnt, Heavy und Thrash im Einklang zu bringen und haben außerdem noch ein gekonntes Gespür für melodisches Riffing. „Schattering Reflection“ ist ein Thrash Album, von einer Thrashband, welches mal nicht einfach nur 50-60 minuten donnert und irgendwann anfängt zu langweilen. Ganz im Gegenteil. Die Platte ist so derart ausgeglichen und gut gewürzt, das es eine wahre Freude ist. Von dieser Art würde ich mir unbedingt mehr wünschen. Nicht nur von den „Evil Invaders“, sondern auch andere Genre Vertreter könnten sich an dem Album mal ein Beispiel nehmen. Man kann – wenn man so möchte, „Shattering Reflection“ auch als eine neue Revolution im Thrash Bereich ansehen. Es bleibt spannend, inwiefern sie angenommen oder überhaupt fortgeführt wird. Dieses Werk ist jedenfalls ganz große Klasse.

 
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.