Axel Rudi Pell – XXX Anniversary Live Tour – Zeche Bochum 14.02.2019

30 Jahre Axel! Die Jubiläumsshow für den kontinuierlichen Erfolg des Bochumer Ausnahmegitarristen führte über die Republik bis nach Schweden, Russland und der Schweiz. Pflichttermin für die Radio Rock Crew war selbstverständlich das Axel Heimspiel in Bochum. Die Zeche – wie immer ausverkauft – ist ein Paradebeispiel dafür, was Axel Rudi Pell in seiner langen Laufbahn bereits geleistet hat. Aber auch die meisten anderen Locations bleiben bei einer ARP Show nur selten auf den Karten sitzen. Wer nicht direkt zuschlägt, hat das nachsehen. Und obwohl die Setlist, sich nur geringfügig im Vergleich zum letzten Jahr (für meinen persönlichen Geschmack einwenig negativ) geändert hat, bleibt jeder Gig vom Guitar Wizard ein echtes Erlebnis. Insgesamt wurden nach der „Knights Call“ Tour, lediglich 5 Songs rausgeworfen. Zum einen das schon seit Jahrzehnten genudelte „Fool Fool“, auf das ich ohnehin verzichten konnte. Dann „The Edge of the World“ und das instrumentale „Truth and Lies.“ Beides muss nicht unbedingt drin sein, aber war es echt nötig „Warrior“ und „Carousel“ zu streichen? Besonders letzterer wurde ja – abgesehen von der letzten Tour, schon lange nicht mehr gespielt. Stattdessen kamen „Voodoo Nights“, „Halleluja“, „Temple of the King“ und „Eternal Prisoner“ dazu und bis auf Erstgenannten, hätte man gut auf den Rest verzichten können. Wie dem auch sei, trotz der geringen Kritik an den Änderungen der Setlist, war die Anniversary Show dennoch insgesamt noch deutlich stärker als bei „Knights Call“ im letzten Jahr. Das lag vorallem daran, das sich Axel und co. richtig verausgabt haben, doch später dazu mehr.

Das Konzert begann relativ früh am Freitag Abend. Bereits 18:00 Uhr war Einlass, damit es um 19:00 Uhr direkt mit dem Support Act losgehen konnte. Sari, Vince und meine Wenigkeit waren ziemlich pünktlich, kurz vor Öffnung der Türen vor Ort und konnten uns in eine lange Schlange einreihen, die sich schon gebildet hatte, obwohl noch längst nicht alle da waren, dem Parkplatz nach zu urteilen. Der Einlass verlief allerdings zügiger denje und Ruckzuck waren wir drin, um uns noch einen Platz, direkt vor der Bühne sichern zu können. Einzelnt ging es dann (stets mit Hütern des besten Platzes) zum Merchandising. Dort wurde 3x das Tour Shirt eingesackt und für mich gab es zusätzlich noch eine ARP Tasse mit dem Game of Sins Logo – es war die letzte ihrer Art. Glück gehabt. 😉 Das warten war lang und ohnehin schon sehr warme Zeche, heizte sich weiter und weiter auf, je voller es wurde. Das wirkte sich natürlich auch auf die Getränke aus, denn wie schon bei Kiss, musste viel getrunken werden. Allerdings in weit günstigeren Gefilden und ohne Kreislaufbeschwerden, schließlich knallte diesmal keine Sonne direkt auf dem Helm. Zumindest wurde das lange Warten damit verkürzt, das sich schon fast alle Musiker vorab herum getrieben haben. Ferdy und Johnny liefen zwischendurch auf der Bühne herum und auch Axel himself drehte eine Runde über den Balkon.

Praying Mantis

Kurz nach 19:00 Uhr begannen „Praying Mantis.“ Eine Band, die in den frühen 80ern mit NWOBHM angefangen haben und sich heute mehr im AOR Sektor bewegen. Die Briten spielten etwa eine 50 Minuten Show mit 9 Songs, die sich durchaus hören ließen. Mir war die Kapelle bisher nur vom Namen her geläufig, allerdings werde ich mich ab jetzt auch mal mehr mit den Jungs befassen. Die Setlist bestand aus einem bunten Mix durch die komplette Discography der „Gottesanbeterin.“ Los ging es mit „Captured City“ und „Panic in the Streets.“ Das Publikum war allerdings bis dato noch ziemlich steif. Erst ab der selbstbetitelten Hymne „Praying Mantis“, hatten die Briten die Menge für sich gewonnen. Es wurde deutlich lauter und die Stimmung besser. „Highway“ und „Keep it Alive“ hatten dann endlich das Eis gebrochen. Es ist natürlich als Support immer schwierig, wenn im Publikum wahrscheinlich zu 99% nicht die eigenen Fans zu verzeichnen sind. Derartiges „Eis brechen“ erlebt man auf so ziemlich jedem Konzert. Weiter ging es mit dem Melodic Kracher „Letting Go“, der Ballade „Dream On“ und „Time Slipping Away.“ Den Abschluss bestritten sie mit „Children of the Earth“ und waren anschließend noch am Merch für Autogramme zu finden. Das war allerdings weniger interessant für uns, dennoch hat die Band einen guten Eindruck hinterlassen und gute Support Acts haben wir ja auch schon so einige bisher erlebt.

Axel Rudi Pell

Der Umbau verlief zügig, weil hier eine ganze Hand voll Roadies angepackt haben, dennoch ließen sich Axel und Kapelle dafür deutlich Zeit. Es wurde wärmer und unangenehmer, also nochmal genug Zeit, ordentlich Flüssigkeit zu tanken. Gegen 20:15 Uhr war es dann endlich so weit. Die Overtüre dudelte vom Band und Bobby Rodinelli hatte auch schon hinter der Schießbude platz genommen. Zweiter war Ferdy Doernberg am Keyboard, gefolgt von Volker Krawczak am Bass. Nachdem das Intro gelaufen war, kam unter lautem Jubel, Axel himself aus den Katakomben und verneigte sich nochmal, um gleich darauf den Opener „The Wild and the Young“ anzuschreddern. Last but not least kam der wahrscheinlich bester Sänger aller Zeiten, Johnny Gioeli auf die Bühne gestürmt und legte wie gewohnt stürmisch los. Doch nicht nur Johnny war völlig überdreht, auch Axel selbst ging diesmal richtig ab. Im letzten Jahr hatte ich noch bemängelt, das der eigentliche Star der Band fast ausschließlich immer nur auf einem Fleck verhaarte. Diesmal war alles anders. Axel, der noch in diesem Monat seine 60 erreicht, war frischer und beweglicher denje. Die Harmonie zwischen ihm und Jonny auf der Bühne war regelrecht großartig und machte noch wesentlich mehr Spaß als sonst. Der Anfang war allein schon furios. Es folgten „Wildest Dreams“ und „Voodoo Nights“ im Anschluss und Axel spielte in bester 80er Jahre Tradition die Solos immer direkt mittig vor dem Publikum. Johnny witzelte und alberte herum wie gewöhnlich. Seine zwischenzeitlichen Storys sind immer wieder zum schmunzeln. In „Oceans of Time“ und „Halleluja“ bewies der Italo-Amerikaner erneut seine unglaubliche Stimme, obwohl ich bei letztgenannten Song eigentlich eher den Skip Button am heimischen Player drücken würde. Der Song war wirklich überflüssig. Weiter ging es mit „Only the Strong will Survive“ und „Mystica“, inklusive DEM Highlight des Abends. Axel kam von der Bühne herunter und schredderte das Mystica Solo direkt vor uns am Geländer. Dort lief er spielend auf und ab und gab zwischenzeitlich jedem einen Handshake, welcher direkt vorne am Geländer stand, oder dessen Arme lang genug waren. Kurzum, Sari und Ich hatten das Glück, Vince war das saufen wichtiger. 😉 Absolut beeindruckend mit welcher Leichtigkeit der Mann da ein Solo (definitiv nicht von dieser Welt!) hinlegt und immer wieder die Zeit dabei findet, die Leute einzelnt abzuklatschen. Insgesamt eine Hammergeile Aktion. Es folgte das Rainbow Cover „The Temple of the King“, sowie das Medley „Game of Sins / Tower of Babylon.“ An das orientalische Gedudel werde ich mich nie gewöhnen, aber „Game of Sins“ fetzt wenigstens und gehört definitiv zu den Highlights der letzten Jahre. „Long Live Rock“ – DER Song des letzten Albums, ging wieder richtig ab und Johnny schwitze Buchstäblich wie ein Schwein. Nach dem Song wrang er sein Shirt auf der Bühne aus, als wäre er mal eben Schwimmen gewesen. Schon Krass dieser Flüssigkeitsverlust. Er nahm es wie immer mit Humor und zeigte an „All for You“ – Alles für euch. Mit der Ballade „The Line“ und dem 90er Jeff Scott Soto Einstieg „Eternal Prisoner“ ging es in die Endphase. Die Rausschmeißer waren das gängige Medley „The Masquerade Ball / Casbah“ und der Abschluss Song „Rock the Nation.“ In der Zeile „The Lights turnt off…“ verstummte alles plötzlich und das Licht ging kurz aus. Überraschungseffekt – das hatten sie im letzten Jahr nicht gebracht, aber Johnny ist immer wieder bekannt dafür, seine Gags auf der Bühne zu fabrizieren, was ihn selbst auch unheimlich sympathisch macht. Die Aktion hat jedenfalls gesessen und die Show ging schließlich mit dem wohl mMn besten ARP Song zu Ende. „We are the Wild Creation, we are rock this town. We are rock the nation, shout it out loud!“ Ein Knaller. Es war der erste Song, den ich von Axel überhaupt, vor 13 – 14 Jahren auf Rockantenne gehört hatte und seitdem zum Fan wurde. Und diesen spielen sie seit dieser Zeit immer wieder zum Schluss. Fantastisch.

Es war ein warmer aber spektakulärer Abend in der Zeche, die aufgrund des sommerlichen Wetters, zum Brutkasten mit Treibhauseffekt wurde. Dennoch lohnt sich eine ARP Show immer wieder und diese hier war etwas ganz besonderes. Enorm lebhaft, mit einigen Highlights. Über den musikalischen Part brauchen wir nicht sprechen. Alle Musiker sind außergewöhnlich gut und das ein ARP Konzert immer ein Erlebnis ist, hatte ich schon zum Anfang hin erwähnt. Wir werden auf jeden Fall immer wieder hingehen. Also bis zum nächsten Jahr, denn nach der Show ist vor der Show. 😉

Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.