Sainted Sinners – Unlocked & Reloaded

Die “Sainted Sinners” beglücken uns 2020 mit ihrem dritten Streich, der wandlungsreicher nicht sein könnte. (Nicht ganz) Weg vom klassischen Hardrock, tauchen die “Sinners” in den 80s Classic Rock, mit einem Hauch von Glam und AOR, in zeitlosere Gefilden ab. Prägend für diesen Stilwechsel ist vor allem die neue markante Stimme am Mic. Jacopo Meille von den “Tygers of Pan Tang” löst hier erstmals David Reece (Ex Accept) ab und trägt beim radikalen Stilwechsel der von Frank Pane (Bonfire) geführten Supergroup außerordentlich bei. Schade für Reece, aber wenn wir ehrlich sind, konnte das Vorgänger Album schon nicht mehr richtig zünden. Dafür überrascht und überzeugt der neue Mix zugleich. Die Band wirkt frischer, lockerer und hat sich vermutlich noch einmal selbst erfunden. Die Band wagt sich mutig in neue musikalische Exesse, die ihnen obendrein auch noch absolut gelungen sind. Dabei wirken sie immer dann am stärksten, wenn sie die gewohnten Hardrock Pfade verlassen und mehr den Classic Rock in den Fokus stellen. Der Midtempo Rausschmeißer “Farewell to Kings” überzeugt darin nicht nur in seiner gekonnten Soloarbeit. Die beiden Opener “Same Ol’ Song” und “Standing on Top” erinnern auf dem ersten Blick an “Aerosmith” oder “Van Halen” Klassiker. Gerade zweitgenannter hat im Refrain eine gewisse Ähnlichkeit mit Van Halens “Top of the World”, hat aber sonst eher garnichts damit zu tun. Während sich der Beginn der Scheibe mehr oder weniger noch in alten Mustern bewegt, wird anschließend fortwährend der Wandel häppchenweise vollzogen. “Early Light of the Day” z.B. ist eine typische Homage an die 80er Jahre AOR Zeit. Anders als im ersten Moment erwartet, entpuppt sich “The Hammer of the Gods” als eine Art Midtempo Ballade und auch “I Can’t Wait” schwebt in diesen chilligen Gefilden. Mit “40 Years” und “Stone Cold Sober” gelingt es den “Sinners einen gelungenen Spaghat zwischen den Genres hinzulegen, während man bei “Call it Love” oder “Wall of Sound” wieder voll auf Stadion und AOR Rock setzt.

Unterm Strich ist den “Sinners” mit “Unlocked & Reloaded” eine Frischzellenkur gelungen, die nach dem letzten Album vielleicht nicht ganz so radikal nötig gewesen wäre, aber immerhin wieder ein stimmiges Gesamtwerk abliefert. Kann man schon mal so machen, aber die “Sainted Sinners” täten auch gut daran, ihre Wurzeln nicht vollständig abzulegen. Es bleibt abzuwarten, wie Album Nr. 4 aussehen und in welche Richtung die Band sich in Zukunft bewegen wird.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.