Ohrenfeindt – Live in Siegburg 2019

In St.Pauli wird viel getanzt und meistens auch nackt. Seit der gleichnahmigen Tour wird dieser Brauch auch durch die komplette Republik getragen. Ohrenfeindt sind wieder unterwegs! Die Drei Schlingel aus Hamburg/St.Pauli bitten zum zweiten mal zum (nackt)Tanz und auch Radio Rock war wieder vor Ort.
Bereits im März diesen Jahres, waren wir auf der Part I Tour im Rockpalast Bochum dabei. Im zweiten Kapitel der Tour, führte diese natürlich durch sämtliche andere Locations, die im Frühjahr nicht bespielt wurden. So führte uns also der Weg zum zweiten mal in den Kubana Live Club nach Siegburg, welchen wir schon 2018 beim „Bullet“ Konzert besucht hatten. Bei eines der besten Clubs in Deutschland, schreckt auch die ca. 100 Minuten Anfahrt nicht ab. Das Kubana selbst ist eine kuriose Mischung aus Kubanischen Restaurant, Wellness Club im Obergeschoss und Konzerthalle im Keller. Jene hat es natürlich insich. Von der tollen Arkustik, bishin zur Kneipen Atmoshpäre mit vielen Barhockern und kleinen Tischen im hinteren Bereich, sowie einer richtig guten Bühne, gehört der Live Club zu einem der angesagtesten Locations für Rock und Metal Bands. Die Jungs von „Ohrenfeindt“ hatten es sich im Restaurant bequem gemacht, als der Einlass gerade erfolgte und die ersten Leute den Konzertkeller betraten. Unten angekommen, wurde erstmal der Sanitäre Trakt aufgesucht und anschließend am Merch die neue Best Of Doppel CD eingesackt. Zwar bin ich kein Fan von sinnlosen Best Of CDs und habe eigentlich auch keine Verwendung für die Arkustik Bonus CD „Ohne Stecker“, jedoch hat hier der Fanbonus Vorrang erhalten. Schließlich habe ich alle Tonträger der Band im Regal und eigentlich war der Plan, die CD später noch signieren zu lassen, doch das hat sich bei dem Andrang dann doch im Sande verlaufen. Stattdessen habe ich lieber direkt ein paar Selfies mit der Band geschossen. Andi Rohde war mal wieder der Erste, der unten herum lief und sich mit einigen Fans unterhielt. Das ist im Grunde schon fast Sinnbildlich für Trommel Andi, denn auf jedem „Ohrenfeindt“ Konzert, das ich besucht habe, war er immer der Erste, der sich unter das Volk gemischt hat. Kurz angesprochen, kurzer Smalltalk und Selfie geschossen. Netter Typ. Auch Krawallgeigen Keule war nicht weit und lief kurz danach an mir vorbei. Abgefangen, angesprochen, Klick. Cooler Typ. Fehlte nur noch einer und den hatte ich leider zu Anfang verpasst. Chris Laut hatte sich irgendwo hinter mir vorbei geschlichen, so das ich ihn zu spät gesehen hatte und dieser dann im Backstage verschwunden war. Später ergab sich allerdings nochmal die Gelegenheit.

Interessant war vorallem, das „Ohrenfeindt“ nicht die gleiche Show spielten, wie noch ein halbes Jahr zuvor. Diesmal war so einiges anders. Beginnend beim Support „Razzmattazz“, welche diesmal diese grauenhafte Turnschuh Kapelle „Schreiber“ oder „Lendgold“ ersetzen. Bei aller Liebe, aber „Ohrenfeindt“ waren für meinen Teil bisher nicht bekannt dafür, einen guten Support im Gepäck zu haben, bis jetzt! Auch die Setlist hatte sich rapide geändert. Im Grunde hatte ich mit dem selben Programm gerechnet, doch die „Feindte“ hatten diesmal über die Hälfte der Songs ausgetauscht. Das ist Fluch und Segen zu Gleich. Schön für Besucher wie mich, die im Frühjahr schon dabei waren und eine Abwechselung bekamen, schlecht für diejenigen, die den ersten Teil der Tour verpasst haben. Mit einer Setlist von 22 Songs, von denen ganze 12 im Vergleich zum letzten mal ausgetauscht wurden, konnte man gut leben, auch wenn mal wieder nicht jene dabei waren, die ich wirklich gerne mal Live gesehen hätte.

Razzmattazz

Der Support Act „Razzmattaz“ legte schon gut 20 Minuten früher los als geplant und rockte wie ein Orkan! ALTER! Was geht hier denn ab? Ein weiterer dieser „AC/DC“ Klone, aber was für einer! Die Kapelle rockte sich in ca. 50 Minuten, quer durch ihre bisherige Discographie, die ganze Vier Alben umfasst. Mit dabei waren u.a. „Rock’n’Roll Hero“, „Demolition Man“, „Metalgod“, „Fuck You“ und „Halleluja“ vom aktuellen Album. Die Jungs haben Live wahnsinnig viel Spaß gemacht und klassischen Rock’n’Roll geboten. Eben ganz passend zum Hauptact und mal keinen Alternative Rock Bullshit, wie man ihn sonst im Vorprogramm von den „Feindten“ gewohnt war. „Razzmattazz“ ist eine Band, die ich mir definitiv näher anschauen werde. Leider sind diese Jungs zu Unrecht noch viel zu unbekannt, also unbedingt reinhören, deren Seite liken, teilen. Jede Promo hilft. Danke für diesen tollen Support!

Ohrenfeindt

Unter lautem Motorradknattern ertönte das allseits bekannte Show Intro der Band: „Moin, moin Jungs und Mädels, jetzt gibt das voll auf die Lauscher! Vollgasrock aus Hamburg/St.Pauli. OHRENFEINDT! ….und ab gehts!“ Haha, saugeil. Mit „Komm schon und hol’s dir“, stürmten Andi, Chris und Keule die Bühne. Pikant ins Auge fällt natürlich Keule’s neue Krawallgeige. Die 61er Gibson SG in Knallrot. Jimi Hendrix hat diese Gitarre gespielt, Angus Young hat diese Gitarre gespielt und spielt sie noch…und jetzt spielt sie auch Keule! Roggenrohl! Und auch wenn sie dieses unsägliche „Motor an“ (es ist einfach nicht mein Song) wieder nicht aus der Setlist bekommen haben, machte die dritte Nummer wieder richtig Spaß. Der Werner-Rennen-Song „Porschekiller“ vom aktuellen Album rockte fantastisch. Anschließend begrüßte Chris das Publikum und verkündete gleichzeitig, wie gerne man seit 2013 immer wieder ins Kubana zurück kommt. Als Grund wurde der schöne Backstage Bereich und das geile Catering genannt. Ordentliche Verpflegung ist ja auch wichtig. Geiles Essen ist Roggenrohl. Weiter ging es mit dem Song gegen schlechte Manieren „So nicht“ und „Zeit für Rock’n’Roll.“ Schön das sie den wieder dabei hatten. „Zeit“ war damals der Opener beim Kultrock Festival in Balve gewesen. Lang ist es her. „Der Scheck ist in der Post“ hatten sie schon auf der „Zwei Fäuste für Rock’n’Roll Tour“ dabei und bleibt austauschbar. „Hallo Frau Doktor.“ war leider der einzige Song, der es vom aktuellen Album neu in die Setlist geschafft hat. Warum wird ein Rätsel bleiben. „Tanz nackt“ bietet soviel mehr und die Drei besten Songs des Albums, wurden bisher Live einfach nicht beachtet. Schade. Dennoch, „Frau Doktor“ rockte mächtig und machte Platz für „Gib mir mein Problem zurück“ und dem Jahrelangen Standart Groover „Auf die Fresse ist umsonst.“ Auch dieser wäre langsam mal austauschbar gewesen, „Problem“ machte dafür ordentlich Spaß. Hierfür packte Keule extra die Slide Gitarre aus, die ebenso bei „Mach die Tür zu“ und Spiel mit dem Feuer“ bespielt wurde. Dreimal geiler Blues Hardrock am Stück. Weiter ging es mit „Starkstrom Baby“ und dem obligatorischen Fan Liebling der aktuellen Platte, „Bum Bum Ballett.“ Gemeinsam wurde mit dem Maskottchen „Elchi“, den Chris kurz darauf zu einem WerElch ernannt hat, der Mond angeheult. „Heul den Mond an“ ist Live auch immer wieder ein Genuss. Mit dem Titeltrack „Tanz nackt“ verkündete Chris Laut auch gleich, das das Konzert am 26.12. beim obligatorischen Jahresabschluss im Grünspan Hamburg, für eine DVD Produktion aufgezeichnet wird. Erstmals werden „Ohrenfeindt“ also eine Konzert DVD/Bluray produzieren, worauf man schon mal gespannt sein darf. In „Sie hat ihr Herz an St.Pauli verloren“ durfte natürlich der Duckwalk nicht fehlen und bei „Energie“ ging richtig die Post ab. Mich hat es persönlich sehr gefreut, das sie diesen Song dabei hatten. Den hatte ich Live bisher noch nicht und stand u.a. noch auf meiner Wunschliste. Mit „Strom“ ballerte sich das Konzert in den Endspurt. Es folgten ganze 4 Zugaben. Natürlich der „Ohrenfeindt“ Song schlechthin „Rock’n’Roll Sexgott“, welchen Keule auf dem Rücken spielend einleitete, sowie „Alles nur aus Pastik“ und „Betriebsfest“, den sie ebenfalls seit Balve wieder erstmalig im Programm hatten. Den Abschluss beschallten sie wie immer mit der selbstbetitelten Bandhymne „Ohrenfeindt.“ Was für ein Konzert! Ich habe das Gefühl, die Jungs werden immer geiler, auch wenn die Setlist manche Songs nicht gebraucht hätte und ich mir weiterhin diverse Titel mal wieder beachtet wünsche, machen diese Drei selbst die schwächeren Songs zu einem absoluten Live Erlebnis. Das muss man bei allem „Genörgel“ an der Songauswahl dennoch zugeben.

Setlist:
01. Komm schon und hol’s dir
02. Motor an
03. Porschekiller
04. So nicht
05. Zeit für Rock’n’Roll
06. Der Scheck ist in der Post
07. Hallo Frau Doktor
08. Gib mir mein Problem zurück
09. Auf die Fresse ist umsonst
10. Mach die Tür zu
11. Spiel mit dem Feuer
12. Starkstrom Baby
13. Bum Bum Ballett
14. Heul den Mond an
15. Tanz nackt
16. Sie hat ihr Herz an St. Pauli verloren
17. Energie
18. Strom

Zugaben:
19. Rock’n’Roll Sexgott
20. Alles nur aus Plastik
21. Betriebsfest
22. Ohrenfeindt

Nach dem Konzert tummelte sich eine große Masse vor dem Merch und alles wartete auf die Band, die nach jedem Konzert immer noch an den Merch kommt um Autogramme zu geben oder Selfies zu schießen. Nach etwa 20 Minuten, als das Equitment abgebaut war, kam Chris als letzter zum Merch. Gewartet, abgefangen, angequatscht, Klick. Geiler Typ. Ihr kennt das Spiel. Mit Selfies von allen Drei Bandmitgliedern im Gepäck, ging es dann in Richtung Heimat. Zwar hätte ich gerne noch die CD signieren lassen, aber der Ansturm und die jeweilige Wartezeit waren mir dann doch zu groß, schließlich war es schon ca. 23:30 Uhr, plus 1 1/2 Stunden Rückfahrt. Das wurde mir dann doch zu spät. Autogramme gibts dann beim nächsten mal in Bochum.
Im Großen und Ganzen war es wie von der Band gewohnt, wieder ein geiles Konzert. Das Kubana in Siegburg, wird auch zukünftig wieder mal besucht. Der Club gehört auf meiner ewigen Konzertreise eindeutig zu den außergewöhnlichen Highlights unter den bisher besuchten Locations. Kubana Live Club, gerne wieder. Ohrenfeindt, immer wieder!

 

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.