Cover Alben – Sinn oder Unsinn?

Sie tauchen immer wieder mal auf, diese meiner Meinung nach sinnfreien und völlig unsinnigen Cover Alben. In den letzten Jahren erschienen u.a. fragwürdige Erscheinungen von „Krokus“, „Powerwolf“, „Arch Enemy“, „The Dead Daisies“ und ganz aktuell „Saxon.“ Alben auf denen man bekannte Rock und Metal Klassiker 1:1 neu verwurstet hat, ohne eigene Inspiration oder Neuinterpretation hinzuzufügen. Man schreddert einfach einen alten Hit im eigenen Gewand neu ein und fertig ist das sinnlose Cover. In meinen Live Sendungen habe ich mich darüber schon zu dutzenden ausgelassen, weil es immer wieder ein Ärgernis darstellt, wenn versierte Bands – aus meiner Sicht – so einen Blödsinn aufnehmen. Im neuen „Kolumen“ Format, möchte ich dieses einwenig mehr erläutern, wofür in einer Sendung einfach zu wenig Zeit bleibt. Prinzipiell habe ich nichts gegen einen Cover Song, wenn er gut gemacht ist, sich vom Original abhebt und möglicherweise soger jenes übertrifft. Das ist allerdings auch ziemlich schwierig und in den meisten Fällen, sollte man einfach gänzlich die Finger davon lassen.

Beim Covern gibt es immer zwei Möglichkeiten. Entweder covere ich aus meinem eigenen Genre (schwierig) oder ich greife mir etwas aus einem völlig anderem Spektrum (funktioniert häufig).

Gerade in der eigenen Szene macht es meiner Meinung nach wenig Sinn, einen Klassiker zu covern. Der Song ist i.d.R. schon perfekt wie er ist. Da kann man nichts weiter verbessern, nur verschlechtern. Und wenn es dann doch unbedingt sein muss, nimmt man sich eben nicht die bekannten Hits von der Stange vor, sondern wildert in der zweiten oder dritten Reihe, wo man wesentlich mehr Potential zur Verbesserung oder Eigenkreation findet. Genre eigene Songs zu Covern, stehen leider zu 90% unter keinem guten Stern, da es hier viel schwieriger ist, das Rad nochmal neu zu erfinden, was es in meist perfekter Form schon gegeben hat. Natürlich ist auch hier mal ein Erfolg nicht ausgeschlossen, dieser jedoch meinerseits Prozentual sehr gering eingeschätzt, aufgrund dessen, was ich immer wieder an Covern so erlebe. Fast alle Bands machen hier den gleichen Fehler. Sie weichen nicht auf ein fremdes Genre aus. Dabei liegt gerade dort die große Vielfalt und vorallem die Möglichkeit, einen x-beliebigen Song in einer Rock oder Metal Variante gänzlich zu verändern und i.d.R. auch zu verbessern. Denn sein wir doch mal ehrlich? Mit elektrischen Gitarren unterlegt, klingt einfach alles besser! 😉

Ein absoluter Erfolgsgarant für Cover, stellen Chart Hits dar. Egal ob Neu oder Alt. Man wird dort alles mögliche finden, was sich als Rock oder Metal Cover verbessern lässt. Gerade die Youtuber von „UMC – United Metal Covers“ stellen in den meisten Fällen ein echtes Paradebeispiel dar. Da werden Songs von „Avicii“, „David Guetta“ und sogar „Helene Fischer“ auf ein ganz neues Level gehoben. Als „UMC“ Anspieltipps seien an dieser Stelle „Live It Up“ (Jennifer Lopez), „Lovers on the Sun“ (David Guetta), und vorallem „Wake me up“ (Avicii) genannt. Aber auch andere Bands haben schon das eine oder andere Cover Highlight vollbracht. Hier fallen mir vorallem „Alien Ant Farm – Smooth Criminal“ (Michael Jackson), „Kung Fury – True Survivor“ (David Hasselhoff), „The Traceelords – Daddy Cool“ (Boney M) oder der Youtuber „E-Rock – Perfect Illusion“ (Lady Gaga) ein. „Roxette“ haben es sogar doppelt abbekommen. Ihr Song „Listen to your Heart“, welcher im Original eher schmalzig daher kommt, wurde von „Ascension“ und „Reflexion“ gecovert. Beide Versionen haben ihr gewisses etwas vorzuweisen und klingen vorallem gänzlich unterschiedlich. Während „Ascension“ eine flotte Power Metal Version erschaffen haben, setzen „Reflexion“ eher auf eine Melodic Rock Nummer, die in etwa das originale Tempo beibehält. Doch gerade diese Power Metal Cover machen besonders Spaß. Aus der Riege seien ebenfalls „Vision Divine – Take on Me“ (A-Ha) oder „Pathfinder – If I Could Turn Back Time“ (Cher) ans Herz gelegt. Bleiben wir in den 80ern, dann wäre auf jeden Fall noch das Mike Oldfield Cover von „Spirit Corpse – Moonlight Shadow“ zu nennen. Das Pop Schnitzel „Rihanna“ hat sogar mal von „Any Given Day – Diamonds“ eine fette Metalcore Version bekommen und die Band „Halestorm – Bad Romance“ hat einst Lady Gaga verbessert. Es scheint dort kaum eine Grenze zu geben. Der Charts Sektor bietet unendliche Möglichkeiten. Sogar Quatsch Versionen wie „Ops I Did It Again“ von Britney Spears in der Version von „Children of Bodom.“ Einfach herrlich bekloppt. Einer der ganz großen Cover Künstler ist und bleibt für meinen Geschmack „Axel Rudi Pell.“ Auf seinen Studioalben waren immer mal wieder grandiose Cover Songs zu finden. „Temple of the King“ von „Rainbow, „Forever Young“ von „Alphaville“ und last but not least das reine Cover Album „Diamonds Unlocked“, von welchem uns in Kürze eine Fortsetzung bevorsteht.

Letztendlich kann man garnicht so direkt behaupten, ob ein Cover jetzt sinnvoll oder unsinnig ist. Es hängt immer davon ab, was man nimmt und wie man es umsetzt. Momentan machen jedenfalls die meisten bekannten Bands immer den gleichen Fehler. Jene müssen sich wohl oder übel den Kritikpunkt des Lückenfüllers und der guten alten Cash Cow gefallen lassen. Andere widerum treffen genau die Seele eines Covers und bescheren uns Fans der lauten Musik fantastische Alternativen, bishin zu grandiosen Neu-Interpretationen. Halten wir fest: Im eigenen Genre zu covern ist möglich, aber sehr schwierig. Die wenigsten landen damit einen Hit. Covern im fremden Genre, wie im z.B. besagten Pop und Charts Sektor, sind meist von Erfolg gekrönt. Natürlich kann auch hier nicht alles funktionieren, aber die Aussicht auf ein starkes Cover ist einfach um ein gigantisches Ausmaß größer. Für die Zukunft wünsche ich mir, das sich die Bands mal ein Beispiel daran nehmen und mit mehr Mut beim Covern agieren. Lohnen würde es sich auf jeden Fall – sofern ein Cover überhaupt sein muss.

 
Über Bob Rock 348 Artikel
Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.