Nashville Pussy – Pleased To Eat You European Tour – Rockpalast Bochum 18.11.2018

Nach knapp einem Jahr Abstinenz führte mich am 18.11.2018 der Weg zurück in den Rockpalast Bochum – der wahrscheinlich kleinsten Location, die ich je Besucht habe. Und obwohl das Ding einem Wohnzimmer gleicht (inklusive 2 Bars und einem Balkon), liebe ich diesen Schuppen. Der Rockpalast atmet einfach den Geist der Zeit, wo mit Rock’n’Roll einst alles einmal anfing – Nämlich in Kneipen und Pups. Persönlich komme ich einfach immer wieder gerne her, denn gerade auf den kleinen Bühnen kann man noch am besten erleben, was die Bands wirklich drauf haben. Das dann auch noch eine meiner Lieblingskapellen aus Nashville Tennessy vorbei schaut, machte es um noch so interessanter, wieder einmal vor Ort zu sein. Also auf nach Bochum!
Die Anfahrt war von etlichen Stauumfahrungen auf der Autobahn, sowie einer Baustelle und Vollsperrung der Hauptstraße Bochum Langendreer geprägt, so das ich auf einigen Umwegen erst 20 Minuten nach Einlass am Matrix ankam. Wie sich jedoch herausstellte, war die Verspätung nicht sonderlich tragisch, denn oben im Rockpalast waren höchstens erst eine Handvoll Besucher, die sich an der Bar tummelten. Also herrschte noch immer die freie Platzwahl und oben auf dem Balkon, wurde auch sogleich die beste Sicht reserviert. Jedoch führte mich zuvor natürlich erst einmal der Weg zum Merchandising Stand, wo „der Kollege von Nashville Pussy“ garnicht vor Ort, sondern laut der Aussage vom Black Sheriff Merch, noch etwas essen war!? Das muss man sich mal reintun. Seit 19:00Uhr war Einlass und der Merch Verkäufer lässt sich erst 19:45Uhr am Stand blicken?! Es war zwar zugegeben noch kaum etwas los, aber es warteten dennoch mit der Zeit steigend schon ein Dutzend Leute darauf, das sich der Herr endlich mal zum Stand bequemt. Und damit ist das erste negative Ereignis des Abends auch schon geklärt. Ein unbesetzter Merchandising Stand, an dem man 45 Minuten warten muss, bis der Verkäufer endlich mal erscheint, ist ein Unding. Wie dem auch sei, am Ende hatte ich das von mir begehrte „In Lust We Trust“ Pussy Shirt und das Album „10 Years of Pussy“ ergattert und die erste Sucht gestillt. 😉

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Black Sheriff

Etwa 20:10Uhr, also 10 Minuten später begann der Support Act. Black Sheriff – The Deputy of Rock aus Köln, mir bis dato noch gänzlich unbekannt, spielten ca. 8 – 9 Songs und rockten ordentlich die Hütte. Songs wie „Snakeskin Pillow“ oder „Dring And Get High“ schlugen Live richtig ein. Die 4 Kölner rockten derbe und stießen bei mir auch direkt auf Gehör. Obwohl meiner Meinung nach im Nachhinein betrachtet, jene Setlist nicht unbedingt gänzlich die absoluten Highlights der Band an Bord hatte, konnten sich die Deputy’s ordentlich sehen und hören lassen. Klassischer alter Rock’n’Roll wie man ihn liebt, ist schließlich nie die verkehrteste Wahl. Highlights waren auf jeden Fall der Song „AC/DC Sunday“ und das ausgeprägte Solo von Glen Ravioli. Ich hatte mich schon die ganze Zeit gefragt, warum neben mir am Balkon Geländer, so ein kleiner Tisch stand, an dem man aber weder sitzen, noch dran stehen konnte. Die Frage beantwortete sich im Mittelteil der Show, als Lead Gitarrist Glen Ravioli mal eben direkt zu uns auf den Balkon kam, auf den besagten Tisch stieg und genau neben mir seine Solo Nummer hinlegte. Geiler Scheiß und vorallem Hautnah dabei, oder wie Black Sheriff es ausdrückten: „Comes closer to the stage, this is a rock’n’roll show and here we want to smell your shit!“ 😀 Zum Schluss gab es sogar noch eine kleine Pyro Show, als man die Lunten an den Gitarrenhälsen anzündete und alle drei Geigen ordentlich Feuer spuckten. Kurzum gesagt, waren Black Sheriff ein wirklich guter Support und vorallem eine Band, mit der ich mich in Zukunft näher beschäftigen werde. Schade für die Truppe, das die meisten Leute sich den Gig gespart hatten und erst nach dem Support den Rockpalast betraten. Black Sheriff hätten sich volles Haus wahrlich verdient gehabt.

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Nashville Pussy

Es wurde nun voll im Rockpalast. Die vorherige Belegschaft, war eher Mau und hätte den Eindruck gewinnen können, das sich kaum einer Nashville Pussy ansehen wollte. Doch wie bereits schon erwähnt, gingen die meisten Leute dem Klischee der typischen Vorband aus dem Weg und das ist ehrlich gesagt traurig. Nicht immer ist die Vorband scheiße und in diesem Fall sogar ganz im Gegenteil. Vorallem aber habe ich in diesem Jahr mehr gute Vorbands als schlechte auf den Konzerten gesehen, weshalb ich mir generell nie den Support erspare. Man entdeckt manchmal echt gute Bands die man bisher nicht kannte und genau darum geht es ja auch bei einem Support. Also seid nicht stur und gebt dem Support generell immer eine Chance!
Kommen wir aber nun mal zum zweiten negativen Erlebnis des Abends: Der Soundcheck! Da haben es die Knalltüten am Mischpult einfach nicht hinbekommen, die Arkustik des Schlagzeugs einzustellen. Während diese Heinos 30 – 35 Minuten am Werkeln waren und der über die komplette Zeit immer wieder anschlagende Rhythmus von Drummer Ben Thomas, langsam aber sicher nur noch auf die Nerven ging. Da wurde sich mit dem ganzen Körper auf die Drum Box gelegt, gehört, gemacht getan, angeschlagen, rumgetuned und immer wieder von vorn. Heiliger Bimbam. So eine lange Wuselei hatte ich auch noch nie erlebt und auf Kosten dieser Inkompetenz, mussten Nashville Pussy wohl scheinbar auch ihre Tracklist kürzen und einen ihrer besten Songs weglassen, der sonst in allen anderen Locations gespielt wurde. Mehr dazu später.

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Nachdem ENDLICH der Sound stand, dauerte es auch nicht mehr lange, bis die Band vollzählig die Bühne betrat und ich war gespannt, wie die neuen Musiker, Bonnie Buitrago am Bass und Ben Thomas am Schlagzeug, Live überzeugen. Ben Cartwright kam mit roter Lederjacke, welche auf den Ärmeln die Rebellenfahne der Südstaaten zierte und Base Cap auf die Bühne. The „Canadian Cannibal“ Ruyter Suys trug diesmal ungewohnt keine schwarze Lederhose, sondern Hotpans und Bolschewiken Mütze. Letztere flog aber gleich beim Opener davon. Die Pussys legten mit dem recht seltenenden AC/DC Cover „Kicked in the Teeth“ los und waren mit dem nachfolgenden „Piece of Ass“ gleich in ihrem Element. Während sich der neue Drummer stark in die Truppe einfügte, empfand ich die neue Bassistin zumindest optisch als Fremdkörper. Frau Buitrago passte einfach nicht in diesen rotzigen Haufen. Interessant hingegen war aber der weibliche Angus Young. „The Master of SG, the Canadian Cannibal Ruyter Suys, legte wie gewohnt eine Wahnsinns Show an der Lead Gitarre ab. Die Frau ist Rock’n’Roll Pur! Blaine Cartwright kündigte flux auch Song Nummero Drei an. „How you doing motherfuckers? This Song called Pillbilly Blues Baby!“ Ein Göttliches Riff. Cartwright und Suys sind einfach zwei verdammt geile Gitarristen. Mit „We Want A War“ brachten sie dann auch den ersten neuen Song vom aktuellen Album . Es folgten der Speed Rock’n’Roller „Rub it to Death“, sowie „Go Home And Die“, „She Keeps Me Coming And I Keep Going Back“ und „CCKMP“ vom neuen „Please to Eat you“ Longplayer. Besonders letztgenannter Song hatte es wieder einmal insich. Diese Blues Getränkte Wahnsinns-Nummer, allein von Ruther Suys an der Gitarre gespielt machte ordentlich Laune. Dabei wurde auch immer mehr deutlich, das sich eine Beführchtung meinerseits, zu keiner Zeit bestätigte, denn die legendären US Auftritte, sollten auch hierzulande ihr übliches Posing bekommen. So floss der Alkohol in Strömen. Blaine Cartwright nahm immer wieder zwischen den Songs den einen oder anderen Zug aus der Jack Daniels Flasche, der am Merch auch als Nasville Pussy Whiskey erworben werden könnte. 😉 Doch der Abend sollte noch feuchtfröhlicher werden. Blaine schnallte sich wieder die Gitarre um und leitete „5 Minutes to Live“ ein. Vollgas Rock’n’Roll mit Rückkopplung! Frau Suys schredderte zu Beginn direkt in den Verstärker und ging auch sonst wieder verdammt gut ab. Lemmy hatte zu Lebzeiten mal „Nashville Pussy“ als die letzte echte Rock’n’Roll Band bezeichnet und damit wahrlich nicht übertrieben. Was bei den Pussys auf der Bühne abgeht, ist ganz großes Kino!

Absolutes Highlight des Abends war der Song „Low Down Dirty Pig“ vom neuen Album in einer knapp 12 Minuten Version, in der sich Ruther Suys Buchstäblich die Seele aus dem Leib spielte, Ben Thomas ein geniales Drum Solo hinlegte und Blaine Cartwright seine übliche Show durchzog. Mal eben eine Bierflasche in den eigenen Hut gekippt und aus jenem auf Ex getrunken… Das Ergebnis war selbstredend eine riesen Sauerei die einer Bierdusche glich, aber so kennt man es ja von zahlreichen Pussy Shows. Und selbstverständlich wurde der Hut danach auch weiter getragen. Doch das war längst nicht alles. Nach einem weiteren Schluck Whiskey fiel Blaine plötzlich wie ein Stein einfach um und für eine Sekunde hatte man ihm wirklich abgenommen, das er nun vollkommen fertig ins Koma gefallen war. Ein Roadie lief auf die Bühne und erkundigte sich nach dem allgemeinen Wohlbefinden. Anschließend reichte dieser ihm eine neue Flasche. Mit dem nächsten Schluck schüttelte sich Blaine einmal durch und war wieder am Start. Alles Show! Nashville Pussy eben! Go Again. LOW DOWN DIRTY PIG!!! Eine Live Granate Sondergleichen, die mit „Blaine for President“ Rufen begleitet wurde. Nun war die Zeit der Klassiker gekommen. Nach „First I Look at the Purse“ kam der Knaller Song „Go To Hell.“ Eine Blues Rock getränkte Granate die Live wahrlich ein Fest war. Ohrwurm Rock’n’Roller wie „I’m So High“, „I’m the Man“ und „Why, Why, Why“ waren die Folge und läuteten langsam das Finale ein.

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Und da kommen wir dann auch zum leider dritten und letzten negativen Ereignis des Abends. Da mir die Playlist vorab bekannt war, hätte im letzten 3er Block der Song „Til The Meat Falls Off The Bone“ gepielt werden sollen, da aber der Soundcheck so endlos lange dauerte, musste – so vermute ich – ein Song wegfallen und die Wahl fiel leider genau auf diesen Klassiker, der eigentlich niemals fehlen sollte. Verdammt schade. In allen anderen Deutschland Konzerten wurde er gespielt. Ein Dankeschön geht ans Mischpult!!! Das Finale bestand daher lediglich aus „Struttin‘ Cock“ und „Go Motherfucker Go“, konnte aber trotz der Enttäuschung über das Fehlen eines der besten Songs, darin überzeugen, eine Granatenstarke Pussy Show erlebt zu haben. Wer die Möglichkeit der 5 Deutschland Konzerte nicht genutzt hat, ist selber schuld. Trotz kleinerer Defizite ein gelungener Abend mit zwei starken Bands und 3 Stunden Rock’n’Roll.

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