Sober Truth – Psychosis

Selten habe ich eine so abwechslungsreiche Band wie „Sober Truth“ aus Bonn gehört. Die Experimentierfreundlichkeit hat sich das Quartett quasi in den Stein gemeißelt. Das aktuell fünfte Album der Progressive Groove Metaller „Psychosis“ ist an Abwechslung eigentlich kaum zu überbieten. Nahezu jeder Song klingt wieder völlig anders. Klingt verrückt, ist aber komplett gelungen! „Psychosis“ ist eine wilde Mischung aus Progressive, Groove, Thrash, Death & Core und besitzt dementsprechend ordentlich Wumms, aber ebenso ausgefeilte Melodic. „Sober Truth“ ist eine Band die nicht einfach nur drauf drescht, da steckt schon gewaltig, ja sogar außerordentlich mehr Qualität dahinter. Die einzelnen Elemente und Genres so stimmungsvoll miteinander zu verbinden, ist schon verdammt großartig, um nicht zu sagen, eine Kunst für sich! Das komplette Album drückt mich vor Faszination immer wieder an die Wand.

Bereits der Eröffnungskracher „Solitude“ hat mich regelrecht zerstört. Core Riffing, Trash Drums & Solis und mächtige Growls. Was eine Granate! „Arkados“ erinnert vom Sound stark an diverse „Iced Earth“ Scheibchen, allerdings mit wesentlich mehr Blastbeats und einer Melodie die sich mit 1000 Umdrehungen pro Minute in den Schädel bohrt. Dann das düstere, basslastige „Dark Valley“, welches die Thrash & Core perfekt miteinander verbindet und das melodische „Riven“, welches mächtig in die Progressiv Metal Schiene drückt. Dazu einer gelungenen Prise Death. Passt! In „Horizon“ wird es sogar leicht Black Metal-lastig. Das weite Spektrum ist mittlerweile wirklich beeindruckend. Mit „Utopia“ kommt ein weiterer Prog & Thrash Deather daher und bei „Sober (re arranged)“ haben sie sogar eine Neuaufnahme eines älteren Titels dabei. Was sich in den meisten Fällen als unnötig herausstellt, überzeugt hier sogar besser als sein Original. Komplett runderneuert schmettert „Sober“ einen Progressive Metal Kracher daher, der vorher längst nicht so stark zu hören war. Schließlich mischt noch der Titeltrack „Psychosis“ fette Growls und donnernde Drums, mit ruhigen Klargesang sowie stetigen Tempowechsel. So muss sich ein Titeltrack anhören! Und zum Schluss werden „Sober Truth“ nochmal richtig mutig und tanzen komplett aus der Reihe. Mit einem Song der ebenfalls wie „Sober“ schon auf dem Vorgänger Album veröffentlicht worden war, bekomen wir nun noch eine Unplugged Version hinterher. Das nun arkustische Blues angehauchte „Collapse“, ist im Gegensatz zum Rest der Platte ziemlich schräg, aber wohl auch absolut so gewollt. Letztendlich funktioniert dieser Sidekick sogar. Was will man mehr?

Insgesamt ist „Psychosis“ von Sober Truth ein irrer, aber völlig gelungener Metalmix, der außergewöhnlich wie genial, einer der aufregendsten Gehörgang Zerstörungen gleichkommt. Der Metal hat schon lange nicht mehr so überrascht. Damn Hell, I Like!

Vince
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Keep Calm and listen to Heavy Metal ...an then released it all in the Moshpit!