Dragonforce – Extreme Power Metal

Sie sind die schnellste Band der Welt. An der Lead Gitarre steht der vermutlich schnellste Gitarrist der Welt und sie schreddern mit 250 Beats pro Minute – völlig irre! Herman Li und seine „Dragonforce“ von der Insel gehören zweifelsfrei zur Elite des Power Metal Sektors und melden sich in diesen Tagen mit einem neuen Longplayer zurück. Trotz großartiger Hits bekam das im Vorfeld heiß begehrte Album, allerdings auch einige Dämpfer, nachdem man dieses über den Plattenteller hat laufen lassen. „Dragonforce“ befinden sich seit Jahren in einer sogenannten „Experimentierfalle“, aus der sie scheinbar momentan auch nicht herauswollen und teilweise mehr Verschlimmbessern, als damit zu überzeugen. Fairerweise muss man aber auch zugeben, das die Briten ihre Experimente weiterhin Dezent halten und nicht zur Übertreibung neigen. So kann man ihnen einige Fehltritte durchaus verzeihen, die unter diesem Banner teilweise entstehen. Auch das neue Album „Extreme Power Metal“ ist wieder einmal nicht frei von solchen Dingen, weiß aber zum Größtenteil wirklich großartig zu überzeugen.

Mit dem Opener „Highway to Oblivion“ ist die Welt gleich wieder in Ordnung, auch wenn man der quitschbunten Optik aus dem Musikvideo und der Nintendo Gedudel Attitüde, aus der die Band auch keinen Hehl macht, mit einem Augenzwinkern begegnen muss. „Cosmic Power of the Infinite Shred Machine“ steht dem kaum nach und zugleich schraubt Sänger Marc Hudson seine Stimme in unfassbare hören, das selbst sein ehemaliger Vorgänger ZP Theart blass werden könnte. Die Midtempo Ballade „The Last Dragonborn“ erdet einwenig den Ultra Hochgeschwindigkeitsgetränkten Beginn der Platte und geht melodisch auch vollkommen in Ordnung. „Troopers of the Stars“ hingegen ist wieder ganz großer Gitarrensport mit wilden Sologefrickel, das ohnehin nicht von dieser Welt stammt. 1A „Dragonforce“ Charakter und zugleich auch der beste Song auf „Extreme Power Metal.“ „Razorblade Meltdown“ und „In A Skyforged Dream“ kommen neben dem üblichen Gefrickel auch noch mit ordentlich Blast Beats daher und über die außerirdischen Herman Li Solos brauchen wir ohnehin nicht mehr sprechen. Außerdem beweisen die Briten noch eine ordentliche Portion Humor und schießen mit dem „Celine Dion“ High Speed Power Metal Cover „My Heart Will Go On“ eindeutig den Vogel ab. Diese eklig absolut nervtötende Titanic Soundtrack Bordmucke der 90er Jahre, hat mir damals schon vor über 20 Jahren den letzten Nerv geraubt. Und genau das Ding covern die Briten jetzt mit einer deratigen Flapsigkeit, das dieser Müll tatsächlich einen Heidenspaß macht. Absoluter Schwachsinn, aber auch absolut großartig. Leider verirren sich Herman Li und co aber auch immer wieder mal in andere Gefilde, die mit „Dragonforce“ recht wenig zu tun haben. „Heart Demolition“ ist ansich nicht schlecht, verkommt aber zur totalen Stadion Hymne eines Melodic Metal Abenteuers. Ebenso ist „Strangers“, sowie das extrem kitschige „Remembrance Day“ völlig fehl am Platz, doch diese Drei Ausrutscher können wir der Band getrost verzeihen.

Unterm Strich machen „Dragonforce“ dort weiter, wo sie aufgehört haben. Großartiger Power Metal der schneller einfach nicht mehr sein könnte. Lediglich die kleinen Experimente muss man der Band anprangern und ggf. auch nachsehen, solange sie weiterhin derart dezent bleiben.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.