Axel Rudi Pell – Diamonds Unlocked II

Nach nunmehr schon 14 vergangenen Jahren, als „Diamonds Unlocked“ – das erste Cover Album von „Axel Rudi Pell“, das Licht der Welt erblickte, folgt nun endlich die Fortsetzung. Endlich? Ja! Denn gleichwohl was ich von Cover Alben halte, hat einzig der gute alte Bochumer Saitenhexer die Lizenz zum Covern verdient. Axel war immer mal wieder bekannt dafür, den einen oder anderen Cover Song auf seinen Alben zu hinterlassen und das mit Erfolg. Denn wo alle anderen versagen und lediglich die Cash Cow melken wollen, hat er das gewisse Etwas, das einen Cover Song ausmacht. 1. Er covert so gut wie nie die üblichen Klassiker und bedient sich mehr an den Nummern, an die sich noch keiner versucht oder gewagt hatte. 2. Der Song wird meist so komplett verändert, das er – wenn man es nicht besser wüsste – ein typischer Axel Rudi Pell ist. Das Rezept ging immer auf. Als 2007 dann das Cover Album „Diamonds Unlocked“ erschien, zeigte sich erstmals kompakt, wie stark diese Song Klauerei eigentlich sein könnte, wenn man die genannten Regeln beachtet. Da außer Axel himself, sich so gut wie keiner daran hält und man schlichte 1:1 Versionen in schlechter kopiert – ganz besonders in den letzten Jahren – war meine Abneigung gegenüber Cover Songs in Stein gemeißelt. Wie dem auch sei, Axel zeigt wie es geht.

Nach einem typischen Intro starten Axel und Band mit Sammy Hagar’s 1981er „There’s Only One Way To Rock“ durch. Diese Version hatte mich vorab am Meisten interessiert, weil Sammy’s Kracher auch eine Mammut Aufgabe darstellt. Und zugegeben, stößt auch ARP hier an seine Grenzen. Johnny Gioeli ist ein begnadeter Sänger, ja einer der Besten überhaupt, aber Sammy’s Song kann er einfach nicht singen, weil meiner Meinung nach seine Stimme nicht passt. Bis auf ein grandioses Pell Solo im Mittelteil, also eher eine schwächere Kopie, aber auch kein Totalausfall.

Weiter geht es mit „Lady Of The Lake“ von „Rainbow“ und es war doch klar das der irgendwann kommt. Axel selbst ein begnadeter „Rainbow“ Fan, hatte mit „The Temple of the King“ ja schon einmal ein Cover der besagten Band aufgenommen. Auch hier kommt Johnny nicht an Ronnie James Dio’s Gesang heran, jedoch funktioniert dieser Cover Song wesentlich besser als der Opener und wird ebenfalls durch ein verlängertes ARP Solo veredelt. Axels Version von „Lady of the Lake“ klingt somit frischer, fetziger, Pell’scher.

Ein richtiger Kracher wurde mit dem Tom Jones Hit „She’s A Lady“ erzielt. Hier lässt man es sich auch nicht nehmen, den Hörer mal richtig auf die Schippe zu nehmen. Pells Version beginnt Balladesk und gaukelt eben auch eine Balladen Version vor, welche bei Johnny’s grandiosen Gesang auch in dieser Version absolut funktioniert hätte. Allerdings wird man nach 2 Minuten dann eines besseren belehrt und plötzlich geht die Nummer richtig ab. Das Cover überzeugt dermaßen im Pellschen Gewand, das man komplett vergisst, das der Song einst von Tom Jones gesungen wurde.

„Black Cat Woman“ von Geordi stammt aus dem Jahre 1973 und hat noch nie so eine Frischzellenkur erhalten. Das Original ist auch nicht sonderlich spektakulär, somit geht die wesentlich härtere Version deutlich an Herrn Pell.

„Room With A View“ stammt vom ehemaligen „Rainbow“ Keyboarder „Tony Carey“ und wurde in der ARP Version mit allen typischen Zutaten umgesetzt. Hervorragend von Johnny gesungen und getränkt in den üblichen Wah-Wah Effekten, könnte diese Nummer ebenfalls fast aus Axels Feder stammen.

„Sarah (You Take My Breath Away)“ im Original von „Chris Norman“ ist wieder ein richtiger Kracher. Als typische ARP Hardrock Version fluppt das einfach. Geil gemacht und wieder das Original übertroffen.

„The Subways“ veröffentlichten 2005 „Rock & Roll Queen“ und haben mit Sicherheit noch kein Cover erhalten – bis jetzt! Pell hat diesen Indie Song enorm aufgewertet und ebenfalls ganz klar das Original übertroffen.

Ein weiteres mal sehr gewagt, war „Paint In Black“ von den „Rolling Stones.“ Bestimmt schon 100 mal gecovert, war es fraglich, ob Axel da nochmal einen draufsetzen kann – und er kann! „Paint in Black“ klingt in dieser Version wie eine „Deep Purple / Rainbow“ Version im ARP Look. Das ist echt stark gelöst worden. Endlich mal eine Version, die nicht genauso klingt wie das Original, sondern seine eigenen Spuren hinterlässt. Markant ist besonders das Hammond Orgel Solo im Mittelteil, gefolgt von einem langen ARP Gitarren Solo nicht von dieser Welt.

„I Put A Spell On You“ von „Screamin‘ Jay Hawkins“ ist wohl der „schwächste“ Song des Albums, jedoch auch nur, weil er qualitativ an den Rest nicht heran kommt. Per se für sich, kann auch dieses Cover in bester ARP Manier überzeugen, wenn auch jener allgemein nicht gerade mein Song ist.

Zum Schluss wagt sich Axel sogar noch an einen „ABBA“ Song heran. Crazy? Hört euch mal die ABBA Versionen der Berliner Band „Riff Raff“ an, seither rocken die Schweden wie die Sau. Doch auch ARP setzen hier ein dickes Ausrufezeichen. „Eagle“ ist in dieser Version einfach grandios. Typischer Pellsche Groove, lange instrumental Parts, ein episches Solo, Johnny’s wahnsinns Stimme und ein geiler Song – zudem wieder einmal ganz klar verbessert.

Unterm Strich eine richtig starke Fortzung der „Diamonds Unlocked“ von 2007. Welche der Beiden Alben nun besser ist, dürfte in der subjektiven Bewertung ein schweres Unterfangen werden. Beide Alben hatten ihre Stärken und Schwächen. Unvergessen bleibt natürlich, wie ARP „Phil Collins – In The Air Tonight“ ganz klar in die Schranken gewiesen, oder „U2“ und „Riot“ übertroffen hat. Auf der „II“ wurden nun „Tom Jones“, „Chris Norman“, „Die Rolling Stones“ und „ABBA“ ins Abseits geschickt. Fazit bleibt also: Diamonds Unlocked III kann und muss unbedingt folgen!

 
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.