Ohrenfeindt – Das Geld liegt auf der Straße

Schon wieder sind 2 Jahre ins Land gegangen, als der letzte Langspieler „Tanz nackt“ in die Plattenläden wanderte. Das Vollgasrock Trio Infernale aus St.Pauli, liefert nun mit „Das Geld liegt auf der Straße“ ihr bereits 9tes Studioalbum ab und bietet gewohnt, versierte, laute Kost. Andi, Chris und Keule sind zwar für keine sonderlichen Überraschungen zu haben, bleiben aber ihrer Linie absolut treu und schaffen es dennoch immer wieder, jedem Album seinen ganz eigenen Sound zu verpassen. Ohrenfeindt: Das ist ein furioses Zusammenspiel von Bluesgetränkten 3-Akkorde Gitarren-Riffs, solidem Schlagzeug und typischer Reibeisenstimme, ganz im Stile der australischen Vorbilder. „Das Geld liegt auf der Straße“ wirkt wie eine Weiterführung von „Tanz nackt“, mit anteiliger Intensität vom „Rock’n’Roll Sexgott.“

Beginnend mit dem Titeltrack, gibt es den stärksten Song des Albums auch gleich zum Opening. „Das Geld liegt auf der Straße“ grooved und rockt wie die Sau! Wem dabei noch die Kniescheibe stillsteht, hat etwa Gelenkrheumatismus oder keinen Geschmack. Bei der Nummer springt selbst ein Malcom Young aus seinem Sarg und reißt sich das Leichenhemd vom Body! „Du brauchst Rock“ ist hingegen komplett auf Vollgas getrimmt und dürfte Live voll und ganz zum Mitgröhlen animieren. „Die Muse ist im Urlaub“ drückt ähnlich wie der Titeltrack ordentlich aufs Gebälk. Fettes Riffing, ordentlicher Groove, macht tierisch Laune. Ebenso steht „Sänger in ’ner Rock’n’Roll Band“ dem in Nichts nach. Was für ein fantastischer Auftakt des neuen Albums. „Ich kümmer mich drum“ erdet mit einer Blues Rock Einlage und eingesprochenem Intro von Stefan Stoppok das Album im Mittelteil. Erst mit „Mona Lisa“ wird ein etwas gewöhnungsbedürftiger Song eingestreut, der auch vielleicht nicht beim ersten mal zündet. Von Schwäche kann allerdings aber keine Rede sein. Der Midtempo Groover macht nach 2-3 mal hören ebenfalls richtig Spaß, wenn auch zugegeben nicht ganz so stark wie der vorherige Rest des Albums. Der schnellste Song der Platte wird mit „Hektik“ eingeläutet. Eine echte Vollgasrock Veranstaltung in knapp 4 Minuten und das Knie wackelt im Dauermodus. Die typisch melodische Ohrwurm Nummer sind uns „Ohrenfeindt“ allerdings noch schuldig. Diese folgt auch promt mit „Willst du mit mir gehen.“ Frech, fröhlich, stimmig, Rock’n’Roll. Ein Top Song, der genau wie die Rausschmeißer Ballade „Schlaflied“, eine gekonnte Abwechslung bietet. Einzige Enttäuschung des Albums ist für mich der auf dem ersten Blick verlockende Titel „Motorcross im Treppenhaus.“ Wenn auch mit fantastisch, süffigen Blues Riffs versehen, schießt hier der Text, besonders im Refrain absolut den Vogel ab. Holperig, teilweise unstimmig und einfach zu kitschig geschrieben, passen die schwachen Zeilen einfach nicht zur äußerst starken Musik. Den Song hat man leider lyrisch etwas vergeigt, was normalerweise ziemlich untypisch für Chris Laut ist, aber es sei ihm verziehen, schließlich war die Muse ja auch im Urlaub. 😉 Außerdem bleibt der Sinn der Live Version von „So nicht“ zu hinterfragen, welche nichtmal als Bonus Track gekennzeichnet wurde. So erweckt jene Tatsache eher den Anschein, eines unnötigen Lückenfüllers. Sei es drum, die hohe Qualität der Vollblut Rock’n’Roller wird dadurch auch nicht geschmälert.

Unterm Strich haben „Ohrenfeindt“ wieder ein Bärenstarkes Album hingelegt, das bis auf ein kleines, lyrisches Ärgernis, absolute Klasse ist. Am Ende eines jeden Silberlings, möchte man eigenlich nur noch mehr davon. In diesem Sinne, auf das die nächsten 2 Jahre wieder schnell vergehen. Macht das lauter, schüttelt alles was ihr habt. Roggenrohl!

Über Bob Rock 341 Artikel
Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.