Rose Tattoo – Blood Brothers European Tour – Zeche Bochum 31.08.2018

Rose Tattoo – Blood Brothers European Tour – Zeche Bochum 31.08.2018

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Wenn eine Legende wie Rose Tattoo in deiner Nähe spielt, kannst du dir das Spektakel selbstredend nicht entgehen lassen. Auf ihrer „Blood Brothers – European Tour“ kamen Angry Anderson und seine Mitstreiter aus Down Under am 31.08.2018 auch in der Zeche Bochum vorbei. Es war bereits aufgrund der hohen Anfrage das zweite Konzert im legendären Bochumer Club. Der ersten Termin, rund 2 Monate vorher, war sehr schnell ausverkauft und lies mich im Regen stehen. Beim zweiten mal war ich schneller, denn auch dieses Konzert war über kurz oder lang wieder komplett ausverkauft! Das zeigt welchen hohen Stellenwert Rose Tattoo immer noch haben, obwohl sie immer nur im Schatten der Rock’n’Roll Götter von AC/DC gestanden und nichtmal die Hälfte derer Plattenanzahl veröffentlicht haben. Dennoch, Rose Tattoo waren und sind absolut Kult und gehören nach wie vor zu meinen absoluten Lieblingsbands.
Der 31.08.2018 – es war ein Freitag Abend, an dem das Konzert ab 19:30Uhr offiziell losgehen sollte. Um einen der besten Plätze zu ergattern, war ich schon rund 90 Minuten früher an der Zeche angekommen. Die erste Schlange vor dem Einlass hatte sich schon gebildet, doch aufgrund meiner frühen Ankunftszeit, konnte ich mich noch weit vorn eingliedern und gehörte später folglich mit zu den Ersten, die den Saal betraten. In der Zeit des Wartens unterhielt man sich mit Gleichgesinnten über Konzerte, Bands, Wacken und co. Von den üblichen Kuttenträgern und Band Shirt’lern war wie immer alles von A – Z vertreten. Um 18:30Uhr begann dann der Einlass. Nach einem kurzen Besuch auf dem sanitären Trackt, wurde erstmal dem Merchandising Stand Tribut gezollt und ein Rose Tattoo Fan Shirt eingesackt. 25 Euronen pro Band Shirt sind schon ein stolzer Preis, aber was tut man nicht alles für seine Rock’n’Roll Uniform? 😉
Anschließend ging es rüber in den Saal und direkt hoch auf den Balkon, von wo man in der Zeche die Beste Sicht auf die Bühne hat. Dort war es noch allgemein ruhig. Die meisten Leute standen noch draußen, oder am Merch oder waren noch garnicht eingetroffen. Ein bisher ungewohntes Bild, da ansonsten die Zeche immer recht schnell vor Beginn gefüllt ist. Selbst als der Support gegen 19:00Uhr – also gute 30 Minuten vor dem offiziell geplanten Start – loslegte, war im Saal immer noch nichts los.

Als Vorband waren die V8 Wankers – Punk’n’Roll aus Gladbeck geladen. Eine Band, die ich schon auf Platte nicht sonderlich für gut befunden habe, was aber auch daran liegt, das ich mit Punkrock absolut nichts anfangen kann. Das sollte sich Live auch nicht wirklich ändern. Die Wankers tobten los, spielten hauptsächlich alte Songs und konnten mich zu keiner Sekunde begeistern. Sicherlich war der Frontmann unterhaltsam, der stets das Mikro als Penis Verlängerung nutzte, oder es sich in die Hose steckte, um das Hände-Trommeln auf seinem nackten Oberkörper arkustisch einzufangen, dennoch war es absolut nicht meins. Sicherlich ist das alles Geschmackssache, aber für mich zählen die V8 Wankers zu diesen üblichen Rumpelkapellen, die einfach keinen Klang haben. Punkrock eben.
Ob es an dem verfrühten Beginn oder an den V8 Wankers gelegen hat, das sich der Saal erst langsam füllte, als die Gladbecker schon ca. 20 Minuten am spielen waren, lasse ich mal außen vor und bleibt Spekulation. 😉
Fakt ist jedenfalls, das man als Support für Rose Tattoo, sicherlich auch was passenderes hätte  finden können, aber geschenkt, schließlich bin ich nicht für die V8 Wankers erschienen.

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Gegen 20:00Uhr war es dann endlich soweit. Angry Anderson – letztes überlebendes Original Mitglied der Kultband und seine Mannen betraten die Bühne. Es ist schon tragisch, das fast alle ehemaligen Musiker (teilweise früh) an Krebs gestorben sind, aber so ist das Leben. Mit dem aktuellen Line Up hat Angry Anderson aber nicht weniger Potential zu bieten. Die Musiker sind eine echte Granate. Die beiden Macker am Turbobrett waren eine Wucht. Dai Pritchard an der Slide Gitarre sorgte für Gänsehaut-Dauerunterhaltung und Randall Waller an der Rythmusgitarre schmetterte nur so die geilen Riffs um die Ohren. Am Bass ist mittlerweile ein alter Bekannter zu finden. Ex AC/DC Bassist Mark Evans, der in den frühen 70ern, beim Hardrock Schlachtschiff unter Vertrag stand und aufgrund Diskrepansen mit Angus Young, einst die Band verließ, heuerte 2017 bei Rose Tattoo an. Das längste Mitglied hinter Angry Anderson ist Drummer Paul DeMarco, der schon seit 1993 in der Band die Schießbude bedient.

Beginnend mit „One of the Boys“ schüttelten die Australier die Zeche schon ordentlich durch und Dai Pritchard zeigte erstmals, was er Live an der Slide Gitarre drauf hat. ‚Es folgten „Juice on the Loose“ und der erste Auszug der letzten LP Blood Brothers – „Man about Town.“ Die Zeche war nun ordentlich aufgeheizt und Rose Tattoo warfen fröhlich weiter mit Klassikern umsich. „Assault & Battery“ ging tierisch ab, gefolgt von „Tramp“, das ich persönlich nicht unbedingt in der Playlist hätte haben müssen. Doch im Anschluss kam ein Doppelpack, worauf wohl jeder Fan gewartet hat. In einem 7 Minuten Spektakel ausgeweitet legten die Australier den „Rock’n’Roll Outlaw“ auf’s Parkett. Ein Song in dem die Slide Gitarre mal wieder so richtig zur Geltung kommt und sich Dai Pritchard ordentlich austoben konnte. Auch wenn der Kollege mehr aussieht wie ein Bodybuilder, als ein typischer Gitarrist, sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Der Mann legt eine derartig coole Performance hin, das einem hören und sehen vergeht. Entweder man hat es, oder man hat es nicht – Dai Pritchard hat es zu 100%. Das Publikum wurde mittlerweile auch immer lauter und begleitete den Klassiker unter lauten Rock’n’Roll Outlaw Sprechchören. Die Begeisterung war deutlich zu spüren.

Angry Anderson war sich zwischen den Songs auch nie für den einen oder anderen Gag zu Schade. Der kleine (ja wenn man ihn so mal Live erlebt, ist der Mann wirklich klein!) Fronter agierte immer prächtig mit dem Publikum, erzählte kurze Geschichten, riss die Fans mit und sorgte für Stimmung. Einfach ein klasse Typ.
Und dann kam der Hit der Hits! „The Butcher and fast Eddie“ in einer über 8 Minuten Live Performance, die man so schnell nicht vergessen wird. Für mich ohnehin DER Rose Tattoo Song überhaupt.
Nach einer kurzen Vorstellung der Band, war es aber Zeit, die Blood Brothers Scheibe mal ordentlich zu beschallen. Den Anfang machten sie mit dem schlichten Rock’n’Roller „Standover Man.“ Bevor allerdings 3 weitere Hits des besagten Albums folgen sollten, unterbrachen Rose Tattoo den Blood Brothers Part kurzzeitig für den Klassiker „Branded“, der vom Publikum wieder gröhlend begleitet wurde. Die Slide Gitarre heulte am Fließband und so langsam stellte sich auch das letzte Nackenhaar steil nach oben. Ein wahrer Eargasm für Rock’n’Roller!
Dann das Blood Brothers Triple. Der Opener des letzten Albums „Black Eye Bruiser“, „Once in a Lifetime“ und „1854“ wurden zum Besten gegeben. Leider hat „Nothing to Loose“ nicht den Weg in die Playlist gefunden, was ich sehr bedauere, aber die Blood Brothers ist einfach so ein verdammt geiles Album, das selbst mir die Auswahl ziemlich schwer gefallen wäre. Von dem Album kann man im Grunde alles spielen. Trotzdem wäre „Nothing to Loose“ mMn Pflicht gewesen.
Weiter ging es mit alten Klassikern. „Rock’n’Roll is King“ sorgte für erneuten Gesang im Publikum, welches Angry Anderson nun richtig fett unterstützte. Unter Standing Ovations folgten „Scared for Life“ und „Bad Boy for Love.“ Bei letzterem wurde wieder ordentlich mitgegröhlt. Aber nicht nur das. In einer über 7 Minuten Version, mit langem Instrumental im Mittelteil, wurde von Angry Anderson genutzt, um auch mal den Rock’n’Roll Nachwuchs auf die Bühne zu holen. Gemeinsam mit einem vielleicht 10 Jährigen Jungen aus dem Publikum, wurden einige Fotos geschossen. Diesen Moment wird der Kurze sicherlich auch nicht vergessen.
„Astra Wally“ gehört zwar ebenfalls zu den alten Klassikern, hätte aber auch nicht unbedingt in die Playlist gemusst. Dennoch hat der Song im Publikum endgültig den letzten Knoten platzen lassen. Es geschah etwas, was ich so in den üblichen Club Konzerten noch nie erlebt habe. Ruckzuck hatte sich vor der Bühne ein großes Moshpit gebildet und die Fans begannen wild zu poggen! Spätestens jetzt war der Beweis erbracht, das Rose Tattoo Live absolut jedem die Socken ausziehen! Nach „Remedy“ begann Angry Anderson sich vom Publikum in mehreren Sprachen offiziell zu verabschieden. Es folgten die letzten Songs des Abends. „We Can’t Be Beaten“ und natürlich wie immer zum Abschluss „Nice Boys.“ Auch dort standen die Mosher nicht mehr still und die ganze Zeche sang weiterhin lautstark mit, bis die Australier unter gemeinschaftlichen „Zugabe, Zugabe…“ – Chören, in ihren verdienten Feierabend entschwanden.

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Unterm Strich war das Konzert ein wahnsinniges Erlebnis. Angry Anderson noch einmal Live gesehen zu haben, war mir ein persönliches Highlight. Rose Tattoo sind eine grandiose Live Band, die man sich auf jeden Fall anschauen muss, wenn man Gelegenheit bekommt. Wer weiß wielange sie überhaupt noch spielen werden…
Ich habe ja schon viele geile Konzerte in diesem Jahr erlebt und es stehen auch noch so einige bei mir an, aber Rose Tattoo waren auf jeden Fall etwas besonderes. Die Playlist hat bis auf wenige Ausnahmen gepasst. „Tramp“, „Astra Wally“ und „Remedy“ hätte man weglassen können. Vermisst habe ich „Nothing to Loose“, „House of Pain“ und „Hardrockin‘ Man“, welche definitiv die bessere Lösung gewesen wären, aber das ist auch wirklich neben der Vorband, der einzige Kritikpunkt, den man geben kann. Ansonsten war das Konzert einfach nur FETT!
Ein unbeschreiblicher Vollgas Rock’n’Roll Slide Gitarren Horchlappen Ohrgasmus. Das ist Rock’n’Roll! Es war mir ein Fest.

Mehr Fotos unter: Radio Rock auf Flickr

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