Mr. Hurley & Die Pulveraffen – Seemannsgrab

„Seemannsgrab“ ist mittlerweile schon das 6te Studioalbum der Osnabrücker Piratenband. Ihr eigener Rythmus, alle zwei Jahre ein neues Album zu veröffentlichen, sind sie bis heute treu geblieben. „Mr. Hurley & Die Pulveraffen“ haben aber in den letzten Jahren vorallem damit überzeugt, das seit „Voodoo“ (2015) jede neue Platte die vorherige übertraf. Nach den großartigen Alben „Tortuga“ (2017) und „Leviathan“ (2019), erhält der schon gewohnte Höhenflug erstmals einen kleinen Dämpfer. „Seemannsgarn“ ist zwar durchaus zufriedenstellend, kann aber an seine Vorgänger nicht mehr anschließen. Das sei ihnen aber auch gegönnt. Man sich nicht ständig jedesmal aufs neue toppen. Was der aktuellen Scheibe diesmal vorallem fehlt, ist der knackige Humor. Die obligatorischen Fun Songs sind diesmal kaum vorhanden und der verbliebene Rest an Humor zieht kaum bis garnicht. „Hals über Kopf“ oder „Kaboom“ sind z.B. gute Beispiele. Sollte lustig sein, wirkt in jenem Faktor aber nur halb gekocht. Der Titeltrack „Seemannsgrab (40 Faden tief)“, „Grogstar“ und „Mit’n Hut“ haben guten, typischen „Pulveraffen“ Style. Vorallem letztgenannter wirkt zumindest als einziger Song ziemlich funky. In der zweiten Hälfte geht der Band allerdings ziemlich die Luft aus. Hier versucht man sich noch an einer lauen Klavier Ballade („Dich und das Meer“) und kommt nicht mehr über durchschnittliche Albumtracks („Schattenschwarze Segel“, „Klabautermann“ und „Brand an Bord“) hinaus. Einzig „Schotten dicht“ oder „Menschen haben auch Gefühle“ können am Ende noch die Kurve kriegen, um „Seemannsgrab“ zumindest den Durchschnitt zu bewahren.

Unterm Strich werden erste Ermüdungserscheinungen deutlich. Mit „Seemannsgarn“ können „Mr. Hurley & Die Pulveraffen erstmal nicht an vorherige Erfolge anknüpfen, geht aber insgesamt als guter Durchschnitt in Ordnung. Schließlich hat uns die Band mit ihrem Piraten Quatsch in den letzten Jahren auch ziemlich verwöhnt und vielleicht lässt man sich beim nächsten mal ja wieder ein Jahr mehr Zeit. Fans der Grog’n’Roller kommen aber allemal auf ihre Kosten.

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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.