Nitrogods – Rebel Dayz Tour – Helvete Club Oberhausen 25.10.2019

Sie sind die deutsche Antwort auf „Motörhead“. Sie sind aktuell auf Tour und sie sind die „Nitrogods!“ Mit ihrem aktuellen und reifesten Album „Rebel Dayz“ ziehen Henny, Klausi und Oimel derzeit durch die Hallen der Republik. Grund genug, für die Redaktion von Radio Rock, mal vorbei zu schauen und meiner Einer wollte die Band eh gerne mal Live erleben. Doch hier ergab sich anfangs schon das erste Problem, was letztendlich zum Glück keines werden sollte. Der einzige nächste Tour Termin war in Oberhausen, wenn man sich nicht Stundenlang ins Auto setzen wollte. Also wurde sich die Location „Helvete Club“ im Netz näher angeschaut und hier stelle ich fest, das der Laden keinen eigenen Parkplatz hat und mitten in der Innenstadt liegt. Nun stand die große Frage im Raum, wo zur Hölle man parken sollte? Nun Oberhausen ist groß und Oberhausen hat auch einige Parkmöglichkeiten, allerdings lagen diese stets Kilometer weit vom Helvete entfernt, oder beschränkten sich auf Parkhäuser, die ab 23/24 Uhr die Tore schlossen. Beides war also absolut keine Option, da wir vorallem auch erst nach 0 Uhr aus dem Club kamen. Letztendlich konnte mir eine alte Bekannte, die aus Oberhausen kommt, (schönen Dank nochmal an Doro) diesbezüglich weiterhelfen und so machten wir den Parkplatz der VHS als Ziel aus, welcher nur 200 Meter vom Club entfernt lag. Das war wirklich optimal und somit der Gig im Helvete am 25.10.2019 fest terminiert.

Die Anfahrt lief trotz leichten Staus in NRW ziemlich problemlos und auch der Parkplatz hatte noch genügend freie Plätze zu bieten, so das es vor Ort keinerlei Überraschungen gab. Anschließend ein kurzer Fußmarsch und schon stand man direkt vor dem Helvete, wo auch deutlich sichtbar eine größere Schar Fans zu warten schien. Schließlich war es auch schon kurz vor Einlass, da wir allerhöchstens 10 Minuten gewartet haben. Der Club selber ist von seiner Ausstattung wirklich interessant. Optisch eingerichtet wie die lodernde Hölle, mit Flaschenkerzen auf den Tischen und dem lebensgroßen Belzebub hinter dem Thresen. Außerdem konnte man es sich auch überall auf Sofas und Stühlen bequem machen. Das gleiche Bild bot sich im Konzertkeller, denn dafür musste man extra nochmal eine Etage tiefer. Oben war nur eine reine Kneipe zu bewundern. Unten gab es dann einen weiteren großen Raum mit einer Bar und massig Sitzgelegenheiten, sowie den Toiletten und dem Merchandising Stand. Dort wurde dann erstmal das „Rebel Dayz“ Tour Shirt eingesackt und eine Flasche Bier in die Ecke gestellt. 😉 Nur die Bühne war in diesem Saal immer noch nicht zu sehen. Tatsächlich gab es nebenan noch einen weiteren großen Raum, wo die Konzerte stattfanden. Hier musste man allerdings nochmal 15 Minuten auf den Einlass warten, bevor man nach Vorzeigen der Karte einen Stempel auf die Faust bekam und sich danach frei im Helvete hin und her bewegen konnte. Der Konzertsaal war relativ klein, hatte natürlich auch nochmal eine Bar und erinnerte einwenig an die abgespeckte Version der Matrix in Bochum. Das Ding kam der Röhre im Keller schon ziemlich nahe, nur eben wesentlich kleiner. Was sich hier gleich bemerkbar machte, war die enorme Temperatur. Der Keller heizte sich ordentlich auf, das man (ebenso wie in der Matrix) lediglich im Stehen schon total ins Schwitzen kam. Da half auch viel trinken nicht sonderlich, die Belüftung war einfach katastrophal. Wie dem auch sei, was muss das muss. Der Abend war ziemlich lang und wurde mit Drei Bands beschallt, da die „Nitrogods“ zwei Supports mit auf der Tour hatten. Allgemein scheint es mittlerweile im Trend zu liegen, zwei Vorbands mitzubringen. In letzter Zeit erleben wir das immer häufiger und ist meiner Meinung nach einfach zu viel. Das geht mächtig in die Zeit und wird auf Dauer auch anstrengend wenn man 4 – 5 Stunden vor der Bühne stehen muss. Aber auch hier gilt wieder, was muss, das muss.

Maxxwell

Den Anfang machte die Schweizer Band „Maxxwell.“ Die waren mir gänzlich unbekannt und insgesamt auch nicht so spektakulär. Zwar ist die Truppe auf jeden Fall hörbar und machte ordentlich lärm, aber meinen Geschmack hatten sie nicht sonderlich getroffen. Dennoch werde ich mir die Band nochmal in Ruhe anhören. Manchmal kommt unbekanntes von der Platte einfach besser, also das Live Erlebnis von Nichts ins Blaue. Auch dieses Szenario hatte ich schon mehrmals erlebt. Nach 45 Minuten jedenfalls, machten „Maxxwell“ Platz für den zweiten Support.

Psychopunch

Der Wechsel sowie der geringe Umbau, war wahrscheinlich der schnellste, den ich bis dato erlebt habe. Wenn das mal immer so flott gehen würde. „Psychopunch“ waren mir hingegen zum Vorgänger aber schon deutlich länger bekannt. Genauer gesagt seit jene damals beim „Onkelz“ Abschied unter den Support Bands auf dem Lausitzring spielten. Die Punk & Roll Kapelle ist mal mehr und mal weniger überzeugend, hat aber durchaus ihre Hits, auch wenn ich die Schweden seit knapp 10 Jahren nicht mehr sonderlich verfolgt habe. Der Auftakt begann mit einer unfreiwilligen Instrumentalnummer, da alle Mikrofone stumm geschaltet und kein Gesang zu hören war. Das störte die Band aber wenig und die zogen gekonnt ihr Ding durch. Erst nach dem ersten Song wurde nachjustiert und Sänger und Gitarrist „JM“ war deutlich zu hören. Die Vier legten einen ordentlichen Auftritt hin und spielten teilweise auch brandneue Songs an. Der Eine oder Andere war doch ganz interessant, so das ich mir demnächst wirklich mal die letzten, verpassten Alben zur Gemüte führen muss. Insgesamt machten „Psychopunch“ eine große Stimmung und wurden mit „Zugabe“ Rufen zurecht verabschiedet.

Nitrogods

Mittlerweile war es schon nach 22:00 Uhr, als Henny, Klausi und Oimel auf die Bühne kamen und den restlichen Abend durchrockten. Beginnend mit dem Klassiker „Black Car Driving Man“ hatte man den Saal gleich zum toben gebracht. Gefolgt von dem eher lahmen Titeltrack der aktuellen Platte und Tour, „Rebel Dayz“ ging es weiter. Einer der ganz wenigen Songs, die mir auf dem neuen Album garnicht zusagten. Dafür mussten nun einige Kracher her und die kamen auch. Die aktuelle Rock’n’Roll Granate „Breaking Loose“ (da geht mir immer noch der Reißverschluss auf :D) und die ältere Bluesrock Nummer „At Least, I’m Drunk“ waren die Folge. Bei letzterem bewiesen „Nitrogods“ auch wieder, das sie wesentlich mehr sind, als nur ein „Motörhead“ Klon. Die Band tut gut daran, sich nicht nur auf diesen einen Stil zu beschränken und oftmals so typischen 50er und 60er Jahre Bluesrock zu switchen. Hier trägt vorallem auch der Gesangswechsel von Oimel zu Henny bei. Während Oimel mehr die 1:1 Kopie von Lemmy darstellt (Die nahezu identische Röhre ist echt beeindruckend), bringt Henny Wolter mehr den melodischen Part herüber. Weiter ging es mit dem Klassiker „Rats & Rumours“, sowie dem Song, den nur perverse alte Männer schreiben können – „Zoom the Broom.“ Oimel verzehrte während des ganzen Auftritts ein Bier nach dem Anderen. Das erinnerte ein wenig an meinen Redaktionskollegen Vince, der ebenfalls wieder einen feuchtfröhlichen Abend hingelegt hatte. Sorry Kumpel, der musste sein. 😉 In „415 DV“ übernahm Henny den kompletten Gesang und der bis dato fetteste „Motörhead Klon“ Song „Damn Right“ wurde schon vom Publikum angestimmt, bevor Oimel diesen überhaupt angekündigt hatte. Das Ding rockte einfach Schweinegeil und was Henny Wolter an der Gitarre hinlegte, war ebenfalls ein echter Hörgenuss. „Rancid Rock“ und „Lypsinch Stars“ waren die nächsten Songs, während „Lypsinch Stars“ wieder komplett von Henny gesungen und geschreddert, sowie durch ein Drumsolo von Klausi Sperling begleitet wurde. Dieser trommelte letztendlich nur noch auf einer Bierflasche und kam dann nach vorn.

 

„Die Nitrogods haben zwar kein Playback mitgebracht, aber wir haben für euch an der Bierflasche Klausi Sperling.“ Geiler Scheiß. „Klausi spielt eine verdammt menschliche Bierflasche…“, Henny hatte hier so einige lustige One Liner parat, die sich auch durch den ganzen Auftritt ziehen sollten. Während also das Drumsolo auf ein Bierflaschen Solo switchte und die Drei ein bisschen Quatsch auf der Bühne fabrizierten, ging es schließlich wieder in „Lypsinch Stars“ über, wo sich Henny noch so manch ein geiles Solo aus dem Ärmel schüttelte.
Weiter ging es mit dem Kracher vom „Roadkill BBQ“ Album „Boogeyman“, der Live auch richtig gewummert hat. Nun kam eine Reihe an neuer Songs zum tragen. Beginnend mit „It’s Not Your R’N’R“, indem Oimel zurecht erklärte, das der Begriff „Das, jenes, welches, alles rockt“ heutzutage als Hipster Wort verunglimpft wird. Madonna rockt nicht, die pop’t, war nur eines vieler Beispiele. Und leider ist es mittlerweile wirklich so, das alles und jedes rockt, doch das was eigentlich rockt, davon haben die Kiddies letztendlich durch die allgemeine Charts Verblödung ohnehin keine Ahnung. „Blind As A Stone“, „Get Lost“ und „The Haze“ waren die nächsten Songs, die wieder eine gelungene Mischung von Vollgas und Bluesrock mitsich trugen. Der Entspurt wurde mit „Whiskey Wonderland“ und „Wasted in Berlin“ schließlich perfekt gemacht. Was eine geile Show! Die Rufe nach einer weiteren Zugabe ließen sich garnicht verstummen und so taten „Nitrogods“ das, was sie immer tun. Ihren Idolen Tribut zollen und zum Abschluss als Zugabe noch „Overkill“ und „Ace of Spades“ von „Motörhead“ spielen. Leider explodierte hier auch mal wieder das Moshpit, so das man mehrmals ungewollt hin und her geschleudert wurde. Mir ist fast das Handy durch den ganzen Saal geflogen, Sari wurde gegen die Wand gestoßen und meiner Einer flog auch einmal in andere Leute hinein. Ich bleibe dabei: Pogotänzer sind zum Kotzen! Wenn es unbedingt sein muss, dann macht es, ohne andere Leute zu schubsen, die sich dem Quatsch nicht anschließen. Ich habe ja wirklich nichts gegen Pogo. Kann jeder machen, der daran Spaß hat und es gehört ja auch irgendwo dazu, aber sobald unbeteiligte dabei mit rumgeschubst werden, die nicht rumgeschubst werden wollen, oder ggf. sogar ein Schaden entsteht, hört der Spaß auf. Zum Glück blieb es bei nur ein paar blauen Flecken, aber meine Kollegin Sari fand das garnicht mehr lustig und ich war auch schon kurz davor den Nächsten in den blanken Ellenbogen laufen zu lassen. Hört einfach mit diesem Scheiß auf oder achtet wenigstens auf eure Mitmenschen! Das man immer wieder verbal mitgeschubst wird, kann es einfach nicht sein. Das mag sich Spießerhaft anhören, aber wer nicht Pogo tanzen will und sich nicht im Moshpit aufhält, der will auch nicht geschubst werden. Punkt.

Unabhänig vom diesem kleinen Ärgernis hatten wir Drei wieder einen lauten Abend, mit einer großartigen Live Band. „Nitrogods“ sind auch auf der Bühne eine absolute Wucht und es hat unheimlich Spaß gemacht, zuzuschauen. Ich hoffe die Jungs kommen beim nächsten mal auch wieder nach Bochum, denn das Helvete in Oberhausen schreit jetzt nicht unbedingt nach einer Wiederholung. Zwar ist der Club optisch nett, aber die Belüftung im Konzertsaal schon arg verwerflich. Zwar ist die Matrix Röhre in Bochum da auch nicht sonderlich besser, doch immerhin ist die Anreise kürzer und letztendlich bevorzuge ich dort ohnehin den Rockpalast. Lange Rede, kurzer Sinn, Klasse Konzert, Klasse Band, „Nitrogods“ – gerne wieder.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.