The Darkness – Easter is Cancelled

Von „The Darkness“ sind wir ja durchweg souveräne Rock’n’Roll Kost gewohnt, doch auf ihrem neuen Album „Easter is Cancelled“ machen auch die Briten einen allgemein beliebten Fehler, nämlich jener, sich in die Experimentierfalle zu begeben, was letztendlich kein Mensch von seiner Band hören will. Was die Gebrüder Hawkins und co. auf diesem Werk hier abliefern, ist oftmals nur hart an der Schmerzgrenze zu ertragen. Mit dem sonst üblichen Hard / Glam Rock der Band, hat „Easter is Cancelled“ nur wenig bis garnichts mehr zu tun. Wo an anderen Stellen das Album wieder einmal massig und absolut unverständlich über den Klee gelobt wird, zeigen wir von Radio Rock, was wirklich hinter diesem, wenn höchstens gewöhnungsbedürftigen Album steckt.

Beginnend mit „Rock and Roll Deserves to Die“ geben „The Darkness“ ihren Fans nichtmal einwenig Zeit, sich an die schrägen Songs zu gewöhnen. Ganz im Gegenteil. Sie starten direkt voll durch. So entpuppt sich der Opener als eine Halb Ballade – Halb Hardrock Nummer, welche klingt, als hätte man die schlimmsten „Queen“ Album Songs aus den 70er Jahren wieder aufleben lassen. Was die Briten im Opener versäumten, holen sie im Anschluss wenigstens nach. „How Can I Lose your Love“ geht in Ordnung. Hier handelt es sich ausnahmsweise um einen typischen Song der Band, von denen wir allerdings nicht viele auf dem Album finden werden. Zunächst geht es aber in typischen Gefilden weiter. „Live ‚Til I Die“ macht als Glam Rock Scheibe dabei sogar die beste Figur und die Rock Ballade „Heart Explodes“ hätte sogar von Debüt „Permission to Land“ stammen können. Das war es dann aber auch schon wieder vom klassischen Stoff. Mit „Deck Chair“ kehrt der Blödsinn zurück. Hier gebiebt man sich tatsächlich auf eine Art Broadway Gejammer und auch der rockigste Song des Albums, der auch zugleich den Titeltrack darstellt, ist so ziemlich unter aller Kanone. In „Easter is Cancelled“ jammert sich Justin Hawkins derart hohe Töne aus dem Leib, wie wahrscheinlich noch nie zuvor und wirklich klangvoll ist zu den harten Riffs ist das ganze nicht. „Heavy Metal Lover“ verspricht zumindest im Titel mehr, als letztendlich dabei heraus kam. Diese Halb Balladen – Halb Hardrock Schiene scheint sich über das komplette Album zu ziehen und macht alleine deswegen schon kaum Spaß. Der Song ansich ist auch sehr fragwürdig und weiß nicht wirklich zu gefallen. Mit „In Another Life“ kommt dann tatsächlich noch einmal etwas klassisches herüber. Vielleicht sogar der typischeste „Darkness“ Song auf „Easter is Cancelled.“ „Choke on It“ bleibt strange und die Ballade „We Are the Guitar Men“ passt auch einfach vorne und hinten nicht zusammen.

„Easter is Cancelled“ ist ein merkwürdiges, negativ experimentelles Album, auf dem nur 4 Songs wirklich in Ordnung gehen und denen muss man letztendlich noch ankreiden, das überall das typische Tempo fehlt. Das Album ächzt nur so von Halbballadesken Hardrockern an allen Ecken und Kanten und einer wild zusammen gemixten, Song Verschandelung, die von wilden „Queen“ Verbrechen, bishin in die aktuelle Zeit verstreckten Nonsinns reichen. Das soll natürlich kein schlechtes Licht auf „Queen“ werfen, aber jeder weiß auch, was die Mannen in den 70er Jahren an schrilles Zeug auf ihren ersten Alben verbrochen haben. Ähnlich scheinen es „The Darkness“ auf ihrem aktuellen Album vollzogen zu haben. Nun, es kann ja immer mal ein Album daneben gehen, doch vermögen die neuesten Aussagen von Justin Hawkins direkte Kopfschmerzen zu bereiten. Dort heißt es, das „Easter is Cancelled“ das letzte traditionelle Album von „The Darkness“ sein soll. Die Aussage ist schon mal alleine deswegen grotesk, weil „Easter is Cancelled“ alles andere, aber ganz sicher kein typisch traditionelles „The Darkness“ Album darstellt. Und schließlich das Letzte seiner Art? Müssen wir uns also zukünftig auf noch schrilleres Zeug einstellen? In dem Fall war „Easter is Cancelled“ wohl die Brücke zur neuen Ära. Mit beidem hat sich die Band keinen Gefallen getan und wäre gut daran beraten, schleunigst zum alten Stil zurück zu kehren. Man weiß zwar nicht was noch so kommt und die Aussagen könnten alles mögliche bedeuten, doch voraussichtlich haben sich die Briten mit diesem Album schon ihren eigenen Grabstein gesetzt. Hoffen wir also das Beste, das sich diese Band musikalisch nicht selbst zerstört. Es wäre verdammt schade drum.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.