AC/DC – Power Up

Es war ein Comeback, mit dem wohl nur die härtesten Fans noch gerechnet hatten, nachdem das Schlachtschiff des Rock’n’Roll in den letzten Jahren, Personel, völlig auseinander fiel. Erst kam Drummer Phil Rudd mit dem Gesetz in Konflikt und wurde einige Jahre aus dem Verkehr gezogen. Als nächstes fiel Sänger Brian Johnson wegen seinem geschädigten Gehör aus, wo sehr lange nicht klar war, ob er je wieder auf der Bühne stehen konnte, ohne völlig taub zu werden. Schließlich verstarb Bandleaders und Rhytmus Gitarrist Malcom Young an Demenz, was „AC/DC“ schließlich den Rest gab. Lange Zeit war nicht klar, ob Gallionsfigur Angus Young ohne seinen Bruder, der für die meisten Ideen verantwortlich war, ohne Brian Johnson’s markanter Stimme und ohne Rudd, dem Urgestein an der Schießbude, je wieder auf der Bühne stehen würde. Doch für die Fans war klar, Angus Young würde niemals aufhören! Nach einer zwischenzeitlichen Tour-Aushilfe am Mikrofon durch Axl Rose (Guns n‘ Roses), welcher bei den Fans größtenteils auf Ablehnung stieß, wurden Gerüchte laut, das „AC/DC“ auch im Studio mit Rose weitermachen würden. Dies sei aber überhaupt nie in Erwägung gezogen worden zu sein, stellte Angus Young jüngst klar. Viel überraschender war die Tatsache, das sich Brian Johnson schneller mit Hilfe eines speziellen Hörgerätes erholte, als gedacht und das hinter den Kulissen auch schon viel länger klar war, wie „AC/DC“ in Zukunft aussehen werden. Bereits 2018 soll das neue Album „Power Up“ schon fertig gestellt worden sein. Über die Besetzung schwieg man sich zwar noch Ewigkeiten aus, jedoch machten diverse Fotoaufnahmen vor dem Plattenstudio bereits die Runde, auf denen man deutlich erkennen konnte, das Johnson und Rudd wieder mit an Bord waren. Die zweite Gitarre wurde schon vorher offiziell mit Angus Neffen, Stevie Young besetzt, der bereits in den 80ern mit „AC/DC“ auf der Bühne stand, um den heute verstorbenen Malcom Young zeitweilig zu ersetzen. Damals sorgten Alkoholprobleme immer wieder mal für diverse Ausfälle.

Soweit zur Vorgeschichte. Lange machte man ein Geheimnis um alle Fakten und dann kam plötzlich alles ganz unerwartet wie aus der Pistole geschossen. Auf „Power Up“ hat man wohl ausschließlich Restmaterial verwendet, welches es bisher nicht auf eine Platte geschafft hat. Das meiste Material soll hierbei aus der Zeit von „Black Ice“ stammen. Klingt natürlich erstmal nicht sonderlich erheiternd, wenn man hier Ausschausmaterial verwertet. Von einer Cash Cow kann allerdings keine Rede sein. Viel zu hoch ist die dargebotene Qualität und laut Angus hätte man noch eine Menge unfertiges Material, auf das man zurückgreifen könne. Trotzdem merkt man einigen Stücken aber auch an, warum sie einst fallen gelassen wurden. Auf „Power Up“ ist längst nicht alles Gold was glänzt, trotzdem hat man hier so einige Songs an Bord, welche „AC/DC“ in den letzten Jahren deutlich gefehlt haben. „Rock or Bust“ (2014) fehlte es an Spritzigkeit, sowie Hitpotential und „Black Ice“ (2008) war einfach zu sehr Mainstream. Die Tatsache das es in den letzten 20 Jahren nur Vier Studioalben gegeben hat, ist zwar nicht sonderlich schön, grenzt aber die Highlights deutlicher ein. So ist nach „Stip Upper Lip“ aus dem Jahre 2000, die aktuelle Scheibe „Power Up“, die beste der letzten 20 Jahre. Ähnlich wie bei „Stip Upper Lipp“ greift man auf süffige, Blues Rock Riffs zurück. Zwar nicht ganz so Bahnbrechend wie noch zur Jahrtausendwende, trotzdem griffig genug, um nach den letzten zwei Alben wieder als gutes „AC/DC“ Album durchzugehen. Malcom und Angus haben in fast 50 Jahren Bandgeschichte, unzählige Riffs geschrieben. Das man hier nun größtenteils welche aus der Mottenkiste geholt hat, ist auch der Tatsache geschuldet, das „Power Up“ als eine Art Tribut an den verstorbenen Malcom Young gesehen werden soll. Alle verwendeten Songs wurden von ihm mitgeschrieben. Zwar ist sein Gitarrenspiel auf dem Album offiziell nicht zu hören, da man alles neu aufgenommen hat, doch sein Geist lebt und bebt auf „Power Up.“

Beginnend mit „Realize“ boxt man eine Nummer heraus, die etwas an die Intensität von „Fly on the Wall“ erinnert. Das fetzt! Der Opener entfacht direkt eine Stimmung, wie schon lange nicht mehr und Brian Johnsons Stimme krächzt mit einer Energie durch die Boxen, die man mit seinen 73 Lenzen in jener Art, sicherlich auch nicht mehr erwartet hätte. In „Rejection“ klingt der Frontmann sogar ungewohnt variabel und die erste Single „Shot in the Dark“ überzeugt als Stiltypisches Reportoire. Knackiges Riff, geiler Background Gesang, Ohrwurm Garantie! Ebenso wenig lässt sich „Through the Mists of Time“ als Hitfaktor lumpen. Seichtes, melodisches Riffing und Johnsons Stimme lassen Zeiten ala „You Shook me all Night Long“ wieder aufleben. Die übliche freche Ironie in diversen Songs, wird diesmal in „Kick you When You’re Down“ zelebriert, auch wenn die Nummer nicht über einen simplen Albumtrack hinaus kommt. Das geht „Witch’s Spell“, „System Down“ oder „Wild Reputation“ nicht anders. Gefühlt fehlt hier einfach etwas und macht die Titel somit ziemlich bedeutungslos.“Demon Fire“ könnte auch eine alternative Version von „Safe in New York City“ von 2000er „Stip Upper Lipp“ sein. Allerdings hat der tänzelnde Rocker ein weit geileren Chorus zu bieten. „No Man’s Land“ tritt zwar eher auf die Bremse, macht als Midtempo Groover aber dennoch richtig Bock. Mit „Money Shot“ und „Code Red“ hat man zusätzlich noch zwei gute und lässige Albumtracks an Bord, die den kurzzeitig schwachen Mittelteil wieder ausmerzen.

Unterm Strich haben die Götter aller Götter nach 40 Minuten zwar nicht ihre beste Platte hingelegt, können sich aber mit „Power Up“ als das beste Werk der letzten 20 Jahre brüsten. Nach „Stip Upper Lipp“ hatte kein Album wieder so derart Spaß gemacht. Da ist noch ordentlich Zucker im Tank und „AC/DC“ beweisen, das sie immer noch unter Strom stehen.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.