Metal Church – From the Vault

Das neue „Album“ der metallischen Kirche ist ganz bewusst in Anführungszeichen zu setzen. Zwar handelt es sich bei „From the Vault“ um eine offizielle Veröffentlichung, doch haben wir es unter den insgesamt 18 Songs, kaum mit neuem Material zu tun. Viel mehr ist diese Scheibe ein wilder, zusammengeworfener Mix, aus unveröffentlichten Titeln, die ursprünglich für den Vorgänger „Damned if you do“ geschrieben, aber letztendlich nicht verwendet wurden, sowie einigen, ebenfalls unveröffentlichten Cover Nummern und zwei Live Mitschnitte der letzten Welttournee. Dazu eine Neuaufnahme des Klassikers „Conductor“ und um den ganzen Ausschuss schließlich an den Mann bringen zu können, ein paar wenige neue Songs obendrauf. Nennen wir es also ehrlicherweise beim Namen: „From the Vault“ ist eine reine Cash Cow, die wenig neuen Material zum Kauf anregen soll.

Hört man sich zunächst die Ausschussware des Vorgängers an, fällt auch gleich auf, warum diese damals entfernt wurden und bis auf „Mind Thief“ mal abgesehen, keinerlei Mehrwert geboten hätten. „Tell Lie Vision“, „False Flag“, sowie die instrumentalen Nummern „Insta Mental“ und „432hz“ hätte kein Mensch gebraucht. Können wenigstens die Cover was? Antwort: Nein! „Green Eyed Lady“ oder Ram Jam’s „Black Betty“ sind verschenkt. Nazareth’s „Please Don’t Judas Me“ kann sich zumindest hören lassen, aber über Sinn oder Unsinn eines fast 1:1 Covers, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter philosophieren. Die Live Mitschnitte sind meiner Meinung nach auch unnötig und bieten auf einem Nicht Live Album, nur Füller Material. Was ist also wirklich neu auf „From the Vault?!“ Antwort: Nicht viel! Gerade einmal drei neue Songs wurden als Leckerlie dazu geworfen. Bei diesen ist jedoch qualitativ die Messlatte hochgehalten und deutlich hörbar, das es sich hier mal um offizielles Material der Kult Kapelle handelt. „Dead on the Vine“ grooved ordentlich, geht zügig ab und ist endlich mal das, was man von „Metal Church“ erwartet. Riffgewaltig, heavy und mit leichtem Twist im Chorus sind „For No Reason“, sowie das meloagressive „Above the Madness“ ebenfalls gelungen. Die Neuaufnahme oder Remake des Klassikers „Conductor (Redux)“ geht insgesamt in Ordnung. Welche Version vorzuziehen ist, muss jedoch jeder für sich selbst entscheiden, da ich hier mal kein Urteil fällen werde.

Unterm Strich ist „From the Vault“ nur im Ansatz mit den neuen Songs gelungen, der Rest ist reines Cash Cow Gehabe mit üblen Beigeschmack, welches aber auch schon unzählige andere Bands zuvor, ähnlich gehandhabt haben. Als reines Studioalbum wäre mit Sicherheit einiges mehr bei herum gekommen, doch in Anbetracht dessen, das die neuen Songs nur aus reinen Verkaufszwecken, des sinnlosen Restematerials aufgenommen worden sind, wirft der Faktor doch einen dunklen Schatten über dieses Projekt. Die neuen Songs kann man sich zwar durchaus bei Amazon und co. herunterladen, für einem Kauf der Platte, werde ich allerdings keine Empfehlung aussprechen. „From the Vault“ ist wohl allerhöchstens für knallharte Fans ein Grund, sich die Scheibe ins Regal zu stellen.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.