Midnight Priest – Aggressive Hauntings

Die Portugiesen von „Midnight Priest“ sind seit ihrem selbstbetitelten Debüt 2011 und dem Nachfolger „Midnight Steel“, gefühlt noch nicht aus dem Underground Sektor herausgetreten. Zu unrecht meiner Meinung nach, da bereits das zweite Album einen richtigen Kracher darstellte. Jedoch könnte sich das nun mit dem aktuellen, dritten Streich „Aggressive Hauntings“ schlagartig ändern. Retro Metal ist bekanntlich wieder schwer im Kommen (wir hatten häufig darüber berichtet) und „Midnight Priest“ beherrschen die alte Kunst mittlerweile enorm. Auf dem neuen Album bekommen wir 9 starke Old School Metaller + Intro geboten, die man sich definitiv einmal auf die Ohren geben sollte, wenn man auf Retro steht.

Der Opener „Funeral“ beginnt noch ziemlich schlicht und unspektakulär, obwohl man hier schon ganz deutlich hören kann, in welche Riege sich die Mitternächtlichen Priester einordnen. Auch der Titeltrack „Aggressive Hauntings“ entfacht noch nicht das ganz große Spektakel, kann aber mit einem verdammt geilen Soli im Mittelteil glänzen. Erst mit „Eyes in the Dark“ steigen „Midnight Priest“ zur Höchstform auf. Der Song lässt deutliche „Judas Priest“ Einflüsse erkennen und geht direkt ins Ohr. Die pikanten Screams von Sänger Lex Thunder brennen sich quasi in die eigene Schädeldecke. Auch „Holy Flesh“ bringt deutliche Glenn Tipton / K.K. Downing Riffs mit. Die Band macht wahrlich kein Geheimnis darum, das sie die Briten mal musikalisch beerben wollen. Iron Fist C. und Tiago Steelbringer sind hierfür auch ganz hervorragende Gitarristen, die versiert und kompetent, aber auch ohne Übertreibung an den Turbobrettern zur Sache gehen. Das prägende „Ecstasy“ sprüht nur so vor altem Charme und das schwere „Sin for Satan“ hätte auch locker auf „Ram it Down“ von „Judas Priest“ platz gefunden. Mit „Iron Heart“ kommt wieder ordentlich Tempo ins Spiel. Schlicht und Schnörkellos, aber konsequent. Geht ins Ohr! Schließlich das als Single veröffentlichte „On Your Knees for Metal“, welches eine Verbeugung an die beste und lauteste Musik darstellt, sowie der temporeiche Rausschmeißer „Black Leather“, welcher den Kniefall vor dem Heavy Metal nochmal so richtig einschmettert. Eine gewaltige Speed Metal Nummer, die man mögen muss!

Unterm Strich haben „Midnight Priest“ wieder ein starkes Retro Album hingelegt, das qualitativ längst nicht mehr unter dem Radar spielen sollte. Wir wünschen der Band viel Erfolg mit „Aggressive Hauntings.“ Es wäre absolut verdient.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.