Serious Black – Suite 226

Zugegeben, „Serious Black“ sind wahrhaftig keine schlechte Band, sondern eher eine Kapelle, die für souveränen Power Metal steht. Dennoch muss ich anmerken, das die jüngsten Live Erlebnisse (Support Show bei „HammerFall“) alles andere als zufriedenstellend waren. Die Fünf Musiker tragen hierbei aber allerhöchstens eine Teilschuld, denn am Mischpult sitzen ja bekanntlich andere Herren. So dumpf, drucklos und blechernd habe ich selten einen Auftritt erlebt. Die Gitarren waren fast garnicht zu hören und insgesamt kam auch einfach keine Freude auf. Das „Serious Black“ aber eigentlich ganz anders klingen, beweißt u.a. das neue Studioalbum „Suite 226“, denn hier wird auch gleich beim ersten Song wieder deutlich, das hinter dieser Band eigentlich viel mehr Power steckt, als wie ich sie Live erlebt habe. Die 10 Titel sind knackig und ordentlich ausgereift.

Sei es das melodische Opening „Let Me Go“, oder das Double Bass wummernde „When The Stars Are Right.“ „Serious Black“ haben immer ordentlich Würze im Suppentopf, um den Geschmack zu prägen und im Gesamtbild zu überzeugen. Nimmt man nur mal das Melo-epische „Solitude Etude“ ins Gewicht, dann beweisen die Briten einen enormes Potential an musikalischer Klasse. Vielseitig und Ohrwurmtreibend. „Fate of All Humanity“ ist zwar nicht ganz so ausgeprägt geraten, kann aber auf ähnlicher weise Punkten. Ebenso hat das Drumbetonte „Castiel“ einen ganz besonderen Reiz. Das zu schlichte „Heaven Shall Burn“ ist da schon fast ein Fremdkörper, allerdings haben sich „Serious Black“ die Latte auch selbst ordentlich hoch gelegt. Bestätigt wird sie allerdings gleich wieder im Anschluss mit „Way Back Home“ – absolut Hitverdächtig. Mit „We Still Stand Tall“ kommt ein flotter Melo-Metal-Kracher daher und die einzig ruhige Ballade „Come Home“ kann ebenfalls Eindrücke hinterlassen. Den Titeltrack haben sich „Serious Black“ allerdings bis zum Schluss aufgehoben. „Suite 226“ wirkt anfangs im Vergleich zum Rest etwas gewöhnungsbedürftig und funktioniert als Rausschmeißer auch nur bedingt, dennoch bringt die Band auch hier wieder ein ganz eigenes musikalisches Meisterwerk hervor, welches man in den ersten Minuten noch garnicht erwartet hätte. Für Überraschungen ist also ebenfalls auf dem neuen Silberling gesorgt.

Unterm Strich hat die Band mit ihrem 5ten Studioalbum einen echten Kracher hervorgebracht. „Suite 226“ kann bis auf 1 – 2 geringfügige Kritikpunkte voll überzeugen und stellt die Show in Oberhausen komplett in den Schatten, aber da man derartige Unfälle jedes Jahr aufs Neue auch bei einem sehr bekannten Metal Festival beobachten kann, sollte man den Musikern davon am wenigsten ankreiden.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.