Feuerschwanz – Das elfte Gebot

Mit dem „Methämmer“ beschlossen „Feuerschwanz“ vor 2 Jahren, neue Wege einzuschlagen. Der Mittelalter Ulk wurde zu einer waschechten Metal Band, ohne die herkömmlichen Zutaten zu vernachlässigen. Sind „Feuerschwanz“ nun also Mittelalter Metal? Ich behaupte Jaein. In erster Linie bleiben sich die Erlanger völlig treu. Lediglich die Gewürze sind noch eine Prise härter und spielfreudiger geworden. Die Gitarren dröhnen, der Bass wummert bis zum Anschlag und auch die Band selbst scheint mittlerweile mehr Met als je zu vor zu konsumieren. Alberne Lyrics, Hits und tanzbare Rythmen im Overload. Es entsteht mehr und mehr der Eindruck, das sie auf Burg Feuerschwanz immer wieder noch einen drauf setzen wollen. „Das elfte Gebot“ (nicht vom Titel täuschen lassen) ist mittlerweile schon das neunte Studioalbum von Hauptmann, Hodi, Lanze und co. und weiß in seiner darliegenden Form wieder enorm zu begeistern.

Mit „Meister der Minne“, „Metfest“ und dem Titeltrack bekommt man gleich Drei wuchtige aber typisch melodische „Feuerschwanz“ Songs auf die Ohren. Der „Kampfzwerk“ kommt einem druckvollen und äußerst amüsanten, audiovisuellen Besäufnis gleich, während man mit „Im Bauch des Wals“ eine epische Midtempo Ballade nach Maß abliefert. Die Band schlägt derart neue Töne an, das es eine wahre Freude ist, den Klamauk im neuen Metalgewand zu genießen. „Mission Eskalation“ und „Schildmaid“ kommen enorm funkig daher. Mal etwas poppig und mal etwas heavy. „Malleus Maleficarum“ steht der epische Chor Gesang des „geilen Haufens.“ Das ist frisch, das musikalisch 1A. Schon wieder wissen „Feuerschwanz“ zu überraschen. Mit „Lords of Powermet“ (wtf?) hat man „Judas Priest“ Tribut gezollt und die Melodie von „Nightcrawler“ mittelalterlich angepasst. Geiler Scheiß! Letztendlich wird es auch beim „Totentanz“ und dem Rausschmeißer „Unter dem Drachenbanner“ noch ein weiteres mal enorm episch und groovig. Diese 11 Songs sind durchweg gelungen!

Doch war das ja noch längst nicht alles. „Feuerschwanz“ haben sich das Recht oder die Frechheit? erlaubt, eine Bonus Disc mit 7 Cover Songs aufzunehmen. Diese Beilage, welche unter dem Banner „Die sieben Todsünden“ (aka das Album der Schande) läuft, macht seinen Namen alle Ehre. Hier hat man den Cover Wahnsinn und sich selbst gleich mit auf die Schippe genommen. Über Sinn und Unsinn der 7 Cover kann man streiten. Fakt ist jedenfalls, das, dass „Ding“ von „Seeed“ oder „Limit“ von „Deichkind“ im Original bei weitem nicht so abgehen. Verrückt, aber hat was. Da wird grausiger Hip Hop in typischer „Feuerschwanz“ Manier abgeliefert und grandios verschönert. Ebenfalls kann man „Ed Sheeran’s“ – „I see Fire“ in der „Feuerschwanz“ Version nur ein großes Lob aussprechen. In Metal klingt sowieso alles besser, aber die Band beweist zeitgleich, das auch im Mittelalter einiges gehen kann. Der Song kommt 1000x besser daher, als wie der herkömmliche Hit aus den Hopsi Popsi Charts. Der Rest ist allerdings eher unnötig. Aus „Hier kommt Alex“ (Die Toten Hosen), „Amen & Attack“ (Powerwolf), „Gott mit uns“ (Sabaton) und „Engel“ (Rammstein), wurde keine klare Verbesserung herausgeholt. Man hat sich hierfür aber auch die falschen Titel ausgesucht. Finger Weg vom Rock und Metal Bereich. Gut Covern ist hier sehr schwer, bis gar unmöglich. Irgendwelche Pop Charts hingegen, funktionieren bei der Aufwertung fast immer.

Unterm Strich werden die Erlanger immer besser. Was mit „Methämmer“ schon grandios begann, wird auf „Das elfte Gebot“ noch verfeinert und perfektioniert. Der Härtefaktor wurde im Vergleich zum Vorgänger noch einmal etwas angezogen. Die aktuelle Platte dröhnt, wummert, groove’t und knarzt an allen Ecken und Kanten. Dazu der gewohnt aber scheinbar immer besser werdende, musikalische Gesang von Peter Henrici und Ben Metzner aka Hauptmann und Hodi, geben dem Album den letzten Schliff. Man kann guten Gewissens behaupten, das „Feuerschwanz“ aktuell auf dem Höhepunkt ihres Schaffens angelangt sind. Auch wenn die Bonus Disc nicht ganz gelungen ist, stellt diese Scheibe eben auch nur ein Zusatz dar und sollte weder das herkömmliche Album auf noch abwerten. Von daher volle Punktzahl für „Das elfte Gebot!“

 
Bob Rock
Über Bob Rock 297 Artikel
Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.