Victorius – Space Ninjas from Hell

Die deutsche Antwort auf „Dragonforce“, welche ich eigentlich sehr schätze, hat sich 2020 mal ganz weit aus dem Fenster gelegt. Mit ihrem neuen Studioalbum „Space Ninjas from Hell“ (Alleine der Name ist schon enorm mutig gewählt), wagen sich „Victorius“ auf einen irren Trip, durch ein futuristisches Japan. Musikalisch bewegt man sich dementsprechend ebenfalls in dieser Schiene und lässt ein derart schräges Album auf die Welt los, das man wohl entweder feiern kann, oder extrem verdauen muss. Dabei fängt alles noch recht typisch Powermetallisch an. Der Opener „Tale Of The Sunbladers“, welcher gleichzeitig für mich auch noch der beste Song des Albums darstellt, ist wohl auch noch der typischste „Victorius“ Song auf „Space Ninjas from Hell.“ Flotter, melodischer „Dragonforce“ Klon, der Spaß macht. Danach ist es alleine schon der Blick auf die verbleibene Playlist, der Drehschwindel verursacht. Die Band hat diesen Space Ninjas Gag (es kann einfach nicht ernst gemeint sein) auch in den Song Namen und Texten 1:1 durchgezogen. Eines muss man ihnen ja lassen, „Victorius“ haben Eier! Es gehört schön eine schiere Abgeklärtheit dazu, so einen Quatsch wirklich durchzuziehen. „Ninjas Unite“ und „Supersonic Samurai“ gehen gut ab und stellen ebenfalls noch souveränen Power Metal dar, doch danach wird es allerdings immer kurioser. Das schwache „Evil Wizard Wushu Master“ zündet auch beim 5ten mal nicht und mit „Nippon Knights“ wirds richtig crazy japanisch. Doch es kommt noch wilder. „Shuriken Showdown“, „Wasabi Warmachine“, „Wrath Of The Dragongod?“ Welcher Teufel hat euch eigentlich geritten? Überzeugen können mich hier eigentlich nur die skurilen Song Titel. Doch war das noch lange nicht die Spitze des Eisbergs. „Astral Assassin Shark Attack“, „Cosmic Space Commando Base und der Titeltrack „Space Ninjas from Hell“, es wird von mal zu mal verrückter. Auch wenn meiner Meinung nach kein einziger Song im Ohr bleibt, kann man sich ein grinsen dennoch nicht verkneifen. Immerhin kann der Bonus Track „Dark Side Of The Sun“, wieder einigermaßen geerdete Vernunft in den ganzen Unsinn bringen, ohne allerdings viel retten zu können.

Unterm Strich ist „Space Ninjas from Hell“ ein verrücktes und wahrscheinlich nur in Japan zündendes Album. Ob die westliche Gemeinde großartig etwas damit anfangen kann, sei mal dahin gestellt. Trotzdem muss man „Victorius“ respekt zollen. Wer so eine gewagte Nummer auf den Markt bringt (auf die Idee muss man auch erstmal kommen), ist schon ziemlich abgefuckt und beweist unheimlichen Mut. Leider ändert es nichts daran, das die Platte außerhalb des Landes der aufgehenden Sonne, meiner Meinung nach nur mäßig überzeugt. 3 – 4 gute Songs, (vom Inhalt mal abgesehen) stoßen auf eine Menge musikalischer Verrücktheiten. Was sich die Band dabei gedacht hat, darüber kann man nur mutmaßen. Ernst nehmen kann man „Space Ninjas from Hell“ definitiv nicht, aber das soll man wahrscheinlich auch garnicht. Ein musikalischer Gag eben. Wems gefällt…

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.