Neck Cemetery – Born in a Coffin‘

Sie waren DIE Metal Überraschung des letzten Jahres, die mit ihrem 3-Track-Demo „Death by Banging“ für ordentlich Wirbel gesorgt haben. Da ein derartiges Szenario äußerst selten vor kommt, in der „die kleine Scheibe“ auch noch restlos ausverkauft wurde, kann man hier nur den Hut ziehen. Bei all der Qualität die die 5 Musiker auf die Bühne bringen und sich vorallem auch in ihren Songs wiederspiegelten, ist das auch kein Wunder. „Neck Cemetery“ zelebrieren puren 80er Jahre Heavy Metal ohne jeglichen Schnickschnack. Ehrlicher kannst du diesen Stil nicht herüber bringen. Live absolut wuchtig, musikalisch versiert und optisch wie ein <> Orkan, fegten sie im letzten Jahr über sämtliche Bühnen der Republik. „Neck Cemetery“ war es stets eine Ehre, für all die die Großen Bands das Warm Up zu spielen. Gleichzeitig haben sich die Fünf Jungs aber auch einen Namen gemacht, den man nicht so schnell wieder vergessen wird. Der positive Eindruck, den die Kölner Band hinterlassen hatte, schürrte natürlich auch Erwartungen. Erwartungen, denen sie auf ihrem ersten Studioalbum nun gerecht werden mussten. „Born in a Coffin“ hat mittlerweile zur Freude der schnell gewachsenen Fan Gemeinde, das Licht der Welt erblickt. Vorab blieb nur noch die Frage, welche Songs vom Live Setting, sowie dem Demo Tape, letztendlich auch auf dem Studioalbum Platz finden würden. Wer hier zuviel erwartet hat, wird leider erstmal enttäuscht. Lediglich „Feed the Night“ hat es auf den Longplayer geschafft, der mit seinen 8 Tracks recht klassisch in der Laufzeit gehalten wurde. Abhilfe schafft hier zum Teil das Demo Tape, welches auf Bandcamp in MP3 Form weiterhin erhältlich ist und mit „The Night False Metal Dies“ oder „Battle the Beast“ noch weitere Kracher beinhaltet. Spannend hätte ich die selbstbetitelte und die von den „Ramones“ stammende, umgedichtete Cover Variante von Pet Cemetary (in Neck Cemetery) gefunden, doch auch hier wird man vorerst vertröstet, sofern eine Veröffentlichung je geplant ist.

Werfen wir ein Blick auf den neuen Silberling, welcher direkt mit dem Intro „L.F.I.R.S.“ in die Vollen geht. „King of the Dead“ oder „The Fall of a Realm“ machen durchaus spaß, den Songs fehlt allerdings noch das gewisse Etwas. Das sieht bei „Castle of Fear“ schon ganz anders aus. Ein Heavy Metal Ohrwurm der mit Spielfreude nur so protzt. Ebenso überzeugt „Banging in the Grave“, wofür man sich niemand anderes als „Grave Digger“ Frontmann Chris Boltenthal als Verstärkung am Mikrofon gesichert hat. Grooviger, rotziger Metal. „Feed the Night“ hat man meinem Empfinden nach, für die Album Version sogar noch einwenig aufgemotzt. Der Song klingt weitaus wuchtiger als vorher und kommt insgesamt mit noch breiterer Brust aus den Boxen. Bei „The Creed“ driftet man sogar einwenig in die Speed Metal Schiene ab, was dem Album durchaus gut zur Gesicht steht. Für den Rausschmeißer hat man sich dann noch Michael Koch an die Gitarre heran geholt, welcher zusätzlich für Abwechselung sorgt. „Sisters of Battle“ wummert, macht tierisch Laune und geht wieder voll ins Ohr. Zwar ist das Album aus heutiger Sicht enorm kurz geraten und an Abwechselungsreichtum mangelt es größtenteils, dennoch geht „Born in a Coffin“ als Debüt völlig in Ordnung. „Neck Cemetery“ werden auch dieses mal wieder die Metal Szene begeistern, haben aber natürlich noch viel Luft nach oben.

Unterm Strich ist „Born in a Coffin“ ein gelungenes, aber noch nicht ausgereiftes Debüt. Da geht noch was! Qualität ist reichlich vorhanden, so das man in einigen Jahren mit Sicherheit im großen Metal Teich mitschwimmen kann.
Zwar stehen ihnen wahrscheinlich zunächst einige Klisches wie >>altbacken<< oder >>eintönig<< im Weg, doch in einer Zeit, wo sich jeder immer wieder neu erfinden will (muss man das überhaupt?!?) und 20 Trilliarden Stile miteinander vermischt, kommt gerade die gute alte Schule m.M.n. wieder in Mode. Gerade in den letzten Jahren schossen Bands wie "Neck Cemetery" wie Pilze aus dem Boden, was die These deutlich untermauern sollte, das Oldschool wieder modern wird. Ob es letztendlich für die ganz großen Bühnen reichen wird, sei mal dahin gestellt, "Neck Cemetery" haben aber auf jeden Fall das Zeug dazu.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.