Black Star Riders – Another State Of Grace

Scott Gorham ist „Thin Lizzy’s“ letztes verbliebendes Original Mitglied, der mit neuen Musikern umsich gescharrt, das Phil Lynott Erbe am Leben erhält. Auch heute treten „Thin Lizzy“ immer wieder nochmal für spezielle Shows auf, doch als man sich irgendwann zu Anfang des Jahrzehnts dazu entschloss, neue Alben aufzunehmen, formierte man die Band um. Aus Respekt vor Phil Lynott, sollten neue Songs nicht mehr unter dem Banner von „Thin Lizzy“ entstehen. Stattdessen fährt die Band zweigleisig und tritt seitdem hauptsächlich unter dem Namen „Black Star Riders“ auf. Seither sind 4 Studioalben unter dem neuen Projekt entstanden und selbstredent hat die Musik der Riders meist wenig mit der Seele von „Thin Lizzy“ zu tun. Das führte auch dazu, das mich die Band bisher nur wenig überzeugen konnte, doch diesmal scheinen sie es mit ihrem neuen Werk „Another State Of Grace“ geschafft oder gewollt zu haben, sich der alten Klasse anzunähern. Das Album erntet überall überragende Kritiken, die wir hier nicht so ganz teilen können. Natürlich atmet die Scheibe einfach überall den Geist von Phil Lynott und Sänger Ricky Warwick klingt zudem auch noch wie eine 1:1 Kopie. Und obwohl man mit den Riders nie so wirklich an Lizzy anknüpfen wollte, scheint dies nun mehr denje zu sein. Dennoch muss man eingestehen, das „Another State of Grace“ auch lediglich einen Spagat von den Riders zu Lizzy darstellt. Wir haben hier weder das Eine, noch das Andere, sondern lediglich ein Gemisch aus Beidem und das lässt alte „Thin Lizzy“ Fans wie mich weiterhin etwas kalt, obwohl der deutlich starke Beginn des Albums erst etwas anderes verspricht.

Bereits beim Opener „Tonight the Moonlight Let Me Down“ hat man direkt das Gefühl, das Old Phil aus seinem Sarg gesprungen ist und sich wieder den Bass umgehängt hat. Eine Klasse Scheibe, die von der schon lange bekannten Single und zugleich dem Titeltrack „Another State Of Grace“ getoppt wird. Dieser wuchtige Song mit irrischen Anleihen spiegelt die „Thin Lizzy“ DNA wahrscheinlich besser dar, als alles andere und lässt die Vermutung zu, das die alte Lizzy, wenn Phil Lynott noch leben würde, heutzugage genauso klingen würde. Großartig! Auch „Ain’t the End of the World“ ist einfach unglaublich stark. Das Lynott hier nicht mitgewirkt hat, kann man sich eigentlich garnicht vorstellen, wenn man nicht wüsste, das der Kopf der Band schon in den 80ern verstorben ist. An dieser Stelle sei nochmal erwähnt, das Ricky Warwick wirklich ein Klasse Nachfolger, oder besser gesagt, ein Klon der Rock’n’Roll Legende ist, die es so sicherlich kein zweites mal gibt. Doch leider war es das dann auch schon mit dem Hype. Der Rest des Albums ist eben wieder so typisch „Black Star Riders“, zwar wohl auch gewollt, aber wenig überzeugend. „Underneath the Afterglow“ ist zwar wuchtig, kommt aber nicht über den Status eines üblichen Album Tracks hinaus. Über „Standing in the Line of Fire“ und „In the Shadow of the War Machine“ lässt sich letztendlich das Gleiche behaupten. Auch „Soldier in the Ghetto“ stinkt gegen den starken Beginn des Albums ziemlich ab, geht aber insgesamt in Ordnung. Die Rockballaden „Why Do You Love Your Guns“ und „What Will it Take“ bringen zwar wieder einwenig Licht ins Dunkel, können aber nicht mehr viel retten. Schließlich bringt auch der Schlusspunkt „Poisoned Heart“ keine schwungvolle Veränderung.

Unterm Strich ist „Another State of Grace“ leider wieder nur reine Durchschnittskost, die lediglich 3 wahnsinnig gute Songs im alten Thin Lizzy Gewand zu bieten hat. Jene beweisen jedoch, das die Band es definitiv noch kann. Warum man also dort nicht anknüpft und konstant so ein langweiliges Riders Geschrappel abliefert, will mir nicht wirklich klar werden. Die ersten Singles hatten viel versprochen, dabei handelte es sich aber eben auch um genau jene 3, die das Album mit dem belanglosen Rest gerade noch auf den Durchschnitt anheben. Warum wohl?! Insgesamt wurde einfach wieder zuviel Erwartung geschührt, hinter der einfach zuwenig steckt. Schade!

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.