Doro – Forever Warriors, Forever United

Doro ist seit 35 Jahren die konkurenzlose Queen of Metal, außerdem Stammgast auf dem W:O:A und wurde dort jüngst für ihre Verdienste ausgezeichnet.

Doch wird Frau Pesch diesem Hype um ihre Person überhaupt gerecht? Ich behaupte nein. Sicherlich hat Doro für den Metal viel geleistet und zeigt sich immer wieder sehr arrangiert. Und auch Live ist sie absolute Klasse, was aber noch lange nicht die vorhandene Qualität ihrer Songs wiederspiegelt. Beim diesjährigen W:O:A legte Doro zwar einen fetten Auftritt hin, der wahrlich zu begeistern wusste, aber die komplette Playlist bestand auch fast ausschließlich nur aus alten Warlock Klassikern, sowie Live Covern mit prominenten Gast Musikern. Merkste was? Alles andere zündet nämlich nicht und wird sich auch niemals in diese Riege einreihen. Das mag natürlich alles Geschmackssache sein, aber meiner Meinung nach sind Doro’s Solowerke, bis auf wenige Songs, die man an einer Hand abzählen kann, nicht der Rede wert.

Dementsprechend ist auch die Info über das aktuelle Doppelalbum mit 25 neuen Songs, sowie dem audiovisuellen Ergebnis, für mich persönlich eher ernüchternd. Da nützen auch zahlreiche befreundete Musiker nichts, die auf Doro’s neuem Werk „Forever Warriors, Forever United“ mitgewirkt haben. U.a. Helge Schneider am Saxofon (Wtf?!), Johan Hegg (Amon Amarth), Doug Aldrich (Whitesnake, The Dead Daisies), Mille Petrozza (Kreator), Chuck Billy (Testament), Warrel Dane, Jeff Waters (Annihilator) und Ross The Boss. „Forever Warriors, Forever United“ sollte wohl ein echtes Brett werden, langweilt aber fast ausschließlich am Stück, also alles was ich von Doro gewöhnt bin, tritt auch hier wieder ein.

„All For Metal“ war wohl als neue Hymne geplant, hat aber so wenig Druck auf der Brust, das ich den Song als jenes garnicht ernst nehmen kann. „Bastardos“ hingegen geht zwar ordentlich ab, ist aber leider auch insgesamt zu schwach, um im Ohr zu bleiben. Wenigstens funktioniert das interessante Duett mit Johan Hegg, welches Live auf dem W:O:A schon richtig gut an kam. Auf der Studio Version kommen Hegg’s Growls aber wesentlich besser zur Deutung. „Soldier of Metal“ oder „Freunde fürs Leben“ sind mal wieder obligatorische „Für Immer“ Kopien, nicht mehr und nicht weniger. Da funktioniert „Love’s Gone To Hell“ als eigenständige Ballade wesentlich besser. „Blood, Sweat And Rock’n’Roll“ ist ganz nett, das Whitesnake Cover „Don’t break my Heart Again“ eher überflüssig. „Backstage to Heaven“ und „Be Strong“ gehören zwar zur besseren Sorte, hauen allerdings auch nicht sonderlich vom Hocker. Man hat einfach immer wieder den Eindruck, das Doro sich kaum ein Stück weiterentwickelt und die selbe Leier aufs Neue durchkaut. Immerhin sollte sich dieses zumindest geringfügig auf der zweiten Disc ändern.
War die erste CD schon nicht der Knaller, zieht sich Disc 2 nur noch wie Kaugummi durch den Player. „Resistance“ wirkt im Chorus befremdlich und diese ganzen Wischiwaschi Balladen hätten in der Masse auch nicht sein müssen. Allerdings sind es aber auch meist diese, in denen Doro voll überzeugen kann. Nach „Love’s Gone To Hell“ können „Black Ballad“ und vorallem „Lift me Up“ als gelungen bezeichnet werden. Endlich haut Doro mal eine Überraschung raus, die wir so von ihr noch nie gehört haben! Doch der kleine Lichtblick fällt schnell wieder unter den Teppich.Die Zusammenarbeit mit Doug Aldrich in „Heartbroken“ ist genauso verschenkt, wie das sinnlose Motörhead Cover „Lost in the Ozone.“ Bei „Fight Through The Fire“ nützen auch die Knüppelriffs nichts, um im Gedächnis zu bleiben. Beim Bonus Track „Caruso“, wenn Doro anfängt auf italienisch in Klavierbegleitung zu singen, wirds extrem peinlich und auch die ungewöhnliche, deutschsprachige Punknummer „Metal is my Alcohol“ wirkt wie ein Fremdkörper. Da kann letztendlich nur noch „Love is a Sin“ überzeugen. Der Song ist abermals eine Abwechselung von Doro. Herrlich erfrischend geht dieser gleich ins Ohr.

Unterm Strich ist „Forever Warriors, Forever United“ sicherlich nicht das geworden, was es sein sollte. 2 CD’s, 25 Songs, darunter 6 Bonus Tracks und insgesamt nur 5 davon, die wirklich heraus stechen! Das reicht bei der Masse an Songs, nichtmal ansatzsweise für den Durchschnitt. „If I Can’t Have You – No One Will“ mit Johan Hegg, das epische „Love’s Gone To Hell“, „Black Ballad“ und die enorm frischen „Lift Me Up“ sowie „Love Is A Sin“ sind wirklich gelungen und das sind schon in der Anzahl bei weit mehr gute Titel, als wie man sie sonst auf einer Doro Scheibe gewohnt ist. Dennoch bleibt der fade Beigeschmack, das man sich 20 Titel zum Größtenteil hätte sparen können. Alles andere wirkt halbgar, über typische Album Füller Tracks, bishin zu extrem schwach. Doro muss sich den Vorwurf gefallen lassen, das hier eher eine reine Geldmasche hintersteckt, als musikalische Vielfalt, denn als (Doppel)Album kann „Forever Warriors, Forever United“ letztendlich nur wenig überzeugen und stellt höchstens für beinharte Fans einen Kaufgrund dar. Alle anderen wären besser damit beraten, sich die 5 genannten Titel bei Amazon herunter zu laden. Die sind wirklich ihr Geld wert. Der Rest bleibt fragwürdig.

 
Bob Rock
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Guter Heavy Metal ist so rau und durcheinander, dass er dich geradewegs an den Rand des Wahnsinns bringt.

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