Bury Tomorrow – Cannibal

Die Briten von „Bury Tomorrow“ stellen für mich eine der wenigen Hoffnungsträger im Metalcore Sektor dar. Wo also das bereits endlos totgenudelte „Träller-Growl-Träller“ Genre zweifelsohne nach neuen Impulsen giert, wird es bei „Bury Tomorrow“ stets fündig. Quasi pünktlich – alle 2 Jahre – bescherrt uns die Band ein neues fantastisches Album. Das aktuelle „Cannibal“ stellt da keine Ausnahme dar. Das neue Werk reiht sich geradezu nahtlos an die Vorgänger an. Langeweile ist bei dieser Band stehts Fehlanzeige. 11 knackige Songs mit durchschnittlicher Laufzeit und dem nötigen Biss, bescheren einen weiteren Hörgenuss aus dem Hause „BT“, welcher nicht wieder so schnell wegzudenken ist.

Mit „Choke“ beginnt die Band gewohnt wuchtig und drückend. Dabei wirkt der Klargesang von Jason Cameron zwischen den Shoutings wie so oft enorm bereichernd. Sehr erfrischend besticht auch der Titeltrack mit nicht ganz so typischen Metalcore anleihen, wenn auch dieser noch reichlich vorhanden ist. Dennoch, „Cannibal“ geht definitiv ins Ohr und wuchtet nicht ganz so derbe wie der Opener. Das noch gechicktere „The Grey (VIXI)“ und „The Agonist schaffen einen versierten Spaghat zwischen Melodic und düsteren Groove. Doch in Sachen Abwechselung machen die Briten besonders Laune. Zwischen wuchtigen Nackenbrechern mit Klargesang, finden sich auch wahre Core Hymnen wie „Imposter“ und „Better Below“ wieder. „Quake“ hingegen führt den Hörer zunächst in die Irre. Bekommt man doch zu Anfang den Eindruck vermittelt, der Song würde sich um eine Art Midtempo Ballade handeln, bricht dieser schließlich in einen etwas langsamer gehaltenen Melodic Brecher aus. „Gods & Machines“ und das noch wuchtigere „Voice & Truth“ stampfen in Sachen brutales Riffing alles in den Boden. Zwar machen auch die letzten beiden Titel „Cold Sleep“ und „Dark, Infinite“ da kaum eine Ausnahme, scheitern aber etwas an dem vorherigen, sehr hohen Niveau und können die Klasse nicht mehr ganz auf dem gleichen Level halten. Das jedoch zum Ende einwenig die Luft ausgeht ist zwar schade, aber auch nicht tragisch. Gelungen ist das Gesamtbild allemal.

Unterm Strich wieder einmal ein gewohnt starkes und abwechselungsreiches Metalcore Album von „Bury Tomorrow“, die auch weiterhin die Fahne eines sinkenden Schiffes hochhalten. Da muss der zweite Hoffnungsträger aus Down Under erstmal nachlegen.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.