HammerFall – Live in Oberhausen 2020

Die schedische Power Metal Legende ist wieder auf Tour und mit ihnen war natürlich auch Radio Rock in der Turbinenhalle Oberhausen zu Gast. Diesmal in Form von Vince und Bob Rock, welche lediglich zu diesem Termin ohne Sari Louvre auskommen mussten und die fachkundige Presse vor Ort darstellten. Der Gig versprach mit insgesamt Drei Bands ein langer und anstrengender Abend zu werden, denn neben „HammerFall“, waren „Serious Black“ als Support und „Battle Beast“ als Special Guest geladen.
Mit dem Vorwissen, wie mühsam der Einlass in der Turbinenhalle vonstatten geht, war unsererseits eine frühe Anreise, sowie lange Wartezeiten mit einkalkuliert. Jenes zahlte sich später auch wieder aus, denn obwohl wir zu den ersten vor den Toren gehörten, hatte sich der Einlass, sowie das komplette Programm um fast 40 Minuten verschoben, so das wir mindestens eine Stunde draußen in einer Schlange gewartet haben, die sich über den ganzen Parkplatz hinweg auf geschätzt 300 Meter hinzog. Ich möchte nicht wissen, wielange die Leute gebraucht haben, um allesamt in der Location zu sein. Mit den Örtlichen Durchsuchungen und den immer nur Grüppchenweise Einzug gewährenden Personen, werden die Letzten sicherlich den Anfang der Show verpasst haben. So schön die große Halle auch ist, der Einlass ist und bleibt eine Katastrophe und warum sich alles so maßiv verspätet hatte, blieb auch ein Rätsel. Wie dem auch sei, mit dem Programm ging es zumindest recht zügig los und das Glück bevorzugt auch nur den, mit einem Mittelplatz vor der Bühne, der vorbereitet ist. Wie immer alles richtig gemacht von unserer Radio Crew.

Serious Black

Den Anfang machten die Briten von „Serious Black“, eine Art Power Metal Supergroup, die ich persönlich alles andere als super finde. Die Band konnte mich schon im Voraus musikalisch nicht sonderlich begeistern und das hat sich auch beim Live Support nicht geändert. Der Sound war lasch, weichgespühlt und einfach nicht klangvoll. Kurzum, der Support Act machte leider garkeinen Spaß. Fairerweise muss man ihnen aber zugestehen, das alle Bands an diesem Abend, irgendwo ziemlich gedämpft aus den Boxen schalten. Ob das vom Veranstalter so gewollt, oder einfach nur Inkompetenz gewesen ist, bleibt an dieser Stelle leider unbeantwortet. Fakt ist aber, das mehr Dampf auf dem Kessel, den Gesamteindruck auch nicht sonderlich verbessert hätten. Es war einfach nicht meine Band. Nach 30 Minuten und 6 Songs, war der Auftakt dann auch schon wieder vorbei.

Battle Beast

So ziemlich jeder weiß, was ich von „Battle Beast“ halte. Anfangs hatte die Band mit zwei starken Metal Alben ziemlich hart an alte „Warlock“ Zeiten angeknüpft, was danach geschah, weiß wohl niemand so wirklich. Erst verließ Sängerin Nitte Valo die Band und später auch der eigentliche Kopf der Band und Gitarrist Anton Kabannen. Mit Noora Louhimo am Mikrofon, wurde aus einem Metal Ungeheuer, eine Metal Pop Quälerei mit Blastbeats. Schlimmer kann man seinen eigenen Sound nicht verraten. Diese Band ist einfach für meinen Geschmack zu einer absoluten Katastrophe mutiert. Folglich war ich natürlich nicht begeistert, mir jene im Vorprogramm von „HammerFall“ geben zu müssen, aber letztendlich muss man da durch. Im direkten Vergleich zum Vorgänger, hatte sich der Sound kein bisschen gewandelt. Es klang weiterhin lasch und ohne wirkliche Power. Doch im Grunde spielte das bei „Battle Beast“ eh keine Rolle, denn die klingen überall sonst genauso. Metal Pop im 80s Gewand aus „fucking Finnland“ wie Noora ihre Herkunft bezeichnete. Die 50 Minuten Spielzeit waren keine sonderliche Freude, dennoch muss man ganz neutral betrachtet, auch bei aller Antisympahtie zugeben, die Dame kann singen! Und sie kann auch ordentlich Stimmung machen und auf der Bühne herum wirbeln, aber eins kann sie nicht – nämlich meinen Geschmack treffen. Ziehen wir zum Schluss nochmal den Verrat am eigenen Sound zur Kritik, dann lässt sich jene Aussage auf den besagten Auftritt zusätzlich damit untermauern, das die Band nicht einen einzigen Klassiker gespielt hat, sondern ausschließlich Songs aus der Noora Louhimo Ära. Punkt. Ich habe fertig.

HammerFall

 

Zusammenfassend war das unterhaltsamste, bisher der zügige Umbau gewesen. Das hat man an diesem Abend absolut im Griff gehabt. Das ging Ratzfatz mit nur sehr wenig Leerlauf. „HammerFall“ hatten ein gewaltiges Bühnen Design am Start, welches schon fast „Iron Maiden“ Tribut zollte. Ein gewaltiger Tempel, mit Treppenaufgang Links und Rechts, sowie die Schießbude mit riesigen Kesseln ala U.D.O. auf der Spitze. Richtig Klasse Set. Dazu gab es massig Feuer Fontänen und Pyro Einsatz um die 2-Stündige Show gebührend zu begleiten. Die Jungs spielten einen Mix aus „Old shit, new shit and a little bit in between.“ Der Unterschied zu den beiden Vorgängern machte sich gleich deutlich bemerkbar, denn jetzt kam echter Metal von der Bühne! Trotz allem, obwohl immer noch ein gewisser Dämpfer in der Ton Technik nicht weg zu ignorieren war, drehten die Schweden richtig auf. Mit aktuellen Hits „Never Forgive, Never Forget“ und „One Against the World“ legten Joaquim Cans, Oscar Droniak und co. einen satten Start hin. Die Stimmung in der Halle war grandios, als man alte Genre Perlen wie „Heeding the Call“ und „The Way of the Warrior“ folgen lies. Droniak schwung seine Hammer Gitarre, Cans machte als Frontmann eine starke Show und immer wieder stiegen alle Bandmitglieder abwechselnd ihren „Tempel“ hinau, um von dort Oben mal ein Solo zu schreddern oder sonst wie das Publikum anzuheizen. Jedes Riff, jedes Double Lead und jede Bewegung hat gesessen. „HammerFall“ ließen Songs aus ihrer mittleren und deutlich schwächeren Ära folgen. „Any Means Necessary“, „Hallowed Be My Name“, „Blood Bound“ und „Redemption“, reihten sich ein, die aber Live größtenteils ordendtlich gerockt haben. „Hector’s Hymn“ und „Natural High“ waren Songs, die großartig vom Publikum mitgetragen wurden und selbst dem Duett mit Noora Louhimo in „Second to One“, konnte man etwas abgewinnen. Doch das grandiose letzte Drittel hatte es richtig insich. Beginnend mit einem furiosen Album Medley von der legendären „Renegade“ LP, zeigten die Schweden ihr ganzes Können. „Templers of Steel“, „A Legend Reborn“, „The Champion“ und natürlich der Titeltrack verschmolzen miteinander in einem Rutsch um schließlich meinen absoluten Lieblingssong vom besagten Album in voller Länge anzuhängen. „Keep the Flame Burning!“ Der absolute Oberhammer(Fall)! Es folgten der aktuelle Kracher und Titeltrack der Tour und des aktuellen Albums, „Dominion“, welcher die komplette Bühne in ein verrauchtes Höllenrot tauchen lies und „The Dragon Lies Bleeding“ vom allerersten „HammerFall“ Album „Glory to the Brave.“ Anschließend leuteten „Last Man Standing“ und das obligatorische „Let the Hammer Fall“ („When i say let the hammer? you say FALL!“) das Finale der Show ein, welche natürlich seine festen Zugaben aufgedrückt bekam. Es wurde Zeit den Hammer heraus zu holen. „Hammer High“ über das Konfetti regende „We Make (Sweden Rock)“ bishin zum Rausschmeißer und Gassenhauer „Hearts on Fire“, bei welchem Joaquim Cans direkt unten vor das Geländer kam und das Mikrofon immer wieder ins Publikum hielt, um den Refrain komplett vom Publikum tragen zu lassen. Kurzum war es eine riesige Show mit enorm spielfreudigen Schweden.

„HammerFall“ sind Live wirklich atemberaubend. Eine Band die man unbedingt mal auf der Bühne erlebt haben sollte. Trotz eher mäßigen Supports, war dieser Auftritt wirklich eine Meisterleistung. Schade das die Crew von der Turbinenhalle den Sound etwas gedämpft hatte, sonst hätte da noch viel mehr gehen können, aber dafür kann die Band ja nichts. Wie auch immer, der Hammer ist definitiv gefallen!

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.