U.D.O. – Steelfactory World Tour – Zeche Bochum 12.02.2019

The „German Tank“ Udo Dirkschneider ist aktuell mit seiner Metal Kapelle „U.D.O.“ auf Welttournee. Es versteht sich von selbst, das auch das Redaktionsteam von Radio Rock FM auf der Tour vorbeischauen musste. Ürsprünglich sollte der nächstgelegende Termin in der Turbinenhalle Oberhausen stattfinden. Jener wurde aber (sehr zu unseren Gunsten) kurzfristig in die Zeche Bochum verlegt und machte uns die Anreise daher gewohnt kurz, denn schließlich sind wir relativ oft in der Zeche unterwegs.
Es sollte ein langer Abend werden, denn mit U.D.O. waren auch zwei Support Acts am Start. Trotz des frühen Einlasses um 18.30Uhr, stand der komplette Abend bis ca. 23.30Uhr ganz im Zeichen des Heavy Metals. Da wir i.d.R. immer zu den Ersten gehören, die eine Location betreten, hatten wir auch dieses mal wieder die besten Plätze sicher. Genauer gesagt, hatten wir wie auch schon bei John Diva & the Rockets of Love zum zweiten mal das Glück, wirklich direkt am Geländer vor der Bühne zu stehen. Beste Sicht, bester Sound, beste Voraussetzungen. Schnell wurde noch einzelnt der Merchandising Stand geplündert, stets mit altbekannten Bewacher des heiligen Platzes. Der Steelfactory Hoodie und das Tourshirt waren diesmal meine Beute. Der Vince sicherte ebenfalls das Tourshirt, aber im etwas teureren Fullprint. Sari hingegen lies das Portemonnaie mal zu. Danach hieß es erstmal wieder eine Stunde warten. Die Zeche füllte sich enorm, schließlich war der Laden ausverkauft und seit Axel Rudi Pell und Rose Tattoo im letzten Sommer nicht mehr so voll. Es gab lediglich nur noch einige wenige Resttickets an der Abendkasse.

Dead City Ruins

Die erste Band begann um 19:30Uhr. Die uns bis dato unbekannten Australier von „Dead City Ruins“ spielten etwa eine halbe Stunde und hinterließen gemischte Gefühle. Einerseits ist es schon schwer die Band in einen Stil zu pressen. Zu vielseitig sind deren Einflüsse, die von Hardrock ala Led Zepplin, in Heavy, Blues, Southern und Black Sabbath artigen Doom münden. Optisch total auf 70er Jahre getrimmt, mit Schlaghosen, blinkende Hemden und und teils lockigen Haaren ala Robert Plant, machten die Ruins visuell und fleißig headbangend immerhin eine geile Show. Nur musikalisch wollte der Funke einfach zu keiner Zeit überspringen. Ich persönlich werde mir die Band aber bei Gelegenheit nochmal im heimischen Studio in Ruhe zur Gemüte führen. Manchmal überzeugt ja auch der zweite Eindruck mehr als der Erste.

Reece

Der Umbau verlief zügig, denn schließlich musste kaum etwas ausgetauscht werden. Reece spielten auf dem selben Schlagzeug, lediglich die Gitarren wurden nochmal kurz überprüft. Mit Reece kam eine Band auf die Bühne, dessen Frontmann und Namensgeber David Reece kein unbekannter in der Szene ist. Bekannt wurde der Sänger 1987 als Nachfolger für Udo Dirkschneider bei Accept, der bis zu seinem Rauswurf, lediglich nur auf „Eat the Heat“ zu hören war. Seither sang David Reece in verschiedenen Bands und ist aktuell Frontmann bei „Sainted Sinners“, sowie seit 2009 bei seiner eigenen Band „Reece“ aktiv. Das diese Kapelle schon wesentlich mehr spaß gemacht hat, lag vorallem daran, das diverse Accept Songs vom besagten Album in der Setlist waren. „X-T-C“, das groovige „Generation Clash“ und die Hymne „Hellhammer“ rissen das Publikum ordentlich mit. Auch wenn Reece seine Solo Hits meiner Meinung nach nicht so der Bringer sind, merkt man dem Sänger seine Erfahrung und die Oldschool Attitüde mächtig an. David Reece ist einer der alten Schule und das war während den kompletten 45 Minuten zu spüren. Das ein Ex Accept’ler (Udo) einen Ex Accept’ler (David Reece) mit auf Tour nimmt, ist definitiv eine schöne Geste.

U.D.O.

Der Hauptact lies sich verdammt viel Zeit. Man fühlte sich irgendwo in die Turbinenhalle Oberhausen, zum Saxon Konzert, September letzten Jahres zurückversetzt. Dort spielten ebenfalls zwei Vorbands und die Eagles brauchten auch verdammt lange, bis sie die Bühne endlich betraten. Und schließlich sollte das U.D.O. Konzert ja ursprünglich auch in selbiger Location stattfinden. Ist es da noch ein Zufall, das beidiger Umbau über 35 Minuten gedauert hat? Esoteriker und Möchtegern Gurus können ja gerne mal darüber meditieren. 😉
Das Setting war ganz cool gewählt. Eine wahre, höllische Stahlfabrik, mit beleuchteten Luft Propellern, ein vercromtes, futuristisches Mega-Drum-Set von Söhnchen Sven Dirkschneider, gepaart mit Pyrotechnik, Rauchschwaden und dominanten Rotlicht. Geiler Scheiß! Nachdem diverse „Udo“ – Rufe das audiovisuelle Maschinengerumpel begleiteten, traten auch die Musiker aus den rötlichen Rauchschwaden hervor auf die Bühne. Sven Dirkschneider war der Erste hinter der Schießbude. Es folgten die Gitarristen Dee Dammers, der langjährige U.D.O. Krawallgeiger Andrey Smirnov und Bassist Tilen Hudrap, welche die ersten Töne zu „Tongue Reaper“ anspielten. Udo Himself betrat als letzter die Bühne und stieß zugleich seine markant, kreischende Stimme ins Mikro. Der Opener „Tongue Reaper“ ging sogleich in „Make the Move“ über. Somit begann die Show gleich mit zwei aktuellen Songs vom Album „Steelfactory.“ Die geballte Energie die Udo und seine Mannen freisetzte, war sofort packend, wie faszinierend. Mit über 60 Jahren noch knallharten Heavy Metal abzuliefern, ist auch nicht ohne. Zusätzlich war Udo ja auch noch durch ein kaputtes Knie, beweglich stark eingeschränkt und spielt trotz Anraten seiner Ärzte diese lange Tour. Respekt dafür!
Anschließend begrüßte Udo erstmal das Publikum. Auf ein normales „Hallo Bochum, seid ihr alle da?“ folgte allerdings eine wenig laute Reaktion des Publikums. Also wiederholte er seine Frage nochmal mit markanter Stimme und krächzte ins Mikrofon. „Ok nochmal anders….SEID iHR ALLE DAAAAAAAAAARRRRRRRRRR???“ Und schon wurde es ordentlich laut. DAS wollen die Fans hören und das weiß auch Udo. Weiter ging es mit dem Klassiker „24/7“, der lange nicht mehr Live gespielt wurde, dem Brecher „Mastercutor“ und „A Cry of a Nation.“ Die ultimative Power erreichten U.D.O. allerdings erst mit dem Song „Metal Machine.“ Was hat die Nummer gefetzt. Das tat richtig drücken im Gesicht. 😉 FETT! Sehr gefreut hat mich auch das anschließende „Independence Day.“ Ein geiler Song den ich schon viel zu lange nicht mehr gehört hatte. Weiter ging es mit den neuen Songs „In the Heat of the Night“ und „Rising High“, sowie der älteren Nummer „Vendetta“ und dem Klassiker „In the Darkness.“ Die Zeche tobte, die Stimmung war so grandios wie schon lange nicht mehr. Das U.D.O. zu den ganz großen gehören, ist keine Frage und das wurde auch entsprechend honoriert. Mit „I give as good as i get“ hatte es auch ein Song von „Rev Raptor“ in die Setlist geschafft. Schade fand ich nur, das kein einziger Song von der 2009er „Dominator“ Killerriff Granate dabei war. Zwar wurden einige Songs immer mal wieder von Gig zu Gig gewechselt, so das in Russland eine teilweise andere Setlist gespielt wurde, dennoch war auf der bisherigen Tournee nichts vom genannten Album zu finden. Wir hingegen bekamen „Timebomb“, der bisher kaum bis garnicht auf der Tour gespielt wurde. Meiner Meinung nach ein austauschbarer Titel, aber das nicht jeder Song gefällt, ist ja bekanntlich ein endloses und völlig legitimes Thema. „Hungry and Angry“ riss wieder alle von den Füßen. DER Song vom aktuellen Steelfactory Album schlechthin, brachte die Zeche wieder zum beben. Die Nummer wurde durch ein Drum & Bass Solo vorerst so richtig eingeleitet. Massives Headbangen war die Folge. Kollege Vince konnte kaum noch sein Bier festhalten. 😉 Sehr geil war auch der anschließende Klassiker „Heart of Gold.“ In all der Zeit geraten soviele Songs in Vergessenheit, weil der große Metalteich unendlich Nachschub liefert, da ist es jedesmal mal schön, wenn die alten Kracher wieder in Erinnerung gerufen werden. Der offiziell letzte Titel der Setlist kam mit „One Heart One Soul“ daher, der vom Publikum auch gröhlend mitgetragen wurde. Ebenfalls ein fantastisch melodischer Knaller von der neuen Steelfactory, geprägt von Smirnov’s 80er Jahre Solis. Als Zugaben waren ganze 4 weitere Songs vertreten. Mit „Holy“, „Animal House“ (natürlich!), „Man and Machine“ und „They Want War“ wurde nochmal ordentlich Vollgas gegeben. „Holy, i’m so fuckin‘ Holy“ und „I’m a mad man, living in a Animal House“ waren retro Metalknaller Feeling pur. „Man and Machine“ wäre austauschbar gewesen, aber mit „They Want War“ haben sie einen furiosen und Hymnenhaften Schlusspunkt gesetzt.

U.D.O. sind absolute Metal Sahne. Auch mit über 60 Jahren hat Udo Dirkschneider nichts an Qualität eingebüst. Im Gegenteil, the German Tank wird stattdessen nur noch lauter. Zwar haben die Musiker stets die Band gewechselt, wie andere Leute die Unterhosen, dennoch bleibt sich Udo himself, als einziges konstantes Band und Gründungsmitglied auch bis heute treu. Mittlerweile scheinen sich jedoch Udos Sohn Sven und der russische Saitenhexer Andrey Smiernov über mehrere Jahre hin festgespielt zu haben. Mal schauen wielange Udo noch Musik machen wird. Daher sei jedem geraten und absolut empfohlen, die aktuelle Tour zu besuchen. Wer U.D.O. jetzt nicht noch einmal Live erlebt, ist selber schuld. Wir hatten jedenfalls einen riesen Spaß.

Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.