„U.D.O.“ on Fire! Seit 2009 „Dominator“ erschien, hat Udo Dirkschneider mit seiner Band einen Metal Höhepunkt erklimmt, von dem er sich allerhöchstens nur selbst wieder hinunter stürzen könnte. „Rev Raptor“ (2011), „Decadent“ (2015) und das unglaubliche „Steelfactory“ Album untermauern die fast unkritische Qualität des kleinen Wuppertalers. Zugegeben gab es dazwischen auch mal schwächere Werke. „Steelhammer“ (2013) erreichte lediglich das Durchschnittsniveau, während „We are One“ (2020), gemeinsam mit dem Musikcorps der Bundeswehr (wtf?!) eher ein befremdlicher Ausrutscher gewesen zu sein schien. Das tut aber überhaupt nichts zur Sache, den „U.D.O.“ machten jenes in diesem Jahr gleich doppelt wieder Gut. Erst erschien die großartige EP „Arising“ mit ehemaligen „U.D.O.“ Musikern und im Anschluss folgte mit „Game Over“ nun der nächste, aktuelle Brecher. Udo scheint einfach nicht zu bremsen zu sein. Seit den späten 80er Jahren, gab es immer wieder mal gute und mal schlechte Alben, was allerdings in den letzten 12 Jahren vom Band lief, ist bis auf die genannten Platten, fast durchgängig, ganz große Klasse. Einen großen Anteil daran, mögen sicherlich auch der langjährige „U.DO.“ Gitarrist, Adrey Smiernov und Sohnemann Sven Dirkschneider hinter der Schießbude haben. Das wirkt alles schon ziemlich eingespielt. Da ist es auch kaum ein Wunder, das „Game Over“ ein weiteres Ausrufezeichen setzt und sich in die Riege der etwaigen Metal Monster aus den letzten Jahren einreiht. „U.D.O.“ haben einen Lauf, der selbst durch das unnötige Orchester Geklimper aus dem letzten Jahr, kaum geschmälert wird.

Hits gibt es wie aus den letzten Jahren gewohnt, reichlich an der Zahl. Beginnend mit „Fear Detector“ wird der geneigte Fan direkt auf Mitgröhl-Headbanging eingestellt. „Prophecy“ und „Metal Never Dies“ folgen dem gleichen Schema. Das wuchtige „Kids and Guns“ wirkt schon fast wie Metal Rock’n’Roll. Diverse „AC/DC“ Anleihen sind deutlich heraus zu hören. Mit dem stürmischen „Like A Beast“ oder das treibende „Metal Damnation“ wissen „U.D.O. gehörig einzuheizen, würzen die Platte aber immer wieder mit saftigen Ohrwurm Granaten wie „Unbroken“, „Time Control“ oder den Midtempo Stampfer „Marching Tank.“ Der Bonus Track „Wilder Life“ muss da nur geringfügige Abstriche machen, während man außerdem mit „Holy Invaders“, „Empty Eyes“, „I See Red“, „Thunder Road“, „Midnight Stranger“ oder „Speed Seeker“ Albumtracks auf allerhöchsten Niveau vertreten hat, so das man hier zu keiner Zeit von irgendwelchem Füllmaterial sprechen kann. Lediglich die Ballade „Don’t Wanna Say Goodbye“ hätte man sich besser gespart.

Unterm Strich bietet „Game Over“ wieder gewaltige „U.D.O.“ Kost auf Ohren und Gebälk. Zwar reicht das aktuelle Album nicht ganz an den Vorgänger „Steelfactory“ heran (Das Musikcorps Geklimper von „We Are One“ blende ich hier bewusst aus!), weiß aber bis auf eine unnötige Ballade, welche man von Dirkschneider auch schon mal besser gehört hat, vollkommen zu überzeugen und macht in all seinen Facetten gehörig Laune. Mit über 60 Jahren ist Udo Dirkschneider noch längst nicht zu alt für knallharten Heavy Metal. Auf das noch ein paar solcher Perlen erscheinen mögen. Cheers.

 

 

 

 

 

 

 
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.