Relinquished – Addictivities (Part I)

 

Seit nun mehr 15 Jahren sind die Extreme Metaller Relinquished im Metal Sektor aktiv und haben es in all der Zeit auf 3 Studio Alben gebracht. Das jüngste und aktuellste Werk der Tiroler Band „Addictivities (Part I)“, wird am 22.03.2019 über unser Partner Label NRT-Records veröffentlicht. Lauscht man aufmerksam der Discographie, fällt spätestens bei der aktuellen Scheibe die direkte Zunahme an Härte auf. „Addictivities (Part I)“ ist weitaus rauer und düsterer gehalten als seine Vorgänger. Was man zuvor noch in der Gothic Schiene mit einordnen konnte, entwurzelt sich aktuell in einem brachialen Mix aus Death, Black und Progressive Metal. Inhaltlich dreht sich das Konzeptalbum um Missbrauch von Drogen, die daraus resultierende Sucht, der Entzug und die Kriminalität der ewigen Beschaffung jener. Kurzum haben die Tiroler eine laute Geschichte zu erzählen, die sich versiert durch die genannten Genres bewegt. Die 9 Tracks sind mal episch, mal hart und schnell, sowie rabenschwarz düster im Black verwurzelt.

Der Opener „Expectations“ ist ganz klar dem Epic Death mit Progressive Metal Einflüssen zuzordnen. Der Song mag in erster Distanz etwas langsam erscheinen, jener baut sich aber auch erst spät über mehrere Minuten auf, um sich anschließend komplett zu entfalten. Im Nachhinein ist hier das Tempo genau richtig gehalten, was aber meiner Meinung nach, nicht auf alle Titel von „Addictivities (Part I)“ zutrifft. Allerdings kann und muss man das Gesamtpaket auch von zwei Seiten betrachten, doch dazu später mehr. „Into the Black“ z.B. trägt ebenso enorme Spuren des Progressive Metal, schafft es aber einfach nicht, eine gewisse Geschwindigkeit aufzubauen. Das trifft genauso auf „Damage for Good“ zu, welches fast kontinuierlich im Midtempo verweilt. Klammern wir das instrumental düstere Synthie Intro „Pulse“ und den Full Epic Rausschmeißer „Void of my Ashen Soul“ mal aus, verbleiben mit „Syringe“ und „Zero“ zwei echt starke Black Metal Knüppler, sowie das Progressive Black angehauchte „Bundle of Nerves“, welches nach kurzem Einlauf direkt in die Vollen geht und natürlich das Epic Black Meisterstück „Avalanche of Impressions“, was mit seinen vielen Wechselpassagen enorm vielseitig daher kommt, aber auch gleichzeitig mit seinen über 8 Minuten Spielzeit, das längste Stück auf „Addictivities (Part I)“ darstellt.

Unterm Strich muss man sich in erster Linie damit auseinander setzen, das „Addictivities (Part I)“ kein typisches Haudrauf-Metal Album ist, sondern ein Konzeptalbum darstellt, das eine Geschichte mit vielen Stimmungslagen erzählt. Von dieser Seite her, haben Relinquished alles richtig gemacht und die Atmosphäre gekonnt eingefangen. Erwartet man aber mehr einen flotten Brecher, wird man mit „Addictivities (Part I)“ nur wenig zufrieden sein, weil es von dieser Seite her betrachtet, einfach an massig Tempo fehlt. Relingquished’s dritter Streich ist also eher speziell und wer mit Konzeptalben nichts anfangen kann, sollte eher auf andere Sachen zurückgreifen. Ich persönlich bevorzuge eher die schnelleren Sachen und ja, Konzeptalben können auch selbstverständlich schneller sein, vorausgesetzt das es zur jeweiligen Thematik passt. Das ist hier aber nicht der Fall. Ein wildes Gehämmer wäre hier nämlich völlig fehl am Platz gewesen und daher sollte man das Album auch von Anfang an differenziert betrachten.
So haben wir also insgesamt, mit „Addictivities (Part I)“ eine gelungene, epische Metalstory auf dem Plattenteller, die – so wie der Titel bereits anmuten lässt – mindestens eine Fortsetzung nach sich ziehen wird.

Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.