Stryper – God Damn Evil

„Die Gestreiften“ Bibelrocker von Stryper sind nach ihrer damaligen Auflösung zu Beginn der 90er Jahre, seit 2005 wieder recht fleißig unterwegs. Ganze 7 Studio Alben sind in dieser Zeit entstanden, in denen sich die Band rund um die Gebrüder Robert und Michael Sweet Gott sei Dank vom kitschigen Glam abgewendet haben und mal mehr, mal weniger richtig guten Metal spielen. Besonders „No More Hell to Pay“ (2013) und „Fallen“ (2015) sollten da auf jeden Fall genannt werden. Waren diese beiden Vorgänger Alben richtig starke Kracher, hat die aktuelle „God Damn Evil“ dann doch einige Schwächen aufzuweisen.
Allein schon der Opener „Take it to the Cross“ kommt ziemlich holprig daher. Zwar gibt es am treibenden Sound nicht viel auszusetzen, aber wenn Stryper schon auf Judas Priest machen, ist der Gesang von Michael Sweet ziemlich fehl am Platz. Am Ende versucht man sogar noch diverse Growls mit in die Nummer zu bringen, aber die gesamte Mischung zündet einfach nicht. Auch alle anderen Experimente, Stryper-unähnlicher Art sind ziemlich misslungen und können nur als deplaziert verzeichnet werden. „Lost“ z.B. ist ziemlich furchtbar und in „Own Up“ funktionieren auch nur die Instrumente. Oftmals ist Michael Sweet Gesanglich zu überfordert, um über den Stryper Sound hinaus auch seine Stimme dem jeweiligen experimentalen Song anzupassen. Das dies jedoch sehr wohl funktionieren kann, beweist der Frontmann z.B. beim schnellen Rocker „The Devil Doesn’t Live Here.“ Hier passt es ausnahmsweise mal. Richtig gut sind Stryper allerdings dann, wenn sie sich auf das beschränken, was sie in den letzten Jahren richtig gemacht haben. Starker Heavy Metal gerade aus nach vorn. Der Titeltrack „God Damn Evil“ und vorallem das grandiose „The Valley“ sind richtig stark, aber leider auch die Einzigen ihrer Art auf dem neuen Longplayer. „Sea of Thieves“ soll wohl an alte 80er Jahre Stryper Hits erinnern. Der Song geht in Ordnung, kommt aber genauso wie „You don’t even know me“ oder „Beautiful“ nicht über den gehobenen Durchschnitt hinaus und die Single Auskopplung „Sorry“ überzeugt einfach überhaupt nicht. So ist „God Damn Evil“ ziemlich wechselhaft und manchmal auch etwas befremdlich geraten.

Unterm Strich haben Stryper nicht gerade ihre beste Scheibe rausgedrückt. Rein Instrumentell gibt es nicht viel auszusetzen. Geschräddert haben die Jungs schon ordentlich. Viel mehr ist es der teilweise, völlig deplazierte Gesang von Michael Sweet, der die neuen Gehversuche der Band im Keim erstickt. Grundsätzlich ist es nicht falsch, sich in neue Gewässer zu wagen, aber dann sollte man auch zusehen, das man diverse Nummern stimmig herüber bringen kann oder es gleich ganz lassen. In Zukunft sollten sich Stryper wieder auf Songs wie „The Valley“ beschränken, denn darin haben sie schon oft genug ihre Stärke bewiesen.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.

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