Phil Campbell – Old Lions Still Roar

Der ehemalige „Motörhead“ Gitarrist hatte dieses Solo Projekt ja schon vor Urzeiten angekündigt, doch als „Old Lions Still Roar“ nun endlich mal Realität wurde, bleibt nach ausgiebiger Hörprobe eher ein Durchwachsener Beigeschmack übrig. Man könnte hier natürlich aufgrund der vielen Gastmusiker und Sänger einiges erwarten. Man könnte aber auch auf die übliche Klausel „Viele Köche verderben den Brei“ beharren. Fakt ist jedenfalls das beide Varianten nicht so ganz zutreffend sind. Der größte Teil der Instrumente wurde nämlich von den Bastard Sons besetzt, so ist es auch kein Wunder, das die Riffs nach einem typischen „Age of Absurdity“ Flair klingen. Lediglich die Sänger und der Eine oder Andere Gitarrist kommen hier zusätzlich zum Einsatz. So ist zwar auch nicht alles Gold was glänzt, doch „Old Lions Still Roar“ hat durchaus seine Highlights an Bord.

Dennoch hat man zunächst bei Beginn den Anschein, im falschen Film zu sein. Der Opener?! „Rocking“ Chair“ fällt man ziemlich vom Glauben ab. Eine ruhige Arkustik Rock Ballade, die zwar Handwerklich gut gemacht, aber als Anheizer völlig fehl am Platz ist. Diese Art Song hätte man gewöhnlich an Dritter, Vierter oder späterer Stelle auf ein Album gepackt. So erscheint die Positionierung allein schon ziemlich fraglich. Das anschließende „Straight Up“ mit „Judas Priest“ Sänger Rob Halford hingegen klingt ordentlich. Knackige Riffs, ein schönes Klangbild und wäre als Opener definitiv die bessere Wahl gewesen. Das wuchtige „Faith in Fire“ mit Ben Ward scheppert gewaltig über die Boxenteller und bringt 100% Headbang Garantie mit. Auch die groovige Alice Cooper Nummer „Swing It“ rockt im typischen Phil Campbell Gewand. Das macht Spaß! Eines der großen Highlights ist aber das Stück mit Nev MacDonalds am Mikrofon. „Left for Dead“ kommt als klassische Rock Ballade mit 80er Jahre Attitüde daher und die wahnsinnig gute Stimme MacDonalds, tut dabei ihr übriges. „Walk the Talk“ hingegen bietet zwar ein fettes Riffing, doch dem Song mit Nick Oliveri fehlt es letztendlich an Nachhaltigkeit. Besser gelingt es dem ehemaligen „Twisted Sister“ Frontmann Dee Snider im Duett mit „Mötley Crüe’s“ Saitenhexer Mick Mars in „These Old Boots.“ Der Song, welcher als erste Single vorab veröffentlicht wurde, ist zugleich auch mit Abstand der beste Song auf „Old Lions Still Roar.“ Das Ding fetzt einfach riesig. Ich liebe diesen Song. 5 Minuten geballte Power die so richtig ins Gebälk drücken. Im Grunge-getränkten „Dancing Dogs“ mit „Ugly Kid Joe’s“ Whitfield Crane geht es auch nicht gerade zimperlich zur Sache. Auch dieser Song kann auf seine Art überzeugen. Dafür wirkt der Piano Soul Langweiler „Dead Roses“ mit Benji Webbe wieder völlig fehl am Platz. Den zweiten Aussetzer dieser Art, hätte man sich durchaus sparen können. Als Rausschmeißer hat man dann noch ein instrumentales Stück das von Gitarren Virtuose „Joe Satriani“ unterstützt wird. „Tears from a Glass Eye“ klingt zwar entspannend, ruhig und ganz im Satriani Stil, passt mir aber auch irgendwo nicht ins Bild. Sonderlich spektakulär ist der Song eh nicht.

Unterm Strich hätte „Old Lions Still Roar“ auch durchaus als zweites Bastard Sons Album durchgehen können, wären die einzelnen Songs lediglich von Neil Starr gesungen worden. Da die Söhne von Phil hier den größten Teil der Musik ausmachen, was auch deutlich hörbar ist, kann man eigentlich nichtmal von einem wirklichen Solo Album Phil’s sprechen. Viel mehr ist es ein Phil Campbell feat. The Bastard Sons and All Stars Gemisch, aber das kann jeder sehen wie er will. Mit 6 guten Songs und 4 Ausfällen, fällt „Old Lions Still Roar“ immerhin als leicht überwiegend positives Werk aus und Fans vom „Age of Absurdity“ Album, können hier definitiv eine indirekte, wenn auch nicht offizielle Fortsetzung erwarten.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.