Equilibrium – Renegades

Wenn Experimente oder sogenannte Weiterentwicklungen deutlich in die Hose gehen…. Einerseits hatte ich mich auf das neue Werk von „Equilibrium“ (meine Lieblings Epic & Folk Metal Band) gefreut. Andererseits hat die Truppe von René Berthiaume bereits schon 2016 auf dem Vorgänger Album „Armageddon“ eine neue musikalische Ausrichtung angenommen, die zunehmender gewöhnungsbedürftig erscheint. Von einem Qualitätsabfall kann sicherlich keine Rede sein, die Band spielt nach wie vor auf ganz hohem Niveau. Allerdings tue ich mich mit dieser Weiterentwicklung doch deutlich schwerer als vielleicht manch anderer. Mit den modernen Elementen hat man es meiner Meinung nach mehr als deutlich übertrieben. Im Großen und Ganzen erkennt man die Band überhaupt nicht mehr wieder.

Während man noch mit dem richtig starken Opener und Titeltrack „Renegades – A Lost Generation“ (wieder mal ein melodischer Headbanger allererster Güte) durchweg die alten Fans bedient, wirkt der Rest einfach zu modern und befremdlich. Bereits in „Tornado“ bekommt man plötzlich Klargesang geboten. Ein Faktor den es bei „Equilibrium“ bis dato nie gegeben hat. Insgesamt hat der Song nur noch wenig vom alten Sound zu bieten und so geht es leider auch locker weiter. „Moonlight“, „Rise of the Phoenix“, „Kawaakari – The Periphery of the Mind“ und „Path of Destiny“, wirken aus den gleichen Gründen ebenso deplaziert und letztgenannter wartet zu allem Überfluss auch noch mit einer Rap Einlage im Mittelteil auf. Und dann noch das blamable „Hooters“ Cover „Johnny B?“ Im ernst??? Mir fehlen echt die Worte. Annehmbar hingegen sind „Himmel und Feuer“ oder „Hype Train“, auch wenn hier die Keyboards immer mehr zu dominieren scheinen und natürlich das episch Berserkerhafte „Final Tear“, das nochmal zumindest versucht, an ältere Tage ankzuknüpfen.

Würde ein anderer Bandname dahinter stehen, käme „Renegades“ sicherlich besser weg, aber als „Equilibrium“ kommt es schon nahezu einem Etikettenschwindel gleich. Alles was die Band die einmal ausgemacht hat, scheint abgesehen vom Titeltrack, völlig verschwunden zu sein. Dieses Album ist eine komplette Neuausrichtung, die mir einfach garnicht schmeckt. Wo „Equilibrium“ drauf steht, gehört auch „Equilibrium“ rein und das ist hier zu 99% nicht der Fall. Ein Klasse Song und 3 annehmbare, die man aber genauso wenig unter das alte Banner hängen kann. „Renegades“ ist gewagt und wird alte Fans nicht überzeugen. Bleibt nur zu hoffen, das die Band wieder zu ihren Ursprüngen zurück findet, ansonsten bin ich leider raus.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.