Kiss – The End of the Road World Tour – Stadion Essen 02.06.2019

Es war vermutlich der heißeste Tag des Jahres, nicht nur weil „The Hottest Band in the World“ im Ruhrgebiet waren, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes. Stolze 36° unter freiem Himmel und ein extrem anstrengender Abend in Essen. „Kiss“ drehen ihre letzte Runde. Die „The End of the Road“ Weldtournee ist der Schlussstrich einer weiteren Legende, die sich von den Bühnen dieser Welt verabschiedet. Daher war es schön, die teilweise auf 70 Jahren gealterten Recken, noch einmal Live erleben zu dürfen. Ich möchte mich an dieser Stelle auch noch einmal ganz herzlich bei meiner Kollegin und Nachbarin Sari Louvre bedanken, die das alles möglich gemacht hat. Front Stage bei „Kiss“ im Stadion, das hatte schon was.

Es war Sonntag der 02.06.2019. Abfahrt ca. 17:00 Uhr Richtung Essen. Die Fahrt verlief ziemlich zügig. In der Innenstadt von Essen sah man schon überall die „Kiss Army“ herumlaufen. Kiss Fans wohin das Auge reicht, alle pilgerten zum Stadion. Es war ein Event mit ca. 20.000 Besuchern. Der Konzert Parkplatz war sogar separat ausgeschildert und nicht zu übersehen. Allerdings nicht direkt am Stadion, denn das mickerige Ding hätte nicht mal 1000 Fahrzeuge untergebracht. Man muss auch bedenken, das Rot Weiß Essen in der 4.ten Liga kickt, dementsprechend ist das Stadion für jene Verhältnisse sogar noch „groß.“ Wie dem auch sei, offiziell wurde man auf dem Parkplatz vom Essener Autokino untergebracht, das etwas 500 – 700 Meter vom Stadion entfernt war. Die Parkgebühren bezogen sich auf stolze 7 Euro und die waren noch das Günstigste an einem sehr teuren Abend. Gemeinsam mit anderen Besuchern, ging es dann zu Fuß weiter. Auf dem Weg hatten immer wieder einige Getränkestände ihr Repertoire aufgebaut und ich persönlich merkte schon gleich, wie mir die Hitze zu schaffen machte. Da ich gesundheitlich eh nicht mehr auf der Höhe bin, war das auch kaum verwunderlich. Was tut man nicht alles für den Rock’n’Roll.

Am Stadion herrschte erst einmal wenig Übersicht. Es gab mehrere Eingänge, aber alle waren noch verschlossen. Keiner wusste so wirklich, wo man sich nun anstellen sollte. Selbst die Ordner die man fragte, hatten keine Ahnung. Soviel zur Organisierung! Also erstmal die Zeit genutzt und zum Merchandising Stand gelaufen. Jener war allerdings für viele ein Schlag ins Gesicht. 40 – 60 Euro für ein Band Shirt? Seid ihr noch zu retten??? Für das Geld kann ich Drei kleinere Konzerte besuchen und ebenso viele Shirts woanders bekommen. Echt der Knaller! Dementsprechend haben wir garnichts gekauft und um uns herum haben sich auch viele wieder motzend umgedreht. Solche Preise sind echt eine Frechheit. Nun denn, 18:30Uhr war mittlerweile längst durch und noch immer kein Einlass. Irgendwann kam dann mal ein Ordner mit Megafon daher und rief die Leute auf, sich entsprechend anzustellen. Endlich mal Organisation! Da standen wir also, in einer langen Schlange für den Innenraum. Die Sonne knallte und das warten erschien ewig. Noch nie haben wir so lange warten gebraucht, um endlich in eine Location zu kommen. Ich hatte mühe mich auf den Beinen zu halten. Der Kreislauf sprang bereits im Dreieck. Als wir endlich hinter den Stadion Gittern angelangt waren, bekamen wir noch Lila Armbändchen zum freien Bewegen innerhalb der Location und machten uns anschließend direkt auf, erstmal ordentlich Flüssigkeit zu tanken. Und jetzt die Preise: 5,50 für jedes 0,5L Getränk zzg. 2 Euro Pfand. 7,50- für einen Becher Cola/Wasser/Bier? Was stimmt mit euch nicht!? Aber es half ja alles nichts. Ich trank direkt erstmal einen ganzen Liter, der runter lief wie Öl, um wieder einigermaßen Fit zu werden. Dazu wurde auch gleich noch etwas gegessen. Pommes Rot Weiß mit einem Bacon Cheeseburger, schlappe 10 Euro?! D.h. 25 Euro war man schon direkt für Essen und Trinken los und fast das selbe habe ich später nochmal versoffen. Meine Kollegen Vince und Sari kamen aber auch kaum billiger weg. Was wir versoffen haben, war ein kleines vermögen, aber das ließ sich bei der Hitze einfach nicht vermeiden. Ca. 19:30 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zur Bühne. Der Front Stage Bereich war separat abgesperrt und auch insgesamt nicht so sonderlich voll. Wir hatten also keine Probleme mal den Standort zu wechseln, oder aus der Menge heraus zu gehen, um Getränke zu holen. Hier gab es übrigens noch ein weiteres, silbernes Armbändchen, damit man immer wieder in den Front Stage Bereich zurück kommt. Nun hieß es warten vor der Bühne. Eigentlich sollte es ja schon längst angefangen haben. Doch wer eine Vorband erwartet hatte, wurde enttäuscht. Da kam lediglich ein Alberto Rigotoni Trappatoni Matarazzi irgendwas auf die Bühne und malte Bilder!? Ja ihr habt richtig gelesen, da malte ein Künstler Live vor 20.000 Zuschauern in Rekordzeit Portraits von Ozzy, Steven Tyler und natürlich auch von Kiss. Alter, euer ernst?!

Wo es mir zwischendurch einigermaßen gut ging, knallte nun die Sonne wieder und setze mir ordentlich zu. Ich lief zu diesem Zeitpunkt ein letztes mal selbst zum Getränke Shop und holte nochmal einen Becher Cola um den Kreislauf wieder in Gang zu bringen. Auf dem Rückweg, kam so ziemlich die geilste Aktion des Tages. Ich selbst mit dem „Tanz nackt Tourshirt“ von Ohrenfeindt bewaffnet, wurde plötzlich von einem älteren Herren angesprochen. „Ist das geil, Oooohrenfeeindt. Warste auch in Balve? Alter ist das geil! Ich dachte was ist hier denn los? Lebt Bon Scott auf einmal wieder oder was? Ist das geil… komm wir machen ein Foto.“ HAHA, großartig! Da war jemand, der die Feindte bis 2017 noch garnicht kannte und diese zum ersten mal auf dem German Kultrock Festival in Balve gesehen hatte, auf dem ich selbst auch anwesend war. (Für die Akten: Ich selbst bin schon seit 2009 Fan des Vollgas Roggenrohls!) So kam man ins Gespräch, wie das auf Konzerten so üblich ist, nicht wahr Vince? 😉 Jedenfalls wollte der nette Herr beim nächsten Kultrock ein Bierchen mit mir trinken, wenn wir uns dort irgendwann mal wieder antreffen. Wenn die Feindte dort wieder spielen sollten, stehen die Chancen dafür ziemlich gut. 😉

Zurück zur Bühne. Hier war der Piccaso Verschnitt endlich fertig und verschwindibus. Alle warteten auf Kiss, die sich nochmal extrem Zeit ließen. Erst kurz vor 21:00 Uhr fiel der Vorhang und die Truppe legte endlich los. Unter der Standard Begrüßung von Gene Simmons („Alright Essen, you want the best, you got the best! The Hottest Band in the World: KISS“), wurde die Bühne gelüftet und „Detroit Rock City“ als Opener gespielt. Gene Simmons, Paul Stanley und Tommy Thayer wurden dabei Fahrstuhlartig auf großen Tellern, von oben herunter gefahren, als stiegen sie vom Himmel herab. Geile Aktion. Man muss schon sagen, das die Jungs es immer noch 1A drauf haben. Eine absolute Live Band, deren Alter man unter der Schminke auch nicht mal in entferntesten ansieht. Vorallem bei dem, wie die auf der Bühne noch abgehen, möchte man das Alter wirklich bestreiten. Weiter ging es mit „Shout it out Loud“, „Deuce“ und „Say Yeah.“ Es war dennoch nicht kühler geworden. Noch immer herrschte schwüle Luft und ich merkte abermals, meinen Kreislauf. Aber auch dem Vince ging es nicht mehr so gut und musste ebenfalls leicht in die Knie gehen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir auch schon fast 4 Stunden in der Sonne gestanden. Sari holte uns fortan die Getränke, denn ich selbst hätte es nicht nochmal bis dahin geschafft, ohne zu Boden zu gehen. Auch um uns herum hatten viele die gleichen Probleme und mussten sich auf den Boden setzen. Die Notärzte sah man häufiger mit Tragen anrücken. Die Hitze war einfach hart. Weiter ging es mit „I Love it Loud“, „Heaven’s on Fire“, „War Machine“ und „Lick it up.“ Langsam wurde es etwas kühler, da die Sonne nun weg war, aber dennoch blieb die Temperatur auf einem Pegel, der weiterhin für akute Kreislaufprobleme sorgte. Sari -> Getränke. Weiter ging es mit „Calling Dr. Love“, „100,000 Years“, „Cold Gin“ und „God of Thunder, wo Gene wie üblich beim Bass Solo seine Blutkapseln spuckte. „Psycho Circus“ und „Let me Go, Rock’n’Roll“ mit dem wahnsinns Solo von Tommy Thayer folgten. „Bei „Love Gun“ zog Paul Stanley seine übliche Seilbahn Nummer ab, in dem er sich von der Bühne aus, über das komplette Publikum auf eine kleine Plattform in der Mitte des Stadions rüber ziehen lies und dort den Song sang. Auch bei „I was made for loving you“ blieb Paul noch auf der Plattform und kam erst gegen Ende wieder zurück auf die Bühne. Ich hatte echt mit mir zu kämpfen, mich auf den Beinen zu halten. Sari holte noch einmal eine letzte Getränke Runde, damit wir nicht zusammen klappen, denn der Endspurt war langsam eingeleitet. „Black Diamond“ und das überflüssige, viel zu sehr gehypte „Beth“ waren die Folge. Beide Songs wurden und (letzterer erstmals) von Eric Singer gesungen. Das Finale bestand aus „Crazy Crazy Nights“ mit riesigen Kiss Luftballons, die man hat „regnen“ lassen, sowie dem typischen Abschluss „Rock and Roll all Nite“ und einem massiven Lamettafeuer. Was eine Show! Zwar hat sich die Setlist in den letzten Jahren fast garnicht mehr geändert, aber es war beeindruckend, die Band noch ein letztes mal Live gesehen zu haben, allen Umständen zum Trotz.

Grund zur Freude, das es nun endlich vorbei war, gab es nur wenig, denn wir mussten ja noch den ganzen Weg zum Auto zurück. Während Vince und ich uns nur noch mehr oder weniger schleppten, war Sari die einzig noch fitte Redakteuse. Als wir das Stadion verließen ging der Spaß aber erst richtig los. Wadenkrämpfe Nonstop, Halleluja. Wir konnten kaum laufen und mussten immer wieder stehen bleiben – Gelächter inklusive. Wenn man 6 Stunden in dünnen Turnschuhen steht und davon die meiste Zeit auf so kack Stahlblechen vor der Bühne, kann das schon mal vorkommen, das Vince und Bob Rock zum Auto humpeln. Das sah vielleicht ganz lustig und bescheuert aus, war aber ziemlich schmerzhaft. Auf dem Weg zurück, versorgten wir uns noch von den zahlreichen Geränkeständen an der Straße, mit kaltem Mineralwasser und waren schließlich froh, endlich im Auto zu sitzen. Zwar dauerte es noch ewig, bis man vom Parkplatz herunter kam, weil sich ja alles staute, aber die Hauptsache war, das man endlich sitzen konnte. Unsere Kühltruhe hatte glücklicherweise wirklich ganze Arbeit geleistet, der Hitze standgehalten und das Mineralwasser, das wir mitnahmen, einigermaßen Kühl gehalten. So konnte man im Auto auch nochmal ordentlich was trinken. Wieviel Liter von uns an diesem Abend versoffen wurden, lässt sich nur wage berechnen. Fakt ist, nichts davon kam unten wieder heraus. Alles ausgeschwitzt. Klingt komisch, ist aber so. 😉 Gegen 01:00 Uhr morgens waren dann schließlich alle wieder zuhause. Was ein heißer Trip, im wahrsten Sinne des Wortes und das anstrengenste Konzert, was wir bisher erlebt haben, aber wir wahren froh, dabei gewesen zu sein.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.