Im Grunde ist das mittlerweile über 60jährige Gitarrenwunder „Axel Rudi Pell“ ein Dauergarant für melodische Hardrock Kost. Das aber dem Majestro auch nicht immer ein starkes Album gelingt, muss man eingestehen. Die letzten Fehltritte (sogar beide hintereinander) liegen schon eine ganze Weile zurück. „Circle of the Oath“ (2012) und „Into the Storm (2014) waren so Kandidaten, wo man dem Bochumer schon attestierte, das ihm langsam die Luft ausgeht. Glücklicherweise blieben das die Ausnahmen und Axel schlug mit einer Serie von 4 starken Platten zurück. Mit dem aktuellen „Lost XXIII“ kann das Deutsch-Amerikanische Traumgespann zwar nicht direkt an seine Vorgänger anknüpfen, da jene dann doch eine ganze Spur stärker waren, aber zumindest weiterhin solide, überdurchschnittliche Qualität abliefern. Was „Lost XXIII“ sicherlich fehlt ist der ganz große Hitfaktor, weswegen man vielleicht auch in den letzten Jahren zu sehr von Axel verwöhnt worden ist. Da bleibt der Opener „Survive“ wohl noch der stärkste und typischste Pellsche Hit. Auf No Comprimise“, dem fantastischen „Freight Train“ oder „Follow the Beast“ präsentieren sich Axel, Johnny, Volker, Ferdy und Bobby etwas ruppiger, was ihnen selbstredend immer wieder gut steht. „Down on the Streets“ scheint hingegen trotz starken Riffing, einfach nicht zuende gedacht und die 9 Minuten Ballade „Gone with the Wind“ zählt auch nicht gerade zu Axel’s Besten, bietet aber gewohnt starke Solis. Die Ballade „Fly with Me“ hingegen überzeugt, wenn sie auch fast nach einem „Oceans of Time 2“ klingen mag. Den „Deep Purple“ Einfluss bekommt man besonders Hammond Orgel lastig zum Beginn in dem instrumentalen Stück „The Rise of Ankhoor“ zu spüren. Die instrumentalen Gitarrenstücke hat Axel ja seit spätestens „Knights Call“ regelmäßig dabei. Am Ende bleibt der 8 1/2 Minuten Titeltrack mit „Masquerade Ball“ Attitüde. Geht in Ordnung, haben wir aber auch schon mal gehört. „Lost XXIII“ klingt schon fast verdächtig wie eine Neuinterprätation dessen.

Unterm Strich ist „Lost XXIII“ zwar wieder ein gutes Album geworden, dem jedoch noch so sein gewisses Etwas fehlt. Außerdem haben wir mit „Fly with me“ und dem Titeltrack zwei Songs vorhanden, die so verdächtig nahe an älteren Klassikern sind, das man hier nicht mehr von Zufall sprechen kann. Was auch immer der Bochumer sich dabei gedacht hat. Letztenendes kann nicht immer ein Meisterwerk entstehen, so bleibt das aktuelle Album überdurchschnittlich, mehr aber auch nicht – und das ist auch garnicht schlimm. Next Time.

 
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