Onkel Tom – BierErnst

Onkel Tom ist ja schon ein Unikat in der Metal Ruhrpott Szene. Wenn er nicht gerade mit seiner Thrash Metal Legende „Sodom“ die Massen einheizt, bringt der alte Haudegen hin und wieder auch mal ein Solo Album auf den Markt. Bekannt sind diese, vorallem durch seine „Vermeddelung“ diverser Sauflieder, doch auch das hat sich in den letzten Jahren nicht grundsätzlich, aber zumindest einwenig geändert. Onkel Tom kann nämlich auch ernst. Doch so ganz will und sollte er sich auch nie vom Saufmetal Kult trennen, weshalb es wohl auf der Hand liegt, das „BierErnst“ als Doppelalbum erschienen ist. Der Titel hierbei erklärt sich ganz von selbst. CD 1 dreht sich um das altbekannte Bier, CD 2 ist hingegen dem ernsteren Stoff gewidmet. So bekommt man schließlich ganz im Gegenteil zu üblichen Doppelalben – wo viel Wind um nichts herrscht – zwei ganz unterschiedliche Werke präsentiert, die per se für sich zu überzeugen wissen.

Das Album „Bier“ kommt mit 12 vollen Gläsern…äh Songs daher, die kein Auge und sicherlich auch keine Leber trocken lassen werden. Was Onkel Tom hier wieder abliefert, ist zwar gewohnte, aber wie immer enorm spaßige Kost.
Los gehts hier mit: Nichts ist so traurig wie „Ich steh‘ an der Bar und ich habe kein Geld.“ Eine dramaturgie eines notorischen Säufers. Zwei äußerst traurige Minuten, wenn man Brand hat. 😉 „Flasche zu Flasche“ erinnert vom Soundgewand her an russische Volkslieder, nur in Metal und natürlich mit Bierflaschen. Das ist solide, doch erst mit „Wir trinken wenig“ geht das Album ordentlich ab, denn so ist das hier in Deutschland, von München bis nach Kiel, wir trinken wenig, aber oft und ganz viel. Ganz Onkel Tom eben. Von nun an herrscht Ohrwurmgarantie bis zum Abwinken. „Bier, Bier, Bier, ist die Seele vom Klavier“, „Durst ist schlimmer als Heimweh“ (sehr geiler Kracher!) und „Hätten wir lieber das Geld vergraben“ sagen eigentlich alles. Onkel Tom Angelripper gelingt es wirklich immer wieder, alle absurden Probleme, Sorgen und Nöten des obligatorischen Säufers, musikalisch in eine irrwitzige Metalgaudi zu verpacken.
„Was sind wir Männer doch für’n lustiger Verein“, das Blueslastige „Jacky Cola“ und mein persönliches Highlight, „Durst wird durch Bier erst schön“ schließen sich fast selbstredend nahtlos an. „Trunkenbold“ entfacht sich als Schunkelmetaller und „Bier, Bier, Bier“ hat Hymnen Charakter. Den Abschluss macht die 1:10 Minütige Arkustik Nummer „Prost“, wo feuchtfröhlich zum Finale gepfiffen wird. Klasse. Ein rundum gelungener Metalspaß!

Album Nr. 2 ist hingegen einwenig kürzer gehalten und weißt insgesamt nur 9 Songs auf, aber ist deswegen kein Stück schwächer. Beginnend mit DEM Rundumschlag gegen allen anderen musikalischen Bullshit, fetzt „Ich finde nur Metal geil“ ordentlich durch die Boxen. Der derbe Text sollte mindestens jeden Metalhead zum grinsen bringen. „Todgeweiht“ kommt mit pikanten Riff daher und „Ich muss hier raus“, sowie der Drop Hook Song „Egal“, gehen ebenfalls direkt ins Ohr. Zeit zum Durchatmen bekommt der geneigte Hörer mit „Von Arschlöchern für Arschlöcher.“ Ein ruhiger Metal Groover mit gesellschaftskritischen Hauch.
Aber Onkel Tom kann es sogar episch! „Zwischen Emscher & Lippe“ atmet wahrlich die Seele des Ruhrpotts. Der Song ist ein fantastischer Ohrwurm, nur seine Neigung zum Kirmes Verein aus dem Gelsenkirchener Jammertal sollte Tom generell besser draußen lassen.
„Auf dünnem Eis“ zieht wieder an und entfacht einen ordentlichen Brecher. Auch „Das blaue Buch des Lebens“ ist extrem fett. Wieder einmal ein markantes Riffing.
Zum Schluss bringt Onkel Tom mit „Polizisten“ noch einen Drum & Bass Groove mit geilen Gitarren Taps über den Alltag von deinem Freund und Helfer.

Unterm Strich ist „BierErnst“ ein Doppel Album nach Maß! Es gibt nicht einen einzigen Ausfall! Absolut jeder Track unter den insgesamt 21 hat seinen ultimativen Charme und das ist in der Fülle an Songs wahrlich außergewöhnlich. Vorallem die Gitarrenarbeit auf dem Album „Ernst“ hat einige echte Hightlights zu bieten.
Verdammt stark Onkel Tom. In der Form darf gern noch mehr erscheinen, so das man für die aktuelle Scheibe eine absolute Empfehlung aussprechen kann und muss!

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