Phil Campbell & the Bastard Sons – The Age of Absurdity European Tour – Matrix Bochum 28.11.2018

Er war der legendäre Gitarrist einer absoluten Kultband, welche mit dem Tot von Lemmy Kilmister Ende 2015 zu Grabe getragen wurde. Doch Motörhead’s Erbe lebt in einer neuen Band weiter. Phil Campbell scharrte seine Drei Söhne, Todd, Dane und Tyler, sowie den Sänger Neil Starr umsich, um fortan eigene Musik zu produzieren, die zwar oberflächlich nah an Motörhead angelegt, aber weitaus Facettenreicher und Genre-überschneident ist. Kurzum, auch wenn man mit dem Bandnamen „Phil Campbell & the Bastard Sons“ ganz eindeutig keinen Hehl um seine Motörhead Herkunft macht, hat sich Old Phil alles andere als nur einem Stil verschrieben und beweist vorallem auf seinem Debüt Album „The Age of Absurdity“ eine enorme Vielfalt. Nachdem die neue Band das erste mal mit einer All Star Cover Show auf Wacken auftrat, dauerte es auch nicht mehr lange, bis eigenes Material nachgeschoben wurde. Jenes erschien Anfang des Jahres unter dem Titel „The Age of Absurdity“, wovon man sich mometan auch die ersten Live Eindrücke machen kann. Aktuell ist die Kapelle auf großer Europa Tournee und natürlich auch bei uns in Deutschland zahlreich unterwegs. Am 28.11.2018 spielten die Bastards im Matrix Bochum und legten eine unglaublich geile Show hin.

Die Anreise verlief reibungslos. Die große Baustelle auf der Hauptstraße in Langendreer war nach 10 Tagen Rückkehr (18.11.2018 Nashville Pussy im Rockpalast) komplett entfernt worden und somit wieder frei passierbar. Umwege mussten diesmal also nicht in Kauf genommen werden. Kurz vor Einlass (knapp vor 19:00Uhr) stand schon eine große Schar an Fans vor der Pforte. Eines war ja von vorne herein klar: Hier würden durch und durch Motörhead Fans anrücken, was bei der obligatorischen Dienstkleidung auch später mehr als deutlich wurde. Motörhead und Lemmy Shirts & Hoodies ausnahmslos. The toughest motherfuckers in town were all there. 😉 Überraschend war die Tatsache, das der Gig, der eigentlich im Rockpalast (oberer Saal) hätte stattfinden sollen, wohl kurzfristig ins Matrix (unterer Saal) verlegt wurde. Zugegeben, bei der Menge die zum Konzert kam, hätte man im Rockpalast auch anbauen müssen. Die Hütte war restlos ausverkauft und brechend voll. Lemmy’s Jünger hatten geladen und alle Gläubiger aus dem Pott waren erschienen. 😉 Unten im Saal hatte ich mir direkt einen Platz vor der Bühne gesichert und diesen bis zum bitteren Ende kompromislos belagert. 1 Meter vor Phil Campbell Leute….1 METER! Fucking Geil. 😀

Tim McMillan & Rachel Snow

Die Vorband war…seltsam, unpassend, crazy. Die Australier Tim McMillan & Rachel Snow sind ein Instrumental Musik Duo, das mit vielen absurden Dialogen und Geschichten, sehr merkwürdiges Zeug zusammen fiedelt. Von Slayer bis Rammstein Covern und eigenen Songs, die auf der Arkustik Gitarre gespielt, getrommelt und mit sonstigen Geräuschen vertont und per Violine begleitet werden. Das ganze nennt sich schließlich „Fingerstyle Goblincore Celtic Folk Metal.“ Du kriegst die Tür nicht zu…
Ich bin weit davon ab die beiden Musiker als Schrott zu bezeichnen. Ausgefallen, funky und durchaus unterhaltsam trifft auf alle Fälle zu, aber was zu Hölle hat Phil Campbell denn da geritten? Das war im direkten Vergleich – übertrieben gesagt – wie Helene Fischer im Vorprogramm von AC/DC… Also ehrlich, absurder gehts kaum, aber wenn das wirklich als Gag gemeint war, ist er gelungen – wie auch immer. Anklang im Publikum hat die Fun Band auf jeden Fall gefunden, auch wenn meiner einer eigentlich nur Stirnrunzelt den Sinn oder Unsinn von diesem Support hinterfragt hat. Unter anderen Umständen hätte ich die Band sicherlich mehr angenommen, aber im Vorprogramm eines Rock’n’Roll Konzerts, kann man die Truppe absolut nicht ernst nehmen.

Phil Campbell & the Bastard Sons

Obwohl die Band reichlich eigenes Material für eine Setlist hat, bestand die Hälfte ausschließlich aus Motörhead Klassikern. Das ist wahrscheinlich auch so gewollt, um vorallem die alten Fans mitzureißen, aber auch um Lemmy Tribut zu zollen. Nach einer kurzen Umbaupause ging es zügig los. Die Bastards starteten mit „Big Mouth“ von der ersten EP und „Step into the Fire“ vom aktuellen Album. Direkt die ersten Minuten haben schon bewiesen, wie stark diese Band miteinander harmoniert. Old Phil hat seine Jungs wahrlich gut ausgebildet und Neil Starr präsentiert sich als versierter Frontmann der ordentlich mitreißt. Phil und Tod an den Krawallgeigen teilten sich sogar öfters die Solis, ohne das dem alten Haudegen je die Show gestohlen wurde. Die hauptsächlichen Leads, blieben natürlich Phil Campbell überlassen, die ich – wie zuvor schon erwähnt – aus einem Meter Entfernung direkt vor der Bühne genießen durfte. Weiter ging es mit dem ersten Motörhead Song „Rock out“, vom vorletzten Motörhead Album „Motörizer.“ Die Nummer ging Live so gut ab, das man sich gleich wieder zuhause fühlte. Phil und seine Jungs schreddern Motörhead ohne Qualitätsverlust 1:1 herunter, lediglich das nicht Lemmy Kilmister, sondern Neil Starr am Mic steht machte den Unterschied, doch das spielte im Grunde garkeine Rolle. Das Publikum nahm die Show 200%tig an und feierte mit.

„Get your Hands into the Air Boooochuuuum!!!“ Neil Starr leitete mit „Freak Show“ ein Highlight von „The Age of Absurdity“ ein. Der Song hat Live definitiv noch mehr Spaß gemacht, als auf dem besagten Album. Vorallem auch die nackten Solos von Phil Campbell trugen dazu bei. „Welcome to Hell“ wurde direkt nachgeschoben. Der Song war nie so meins und das sollte sich Live auch nicht ändern. Dafür wechselte man sich fortan stets mit Motörhead Klassikern ab. „Borne to Raise Hell“ brachte den Saal erstmals zum beben und schnell hatte sich auch ein kleines Moshpit mittig vor der Bühne gebildet. „Get on your Knees“ ist auch nicht unbedingt mein Song. Den hätte man mit „Welcome to Hell“ durchaus weglassen und sinnvollere Titel nehmen können, aber das nur am Rande. Mit dem Anti Punk Song „R.A.M.O.N.E.S.“ kam regelrechte Pogo Stimmung auf. Das Publikum flippte teilweise völlig aus. Die Stimmung war zu diesem Zeitpunkt wahrlich auf dem Höhepunkt angekommen. Was mich vorallem begeistert hat, ist das Phil Campbell sich nicht komplett aufs Gitarre spielen beschränkt, sondern auch relativ oft das Wort ans Publikum richtet, sowie die Motörhead Songs selber ansagt und kommentiert. Jenes was man bei Axel Rudi Pell z.B. völlig vermisst, welcher das Mik gänzlich Johnny Gioeli überlässt. Das macht Old Phil auf jeden Fall sehr sympathisch und Neil Starr bekommt auch mal Momente zum Luft holen. Als Star der Band, sollte man auch immer mal den Mund aufmachen. Sorry Axel. 😉 Weiter ging es mit dem Kracher „Ringleader“ und Phil Campbells Motörhead Einstand 1983 – „Orgasmatron!“ Was hat der Song gefetzt. Wer vermisst da eigentlich noch Lemmy? Die Bastards haben Motörhead förmlich in den Genen. Wirklich gut hat mir „Dark Days“ Live gefallen, obwohl „Into the Dark“ wesentlich geiler gewesen wäre. Schade drum, das man jenen nicht für die Setlist beachtet hatte.
So langsam leiteten die Bands das letzte Vollgas Drittel ein. Beginnend mit dem Hawkwind Cover „Silver Machine“, das einst in den 70er Jahren von Lemmy geschrieben wurde und absolut nicht hätte fehlen dürfen. Pogo Pur! Keiner stand mehr auf den Beinen. Alle sprangen im Takt zum wahrscheinlich besten Cover aller Zeiten. Das Original kann jedenfalls um Längen nicht mithalten. Schließlich folgte DER Motörhead Song schlechthin: „Ace of Spades“ wurde vom Publikum auch entsprechend honoriert. Mit „High Rule“ brachten sie noch einmal einen Song von „The Age of Absurdity“, der mich Live definitiv mehr gepackt hat. Dennoch hätte man stattdessen auch hier wieder den einen oder anderen, stärkeren Song einbauen können. Die Auswahl der eigenen Songs, war nur zu 50% zufriedenstellend, aber man kann nicht alles haben. Dafür haben die Motörhead Songs für alles entschädigt und diese füllten nun auch komplett den Endspurt. Unter lauten Flieger Sirenen wurde „Bomber“ angestimmt. Fuck i love this Shit! Einer der besten Songs aus Lemmys Feder. „Deaf Forever“ und „Going to Brazil“ kamen gleich hinterher. Fett! Und schließlich das Finale – ja wie könnte es anders sein – mit dem Knaller „Rock’n’Roll.“

Scheiß die Wand an. Der Gig war ja ein verdammt würdiges Motörhead Revival feat. Bastard Rock. Die Show hat bis auf 2-3 nicht so starke Songs, riesig Spaß gemacht und wir können von der Band in Zukunft noch eine Menge erwarten. Hut ab!

The Count
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.

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