Thundermother – Heat Wave

Passend zur Hitzewelle veröffentlichen „Thundermother“ ihr viertes Studioalbum „Heat Wave.“ Bis dato blieb es spannend, ob Filippa Nessil mit ihrem neuen und diesmal eingespielten Line Up die Kurve bekommen und an alte Zeiten anknüpfen könnte. War doch das selbstbetitelte Vorgängeralbum eher als eine Art Schnellschuss mit im Umbruch zu betrachten, so sollte man zumindest jetzt, 2 Jahre danach, etwas mehr erwarten dürfen. Tätsächlich präsentieren sich die neuen Damen wesentlich gereifter. Alles wirkt viel mehr aufeinander eingestimmt und geht wieder deutlicher auf die „AC/DC“ Schiene. Trotzdem muss man eingestehen, das „Heat Wave“ mit zwei Gitarren noch weitaus besser geklungen hätte.

Die Platte geht insgesamt recht gut los. „Loud and Alive“ ist ein Opener nach Maß, gleich gefolgt vom besten Song des Albums, „Dog from Hell.“ Hier spürt man zu 100% Angus Young und die Götter ala Götter. Süffiger und kerniger Rock’n’Roll mit knackigen Hocklines at his best. Der Midtempo Groover „Back in ’76“ ist zwar schlicht, macht aber durchaus Spaß, bevor man mit dem wilden Rock’n’Roller „Into the Mud“ gewaltig aufs Tempo drückt. Erinnert einwenig an „AC’DC’s – Rocker“ von der „Dirty Deeds“ Scheibe. Der Titeltrack kommt wieder schön süffig geklimmpert daher. Es scheint, das auf dem Album öfter einiges von „Stip upper Lip“ mit eingeflossen ist. Man beschränkt sich aber nicht ausschließlich auf diesen Sound, sondern setzt immer wieder eigene Akzente. Mit „Sleep“ haben „Thundermother“ auch wieder eine arkustische Ballade an Bord. Kann man mal machen, aber der Song bricht mir schon sehr aus der Szene aus und wäre absolut Hopsi Popsi Chartstauglich, daher werde ich hier mal nicht weiter kommentieren. 😉 Die Single „Driving in Style“ haut dafür wieder ordentlich rein, auch wenn man hier hörbar deutlich einen Hit landen wollte. Bei „Free Ourselves“ lässt „Thunderstruck“ grüßen, da man das Intro ganz bewusst daran angelehnt hat. Das macht die Nummer aber kein Stück schlechter. Der Song geht enorm straight forward and kicked in the tees. 😉 „Mexico“ glänzt mit guter Gitarrenarbeit, der Funke will aber nicht überspringen. „Purple Sky“ verkommt leider deutlich zu einem Charthit und das souveräne „Ghost“ ist letztendlich auch etwas enttäuschend. Der Song wuchtet zwar ordentliche Riffs aufgrund zwei übernander gelegten Gitarrenspuren, doch genau da liegt der Hase im Pfeffer. Es ist deutlich zu spüren, was – mit wie ursprünglich zwei Gitarristinnen – wieder möglich gewesen wäre und hinterlässt dementsprechend einen kleinen, enttäuschenden Beigeschmack. „Somebody Love Me“ fetzt und der Rausschmeißer „Bad Habits“ überzeugt abermals durch schlichtes Rock’n’Roll Riffing.

Unterm Strich haben „Thundermother“ fast alles richtig gemacht. Zwei deutlich Charts angehauchte Songs hätte weglassen sollen, ansonsten gibt es kaum etwas zu bemängeln. An ihre alten Zeiten werden sie aber wohl nicht mehr anknüpfen. Diesen Gedanken sollte man sich vielleicht auch langsam abgewöhnen. Neue Musiker bringen automatisch neuen Stil mit herein und da weiterhin eine zweite Gitarristin fehlt und Filippa Nessil alleine die Krawallgeige bedient, wird schon ganz automatisch nicht mehr die Grundstimmung der ersten zwei Alben erreicht werden. Trotzdem kann man dem Quartett attestieren, sich in den letzten 2 – 3 Jahren als Band bewiesen zu haben und das mittlerweile ein Rädchen ins andere greift.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.